# taz.de -- 4-Stunden-Musk-Doku in Venedig: Hier spricht die Simulation
> Dokumentarfilmer Alex Gibney zeichnet bei den Filmfestspielen von Venedig
> ein Porträt von Elon Musk. Es ist unheimlicher als die Gothic-Geschichte
> von Regisseur Casey Affleck.
(IMG) Bild: Glaubt, einfach alles zu können: der Protagonist von „Musk“
Am Anfang steht das Ende. Ein Erdball, genauer die Computeranimation eines
Erdballs. Aus dem Off die Stimme des Unternehmers Elon Musk, der von seiner
Faszination für Simulationen spricht, und der Wahrscheinlichkeit, dass wir
selbst in einer Simulation leben. Von da springt er zur Idee einer Vielzahl
von Simulationen unserer Wirklichkeit, bei denen für ihn ganz
selbstverständlich ist, dass nur die beste von ihnen „überlebt“. In dem
Augenblick explodiert der Erdball.
„Musk“ nennt sich der [1][Dokumentarfilm von Alex Gibney], der in Venedig
außer Konkurrenz läuft und in dem der Regisseur über vier Stunden [2][den
Werdegang des vorübergehend reichsten Menschen der Welt nachzeichnet].
Schon in der Eingangssequenz mit den Simulationen sieht man Musk im Bild,
in einer seltsam glänzenden Lederjacke auf einem Sci-Fi-artigen Sessel
sitzend. Auch sein Gesicht hat etwas seltsam Unnatürliches.
Gibney erklärt den Grund für diese künstliche Anmutung. Für sein Projekt
hat er selbstverständlich Musk kontaktiert, um ein Interview mit ihm zu
bekommen. Musk lehnte ab. Darauf entschied sich Gibney für einen Ansatz,
der zum Gegenstand seines Films zumindest konzeptuell gut passt. Er
verwendete eine Vielzahl von Statements, die Musk im Internet schriftlich
auf X gemacht hat. Diese lässt Gibney in Ermangelung des echten Musks vom
artifiziellen Musk sprechen. Ästhetisch ist das gewöhnungsbedürftig.
Erfreulicherweise gibt es reichlich Archivmaterial mit Musk, zudem hat
Gibney noch andere Menschen als Interviewpartner angefragt, darunter seine
erste Frau Justine Musk, die Influencerin Ashley St. Clair, verschiedene
ehemalige Geschäftspartner von Tesla bis SpaceX und eine Reihe von
Journalisten. Gibney erinnert an Stationen in Musks Leben, die das Bild des
von Erfolg gesegneten Überunternehmers zurechtrücken.
Viele seiner Firmen hatten keinen oder zumindest anfangs keinen Erfolg,
dank seines Egos gelang es ihm jedoch, immer wieder seinen Wert zu
steigern. Das auch mit sehr unsauberen Mitteln. So setzte Musk einen der
eigentlichen Firmengründer von Tesla, Martin Eberhard, nach einigen Jahren
vor die Tür, um selbst als Gründer in Erscheinung zu treten und so seinen
Marktwert zu erhöhen.
## Ein „Heer“ aus eigenen Kindern
Besonders irritieren unheimliche Aspekte wie der, dass Musk verschiedensten
Frauen anbietet, mit ihm ein Kind zu bekommen, mit dem Ziel, „Legion“ zu
werden, seine eigenen Gene zu verbreiten, um damit ein „Heer“ zu schaffen.
Die Mütter behandelt er nach erfolgter Reproduktion mitunter, gelinde
gesagt, sehr respektlos, so auch die [3][Musikerin Grimes], mit der Musk
drei Kinder hat. Ein Sorgerechtsstreit war ein Nachspiel ihrer Beziehung.
Gibney schafft so ein verstörendes Bild eines Machtmannes, den einzelne
Menschen herzlich wenig interessieren. Sein Zwischenspiel in der
Trump-Regierung als Chefeinsparer bei staatlichen Ausgaben legt davon
ausgiebig Zeugnis ab. Die Wahlen in Sachsen-Anhalt kommen indirekt
ebenfalls vor.
Unheimlich ist auch der Stoff, den der Schauspieler Casey Affleck in seiner
dritten Regiarbeit erzählt, dem Wettbewerbsfilm „Company“. Auf drei Ebenen
recht verschachtelt erzählt, spielen darin verschiedene schwarz gewandete
Figuren eine Rolle, die zu verschiedenen Zeitpunkten im 19. und 20.
Jahrhundert vor der Haustür fremder Leute auftauchen und ihren überraschten
Gastgebern eine Geschichte erzählen, wobei jede weitere Ebene zur
ursprünglichen Geschichte dazugehört. Hier ist alles auf wundersame Weise
verbunden, wie, begreift man erst recht spät. Spuk gehört dazu, winterliche
Landschaften und Menschen, die sich ihrer eigenen Wünsche oft nicht bewusst
sind. Ein Rätsel, das einen am Grübeln hält.
9 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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