# taz.de -- Vivian Wilson gegen KI: Mensch, Maschine, Mode
> In der neuen Werbekampagne von Desigual wird Kritik an KI geübt. Und das
> ausgerechnet mit der Tochter von Elon Musk, der Milliarden in KI
> investiert.
(IMG) Bild: Vivian Jenna Wilson ist die Tochter von Elon Musk
„Er wurde designt, um zu gehorchen“, sagt Vivian Wilson in die Kamera,
während sie an einem Gartentisch sitzt. Hinter ihr mäht ein humanoider
Roboter den englischen Rasen. „Ich nicht“, sagt Wilson, drückt einen roten
Knopf – die Sprinkleranlage geht an und der Roboter fällt funkenschlagend
um. Der Clip ist Teil der neuen Modelinie der Fashionmarke Desigual. Und
die Kampagne feiern viele gerade ziemlich ab.
„Eine Maschine gehorcht, eine Königin regiert“, schreibt etwa ein Nutzer
unter dem Post von Vivian Wilson. „Das ist die beste Werbekampagne, die ich
seit Langem gesehen habe“, eine andere. Sie ist gut gemacht, sie kommt zu
einem Zeitpunkt, an dem sich viele Arbeiter*innen die Köpfe darüber
zerbrechen, wie sie bitteschön gegen den Vormarsch von KI ankommen wollen –
und vor allem hat sie Vivian Wilson. Die entfremdete Tochter von [1][Elon
Musk] als Gesicht einer Anti-AI-Kampagne einzusetzen, während dieser
Milliarden in AI-Projekte steckt, ist genial.
Die 22-Jährige ist schließlich auch nicht irgendeine Tochter des
Techmilliardärs. Sie ist die Tochter, über die Musk gesagt hat, dass sie
vom „woke mind virus“ infiziert worden sei, nachdem sie sich öffentlich als
trans geoutet hat. Sein Sohn sei tot, so Musk zu dem Outing. Er sei beim
Unterschreiben der Dokumente von Wilsons Transition mit Hormonen
ausgetrickst worden. Wilson hat sich öffentlich von ihm distanziert,
änderte ihren Nachnamen, lebt finanziell unabhängig von ihrem Vater und
äußert sich in den sozialen Medien immer wieder kritisch, etwa zur
[2][US-Politik bei queeren Rechten.]
Jetzt macht sie eine Kampagne, in der sie Roboter als Untersatz für einen
Golfball benutzt, ihn an der Leine durch den Garten führt, eine Sexpose mit
ihm ausprobiert und versucht, ihm das Wort „Desigual“ beizubringen.
## „I am not a robot“
Sie fordert den KI-Roboter im Clip also zu Widerstand auf. Widerstand, den
es gegen die KI‑Industrie wohl ganz gut gebrauchen könnte. Gerade am
Mittwoch kündigte Jacob Coxon, ein ehemaliger Mitarbeiter von Anthropic,
seinen Job und warnte öffentlich vor den Gefahren der Technologie. Er warf
[3][Unternehmen wie Anthropic und OpenAI] mangelndes
Verantwortungsbewusstsein vor und warnte davor, dass KI im schlimmsten Fall
die Menschheit auslöschen könnte.
Auch Elon Musk treibt die Entwicklung von KI und humanoiden Robotern massiv
voran. Tesla entwickelt etwa mit Optimus einen eigenen humanoiden Roboter,
und Musk hat mit xAI eines der großen KI-Unternehmen der Gegenwart
aufgebaut.
Desigual nennt die Werbekampagne „Born to Disobey“. Und nutzt dabei Slogans
wie „Own the code“, „Dress to disrupt“, „System failure“ oder „Free will
activated“. Und auf der Website arbeitet die Marke mit einem Motiv, das man
aus dem Internet kennt: „I am not a robot.“ Also: Beweise, dass du ein
Mensch bist.
In einer Pressemitteilung zur Kampagne heißt es: Die größte Rebellion
bestehe heute nicht mehr darin, das System zu bekämpfen, sondern darin,
sich zu weigern, Teil des Systems zu sein. Das klingt ketzerisch, ist aber
einfach eine ziemlich bequeme Haltung.
## Desigual ist kein Systemsprenger
Denn natürlich ist Desigual Teil des Systems. Nicht irgendeines Systems,
sondern der kapitalistischen Modeindustrie – einer Industrie, die von
globalen Lieferketten, riesigen Produktionsmengen und ständigem Konsum
lebt. Desigual produziert einen großen Teil seiner Kleidung außerhalb
Europas. Da kann man sich schon fragen: Wie glaubwürdig ist es, wenn
ausgerechnet eine Modemarke behauptet, außerhalb des Systems zu stehen? In
einem Werbeclip einen Menschenroboter umlegen und „Widerstand“ auf ein
Shirt drucken, macht einen noch nicht zum Systemsprenger.
Aber was die Kampagne macht, wie alle guten Werbekampagnen, ist,
Aufmerksamkeit zu schaffen. Auf die Marke, aber auch auf das Thema. Wilsons
persönlicher Konflikt mit Musk macht sichtbar, was abstrakte Debatten über
KI oft nicht schaffen: Hinter der Technologie stehen immer noch Menschen.
[4][Extrem reiche Menschen mit Geld, Macht und bösen Absichten]. Und
manchmal eben auch ein Vater, der humanoide Roboter bauen lässt, während
seine Tochter öffentlich genau das Gegenteil verkörpert.
12 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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