# taz.de -- Festivalorganisator über Klima: „Politische Bewegungen brauchen einen Soundtrack“
       
       > Sounds for Climate in Aachen ist das wohl nachhaltigste Musikfestival
       > Deutschlands. Mitorganisator Rüdiger Haude geht es ums Klima in jeder
       > Hinsicht.
       
 (IMG) Bild: Auch die Band Final Virus hat schon auf dem Sounds-of-Climate-Festival gespielt
       
       taz: Warum muss die Welt vom 3. Festival Sounds for Climate am Samstag in
       der Aachener Provinz erfahren? 
       
       Rüdiger Haude: Weil wir erstens ein Festival auf die Beine stellen, das
       hundert Prozent klimaneutral ist, nicht nur bei der Stromversorgung mit
       Speichertürmen. Sondern auch bei den Caterern mit Veganfood,
       Komposttoiletten, Spülstraßen etc. Und wir wollen das Festival durch
       Redebeiträge auch von bürgerschaftlichen Initiativen in Aachen mit der
       Schaffung von politischem Bewusstsein koppeln – nicht nur
       [1][Klimapolitik], sondern auch [2][gesellschaftliches Klima].
       
       taz: Gibt es nicht schon ähnliche Projekte in der Festivallandschaft? 
       
       Haude: Unser Stromversorger, BaasEnergy aus Jülich, hat uns versichert,
       dass wir absolute Pioniere seien, mit den Second-choice-Batterien, etwas
       größer als Kühlschränke. Andere nachhaltige Festivals kaufen sich frei mit
       Offset-Programmen, tendenziell ist das eine Mogelpackung.
       
       taz: Wie viel Strom braucht denn ein Festival? 
       
       Haude: Kommt natürlich auf die Größe an. Wir werden für geplant 2.000
       Besucher aufwärts 450 Kilowattstunden an Speichern stehen haben – so viel
       braucht ein Singlehaushalt etwa drei Monate. Dazu Photovoltaikanlagen, um
       bei Sonnenschein zu boostern. Das Futur-2-Festival in Hamburg bei 5.000
       Menschen braucht geschätzt eine Megawattstunde. Die arbeiten ähnlich wie
       wir. Aber: Da steckt eine GmbH dahinter, bei uns ein gemeinnütziger Verein,
       und alle arbeiten ehrenamtlich.
       
       taz: Wie kochen die Caterer? 
       
       Haude: Die meisten mit Strom. Zwei bestehen auf Gas. Eine Herausforderung
       für unseren kompromisslosen Fokus. In Belgien nebenan haben wir
       Biogas-Flaschen aufgetrieben, aber da brauchen wir andere Adapter, damit es
       passt. Da sitzen wir noch dran.
       
       taz: Wer sind die Bands? 
       
       Haude: Einheizen werden wir am Anfang mit unserem Vokal-Ensemble Andere
       Saiten. Dann sind dabei Guts Pie Earshot, Camper mit Indie-Pop oder
       Grundrauschen. Mein Highlight sind Robb Johnson and the Irregulars aus
       England, grandioser Rock ’n’ Roll mit tollen radikalen Texten.
       
       taz: Die kommen klimagerecht zu Fuß und schwimmen? 
       
       Haude: Nee. Anreise per Zug, mit dem Eurostar unterm Kanal.
       
       taz: Ist ein Ziel des Festivals, weiter zu begeistern für die
       Klimabewegung? 
       
       Haude: Ganz genau richtig. Wobei Klima erweitert zu verstehen ist. Es geht
       halt auch um das Klima in unserer Gesellschaft, die wachsende
       Faschisierung, die Militarisierung. [3][Jetzt ist noch Sachsen-Anhalt
       reingegrätscht.] Die AfD will ja jeden Klimaschutz zerschlagen.
       
       taz: Braucht man dagegen aufrüttelnde Riffs und donnernde Trommelwirbel? 
       
       Haude: Ja, das kann in Bewegung versetzen. Ich glaube übrigens, dass
       politische Bewegungen als einen Faktor ihres Erfolgs einen Soundtrack
       brauchen. Bei Demos nicht nur etwas skandieren, mal ein Schimpfwort rufen
       wie Fuck AfD. Sondern zeigen: Es geht besser, wir haben Ideen. Ein
       gemeinsames Lied kann da helfen!
       
       taz: Beim vorigen Mal war der Klavierkabarettist Bodo Wartke dabei. Wäre
       jetzt nicht Alphaville ein Hit gewesen? 
       
       Haude: Bestimmt. Aber die ganz Großen: schwierig. Die Ärzte stehen auf der
       Liste, guten Kontakt gibt es zu dem Festival Jamel rockt den Förster.
       Vielleicht nächstes Jahr.
       
       taz: [4][Ich frage nach Alphaville, weil die zuletzt mal ausgeladen wurden]
       aus Angst vor politischen Äußerungen. Bei Sounds for Climate müssten Sie
       politische Aussagen vertraglich zusichern? 
       
       Haude: Nein, das würden sie sicher von selbst machen. Wir wollen ja gerade,
       dass die Künstler auf der Bühne politisch agieren.
       
       taz: Wie oft guckt man als Open-Air-Veranstalter denn vorher auf die banale
       Wettervorhersage? 
       
       Haude: Manche gar nicht. Ich mehrfach am Tag. Sieht ja gut aus. Wir hatten
       immer großes Glück.
       
       taz. Der Klimagott ist für Klimagerechtigkeit! 
       
       Haude: Die vielen Agnostiker und Atheisten im Team würden das sicher anders
       formulieren.
       
       10 Sep 2026
       
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