# taz.de -- Selbstversuch auf der Vibrationsplatte: Good Vibes, meistens
> Unsere Autorin ist weiterhin auf der Suche nach dem für sie passenden
> Sport. In einem Bräunungsstudio fand sie ein besonderes Trainingsgerät.
(IMG) Bild: Kribbeln, straffen, optimieren: Vibrationsplatten sind vielfältig einsetzbar
Ich stehe in einem Berliner Einkaufszentrum mit 70er-Chic in einem
[1][Sonnenstudio] in einer Raumfahrtkabine. Vibrationswellen wandern von
meinen Füßen langsam bis zum Kopf. Wenn ich meinen Mund leicht öffne,
klappern meine Zähne aufeinander, meine Haut juckt nach ein paar Minuten,
wegen der Durchblutung. Ich mache ein Vibrationstraining, „das ist dreimal
so effizient wie Sport“, versicherte mir die Person am Empfangstresen.
Die Kabine ist etwa 1 Quadratmeter breit und sie kann so einiges. Sie soll
nämlich nicht nur durch ein Vibrationsboard im Boden dafür sorgen, dass man
seine Muskeln stimuliert. Man wird auch gleichzeitig noch von allen Seiten
durch UV–Röhren gebräunt oder – in meinem Fall – eher geröstet. Außerdem
gibt es ein „Collagenlicht“. (Das ist Infrarotlicht, das sich reiche Leute
als diese weißen Cyborg-artigen Masken aufs Gesicht legen.) Von oben bläst
ein Ventilator, von unten rüttelt die Platte. Das Produkt verspricht „3 in
1“: [2][Anti-Aging], Soft Tanning, Fitnesstraining. Das Gerät formt den
Körper, der Körper wird zum Gerät.
Ich bin vor allem mit einer Sache beschäftigt: Reize minimieren. Ventilator
runter. Dann aber wieder hoch, weil die UV-Lampen sonst viel zu heiß auf
die Haut knallen. Die sollen aber eigentlich eh aus. Schlechter House
scheppert in den Boxen, die Musik muss auch aus. Oder wechsel ich den
Kanal? Wie kann man heute eigentlich noch so schlechte Boxen herstellen?
Was für eine Aufregung. Aber alles für die Kolum… eh Gesundheit. Die
Vibration soll das Gleichgewicht fördern, die Durchblutung unterstützen,
Muskeln trainieren und den Körper straffen. Straffen, straffen, straffen.
„SHAPE“ steht auf der Außenseite der Kabine, als wäre es ein Problem des
menschlichen Körpers, dass er noch keine ausreichende Form besitzt. Der
Körper ist ein Optimierungsobjekt und das kann nur optimieren, wer das Geld
dazu hat. Zeit braucht man nicht mehr. Denn wir müssen ja nur noch 15 bis
20 Minuten auf einer vibrierenden Platte, während wir gleichzeitig etwas
gegen das Altern, für die Bräune und für die Muskeln tun. Zack, alles in
einem Rutsch erledigt. Die Vibrationsplatten in Fitness- und Sonnenstudios
sind natürlich vor allem für ein weibliches Publikum ausgelegt.
Im [3][Reha- und Leistungssport] sind sie aber schon lange etabliert. Mein
Opa präsentierte mir bei meinem letzten Besuch auch stolz eine Platte für
zu Hause, die er nach dem Einsetzen eines neuen Hüftgelenks fleißig nutzte.
Ob sie der Grund ist, dass er schon nach wenigen Wochen wieder völlig ohne
Schmerzen laufen konnte? Vielleicht. Ob man zur Vibration auch noch
Bräunung und Straffung braucht? Vermutlich nicht. Aber es liegt im Trend.
Und die Maschine passt natürlich perfekt in das heutige System: Sie
verspricht, in möglichst wenig Zeit möglichst viel für den Körper zu
machen.
Ich stehe also da und vibriere. 20 Minuten maximal. Als ich die Kabine
verlasse, freue ich mich über den sicheren Boden unter meinen Füßen. Mein
Bauch grummelt, meine Oberschenkel glühen. Ob ich es noch einmal mache?
Vielleicht. Richtigen Sport, und vor allem den Spaß am Sport und sich dafür
Zeit zu nehmen, kann eine solche Platte aber nicht ersetzen.
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rundum-sinnliches-Solarium/!1316032/
(DIR) [2] /Kampf-gegen-das-Altern/!6073601
(DIR) [3] https://www.researchgate.net/profile/Marco-Cardinale/publication/23999343_Vibration_Training_in_Elite_Sport_Effective_Training_Solution_or_Just_Another_Fad/links/09e415017f410aeb7e000000/Vibration-Training-in-Elite-Sport-Effective-Training-Solution-or-Just-Another-Fad.pdf
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
## TAGS
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Gesundheit
(DIR) Fitnessstudio
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
(DIR) Kolumne Sportsfroindin
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Auf der Suche nach einem Frühlingssport: Ist Pingpong eigentlich sexy?
Klassisch anziehend ist Tischtennis nicht wirklich. Für den Sport spricht
aber seine gesellige Seite. Das ist auch flirttechnisch praktisch.
(DIR) Naturtalent in einem Wurfsport: Nonchalant am Äxte werfen
Welch Überraschung! Ohne es zu wissen, bin ich vermutlich schon viele Jahre
Axt-Werf-Profi. Ein Sport, der binnen kürzester Zeit süchtig macht.
(DIR) Rückkehr zum Kickbox-Training: Ein bisschen bosshafter fühlen
Dieses Gefühl, sich auf die Stärke seines Körpers zu verlassen, ist
rauschhaft. Der Weg dahin ist hart und mit Stolperfallen versehen.