# taz.de -- Streik beim Unionhilfswerk: Weder christlich noch sozial
> Das CDU-nahe Unionhilfswerk verweigert die Verhandlungen über einen
> Tarifvertrag. Gewerkschaftliche Organisierung will der Wohlfahrtsverband
> unterbinden.
(IMG) Bild: Keine Lust auf Union-Busting: streikende Beschäftigte vor dem Abgeordnetenhaus
Gabi Tropf, Sozialarbeiterin und Mitglied der Tarifkommission, ist entsetzt
über ihren Arbeitgeber: „Wir durften nicht mal auf Toilette gehen, in
unseren eigenen Einrichtungen. Und das ist ein sozialer Träger!“ Um zu
verhindern, dass Gewerkschafter:innen mit Kolleg:innen sprechen,
untersagte das Unionhilfswerk (UHW) kurzerhand das Betreten sämtlicher
Einrichtungen des Wohlfahrtsverbands.
Der Tarifkonflikt beim Wohlfahrtsverband Unionhilfswerk eskaliert. Am
Freitag endete der erste dreitägige Warnstreik. Die Beschäftigten fordern
Verhandlungen über einen Tarifvertrag, doch die Geschäftsführung mauert.
„Das Unionhilfswerk weigert sich, mit uns über einen Tarifvertrag zu
reden“, kritisiert Verdi-Funktionärin Julia Dück auf der Streikkundgebung
am Donnerstag. „Dabei schrecken sie nicht vor Methoden zurück, die ins
letzte Jahrhundert zurückreichen.“
Vor der CDU-Geschäftsstelle, dem Konrad-Adenauer-Haus, haben sich über 100
Mitarbeitende des Wohlfahrtsverbands versammelt. Die
Gewerkschaftsfunktionärin spielt auf die Prämie an, die die
Geschäftsführung den Streikbrecher:innen versprochen habe. 50 Euro
brutto pro Tag soll es zusätzlich für alle geben, die trotz des Ausstands
arbeiten gehen.
## Gewerkschaft unter Druck
Tarifkommissionsmitglied Tropf berichtet, dass die Geschäftsführung den
Beschäftigten untersagte, über den Streik zu sprechen. Selbst die Nutzung
von Diensthandys hätten einige Leitungen verboten, weil Beschäftigte dort
in Messengern von Gewerkschaftsgruppen aktiv waren. Einer Betriebsrätin
soll per Post mit einer fristlosen Kündigung gedroht worden sein, weil sie
im Betriebsratsbüro Gewerkschaftsunterlagen gelagert haben soll.
„Stopp das CD[1][Union-Busting]“, fordert Dück, die Streikenden antworten
mit Trommeln und Pfeifen. 1947 von Christdemokraten gegründet, gibt es
heute zwischen dem Unionhilfswerk und der Partei immer noch zahlreiche
personelle Überschneidungen. Der Vorsitzende der Stiftung, Michael
Dietmann, sitzt für die CDU im Abgeordnetenhaus. Auch der Landesvorstand
ist von CDU-Mitgliedern dominiert, der Noch-Regierende-Bürgermeister Kai
Wegner ist Mitglied im UHW.
Im Koalitionsvertrag spricht sich die CDU für eine Tarifbindung bei dem
Träger aus. Während des Streiks duckt sich die Partei weg, die Mitglieder
begnügen sich mit neugierigen Blicken aus dem Glasbau des
Konrad-Adenauer-Hauses.
Insgesamt arbeiten beim Unionhilfswerk 3.000 Beschäftigte. Der Träger
betreibt Kitas, betreute Wohngruppen, ambulante Pflege und
Mobilitätsdienste. Bestreikt wird aber nur die Untergesellschaft
Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen, die mit 800 Beschäftigten 65
Einrichtungen in Berlin betreibt.
## Gescheiterter Tarifvertrag
Der Streit um einen Tarifvertrag schwelt schon seit 2024. Damals
verhandelte die Geschäftsführung 18 Monate lang einen Branchentarifvertrag
mit dem Arbeitgeberverband PTG, an dem auch andere mittelgroße Berliner
Träger beteiligt sind. Doch kurz vor Abschluss weigerte sich das UHW, den
Tarifvertrag zu unterschreiben, und stieg aus den Verhandlungen aus.
Die Belegschaft fordert, nach [2][dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts
der Länder (TV-L)] bezahlt zu werden. Nach dem Tarifwerk werden auch die
Kolleg:innen im öffentlichen Dienst bezahlt, viele Wohlfahrtsverbände
orientieren sich am TV-L.
Laut Verdi beträgt die Differenz zum TV-L bei den Erzieher:innen
zwischen 700 und 4.000 Euro pro Jahr. Wichtiger noch als das Lohnplus ist
den Beschäftigten ein verlässlicher Tarifvertrag. „So hängt alles immer nur
vom Goodwill der Geschäftsführung ab“, sagt Tropf: Arbeitszeiten,
Zusatzzahlungen, betriebliche Altersvorsorge.
Das Unionhilfswerk argumentiert, für eine Bezahlung nach TV-L sei nicht
genügend Geld vorhanden. „Eine Übernahme des TV-L ist insbesondere aufgrund
der aktuellen Kita-Finanzierung des Landes Berlin wirtschaftlich nicht
tragfähig“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens der taz mit. Das Land
finanziere nur 95 Prozent des TV-L-Niveaus, auch seien die Sachkosten nicht
gedeckt.
Stattdessen versucht die Geschäftsführung, die Gehaltsverhandlungen mit dem
Betriebsrat zu führen. Verdi kritisiert hingegen, dass Betriebsräte
grundsätzlich keine Gehälter verhandeln dürfen.
## Lieber kürzen als gute Löhne
„Der Versuch von GEW und Verdi, einen Tarifvertrag zu erzwingen, den wir
explizit ausschließen und auch nicht einführen werden, ist ein Politikum,
das auf dem Rücken der Mitarbeitenden, der zu betreuenden Menschen und
deren Angehörigen ausgetragen wird“, teilte die Geschäftsführung in der
Morgenpost mit.
Zumindest darin, dass der Streik eine politische Dimension hat, stimmen
Gewerkschaft und Geschäftsführung überein. Gewerkschaftsfunktionärin Gisela
Neunhöffer nimmt auf der Kundgebung die Partei in die Pflicht: „Die CDU
steckt voller Widersprüche, eure Arbeitsbedingungen sind ihr scheißegal.“
Statt für Tarifbindungen bei freien Trägern zu sorgen, [3][kürze die Partei
lieber weiter die Sozialleistungen und Pflegefinanzierung zusammen.]
11 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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