# taz.de -- Krankenhausschulden bleiben rätselhaft: Weniger Schulden dank mehr Personal
       
       > Bremens kommunale Klinik-Holding verkündet ein großes Defizit. Der
       > Klinik-Zusammenschluss in Ostfriesland hingegen macht weniger Miese als
       > gedacht.
       
 (IMG) Bild: Kliniken stehen unter Sparzwang und eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil
       
       Sein geplantes Defizit um 6 Millionen auf rund 10 Millionen Euro zu
       verringern, ist dem kommunalen Zentralklinikum Ostfriesische Meere (ZKOM)
       nach eigenen Angaben gelungen. Das ist bemerkenswert, weil gegen den Trend:
       Bundesweit klagen Krankenhäuser über explodierende Einkaufspreise und
       Negativauswirkung der neuen gesetzlichen Finanzierungsregeln – und
       explodierende Kosten für erdölbasierte Einwegartikel, die bei
       Untersuchungen und Operationen en masse anfallen. So hatte Bremens
       kommunale Klinik-Genossenschaft in der vergangenen Woche zugegeben, im
       laufenden Jahr deshalb 20 Millionen Euro mehr Minus einzufahren als
       vorgesehen.
       
       Schwierige politische Vorgaben, gestiegene Materialkosten – „diese Effekte
       konnten wir ebenfalls beobachten“, heißt es aus dem ZKOM auf Nachfrage der
       taz. Eine „schwarze Null“ sei „unter den derzeitigen gesetzlichen
       Rahmenbedingungen nicht zu erwarten“, so die Prognose.
       
       Dass man nach den hochgerechneten Halbjahreszahlen dennoch am Ende ein
       deutlich besseres Ausgaben-Einnahmen-Verhältnis erzielen wird als
       ursprünglich angenommen, soll hauptsächlich an zwei Faktoren liegen: Man
       habe das Leistungsspektrum ausgeweitet. Und, um das zu ermöglichen, wurde
       deutlich mehr ärztliches Personal eingestellt. Mittlerweile beschäftigt das
       ZKOM 314 Mediziner*innen, 28 Prozent mehr als beim Start der Zusammenlegung
       2022.
       
       Beides sind nach Darstellung der Geschäftsführung bereits Effekte der
       Fusion der Krankenhäuser in Emden, Aurich und Norden zu einem kommunalen
       Klinikverbund. Dadurch Geld zu sparen, war der Kerngedanke der Gründung
       gewesen.
       
       ## Protest hatte die Klinikpläne begleitet
       
       Allerdings war erwartet worden, dass die Synergien erst in drei Jahren so
       richtig zu Buche schlagen, [1][also erst nach Bezug des gemeinsamen Neubaus
       auf den Äckern zwischen Uthwerdum und Georgsheil]. Erster Spatenstich von
       Ostfrieslands größter Baustelle war im April gewesen. Damit ging auch der
       jahrelange Protest gegen das Vorhaben zu Ende.
       
       Der hatte die Pläne fürs Zentralklinikum begleitet, seit sie 2013 erstmals
       vorgestellt worden waren. Eine Klage (2016), ein negativer (2017) und ein
       positiver Bürgerentscheid (2019) [2][markieren die Etappen einer für die
       Region prägenden Debatte]. „Mir ist bewusst, dass sich die
       (De-)Zentralklinik nicht mehr aufhalten lässt“, teilt Ingo Weber, einer der
       entschiedensten Fusionsgegner, der taz auf Nachfrage mit.
       
       Der parteilose Emder Bürgermeisterkandidat möchte jetzt vor allem
       verhindern, dass Zusagen vergessen werden, die dem ZKOM im Laufe der
       Diskussion abgerungen worden waren. So habe sich die Trägergesellschaft
       verpflichtet, jährlich einen Betrag von 350.000 Euro an die Stadt Emden zu
       zahlen, um die lokale Gesundheitsversorgung zu garantieren.
       
       Bereits gebrochen worden sei das Versprechen, eine Rund-um-die
       Uhr-Notfallversorgung an den drei Standorten mit 750.000 Euro zu
       kofinanzieren. „Da sollte man die Trägergesellschaft nicht so einfach vom
       Haken lassen“, warnt Weber, der mit Skepsis auf die nun vorgelegten
       Erfolgszahlen schaut.
       
       Zweifel hatte es auch gegeben, ob genügend qualifizierte Ärzt*innen und
       Pflegekräfte angelockt werden könnten: Deren Fehlen wird bundesweit
       beklagt. Landarztpraxen verwaisen, aber auch Klinikstellen neu zu besetzen,
       fällt laut Deutschem Krankenhaus-Institut [3][in über der Hälfte der Fälle
       schwer].
       
       Mit Blick auf die ostfriesischen Pläne hatte der Bremer
       Public-Health-Professor [4][Karl Heinz Wehkamp daher 2020 gewarnt, das
       Zentralklinikum im Dorf sei „kein attraktiver Ort für das Personal“.] Die
       ZKOM-Leitung hat nun das Gegenteil beobachtet: Die Personalgewinnung hänge
       „nicht unwesentlich mit der vielversprechenden Perspektive zusammen,
       zukünftig in einer modernen Zentralklinik arbeiten zu können“, teilt sie
       auf Anfrage der taz mit. Den Einspar-Effekt gegenüber der Arbeit mit
       Honorarkräften beziffert sie auf 7,5 Millionen Euro.
       
       ## Dürftige Erklärungen
       
       Das mindestens ist keine Lösung fürs Problem in Bremen, wo ohnehin fast
       ausschließlich mit klinikeigenem Personal operiert wird: Das dort
       zeitgleich mit den ostfriesischen Zahlen aufgeploppte zusätzliche Defizit
       von 20 Millionen Euro bei der kommunalen Klinik-Holding Gesundheit Nord
       (Geno), war im parlamentarischen Raum teils mit Zorn, teils mit
       Ratlosigkeit quittiert worden. Zwar führt auch hier ein
       Konzentrationsprozess zu einem Kostenrückgang. So gibt es nur noch eine
       Zentralküche statt bislang vier.
       
       Aber die dadurch frei werdenden Mittel waren im Haushaltsentwurf fürs
       Geschäftsjahr 2026 bereits eingepreist. Die weiteren Erklärungsversuche
       erscheinen dürftig: Die Frage, wie hoch der Anteil der ins Feld geführten
       Kostensteigerung von erdölbasierten Einwegartikeln an den 20 Millionen
       Zusatzverlust ist, bleibt unbeantwortet. Darüber hinaus verweist die Geno
       auf die neue Abrechnungsform der Hybridfälle, also Behandlungen, die mit
       maximal zwei Nächten stationärem Aufenthalt verbunden sind.
       
       ## Blick in die Zukunft: düster
       
       Die scheinen in Bremen ein Riesenloch in die Kasse zu reißen. Hier könnte
       sich der Blick nach Nordwesten lohnen. Denn laut ZKOM hat dort gerade die
       „konsequente Nutzung auch der neuen Abrechnungsformen wie Hybrid-DRG“ zu
       dem guten Zwischenergebnis beigetragen.
       
       Düster sind jedoch sowohl beim ländlichen als auch beim großstädtischen
       Klinikverbund die Zukunftsaussichten: Ab 2027 greift das
       Beitragsstabilisierungsgesetz. Und das wird dem Essener Leibniz-Institut
       für Wirtschaftsforschung zufolge den Krankenhäusern flächendeckend Probleme
       bereiten.
       
       Von einem bundesweiten Erlösrückgang von bis zu 8,6 Milliarden ist [5][laut
       aktuellem Rating Report] auszugehen. In Bremen stellt man sich darauf ein,
       mindestens dreimal so viel Miese wie gegenwärtig zu machen. Und aus Aurich
       heißt es: „Wirtschaftliche Verbesserungen sind unter den derzeitigen
       bundespolitischen Rahmenbedingungen nicht zu erwarten.“
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krankenhaus-Gegner-ziehen-vor-Gericht/!5295171&s=Krankenhaus+Emden+Norden+aurich&SuchRahmen=Print/
 (DIR) [2] /Kommunale-Buergerentscheide/!5725222
 (DIR) [3] https://esis-medical.de/aerztemangel-report/
 (DIR) [4] /Gesundheitsforscher-ueber-Krankenhaeuser/!5681414
 (DIR) [5] https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/krankenhaus-rating-report-2026-krankenhaeuser-krankenkassen-und-kommunalfinanzen-unter-druck
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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