# taz.de -- Shitstorm nach Grünen-Antrag: Queere Ampelpaare lösen Hasswelle aus
> Ein Antrag der Grünen-Fraktion in Elmshorn hat einen Shitstorm
> verursacht. Die Fraktion will mehr Vielfalt bei den Ampelmännchen.
(IMG) Bild: Gleichgeschlechtliche Liebe im Straßenverkehr
Die Elmshorner Grünen wünschen sich mehr queere Repräsentation im
Straßenverkehr – und sehen sich deshalb mit einer Welle an Hass und Hetze
im Netz konfrontiert. Auslöser war ein Antrag für mehr Vielfalt bei den
Ampelmännchen in der Stadt Elmshorn in der vergangenen Woche. Über den
Antrag sollte am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung und
Umwelt verhandelt werden.
[1][Konkret schlägt die Fraktion vor,] künftig beim Austausch von
Ampelfiguren Motive einzusetzen, die sowohl heterosexuelle als auch queere
Paare abbilden. Angesichts der finanziellen Lage der Stadt soll der
Austausch im Rahmen der ohnehin anstehenden, regelmäßigen Erneuerung der
Ampelfiguren erfolgen, wie die Elmshorner Grünen in ihrer Ankündigung
berichten. Der finanzielle Aufwand hält sich somit in Grenzen.
Trotzdem löste die Ankündigung des Antrags durch die Fraktion auf Facebook
und Instagram neben Zuspruch eine Welle an Hasskommentaren aus. [2][In der
Kommentarspalte] auf Instagram finden sich Aussagen wie „Geistige
Verblödung im Endstadium“ und „Echt krank dieser ganze Quark“.
Der Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der Elmshorner Grünen, Björn
Hildebrand, äußerte sich gegenüber der taz zu den Hasskommentaren:
„Natürlich versuche ich, diese nicht so stark an mich ranzulassen. Aber
belastend und anstrengend ist die Situation schon.“ Die Tage nach der
Ankündigung seien herausfordernd gewesen, erklärte er. Auf die Frage, was
er sich von dem Antrag erhofft, erwiderte Hildebrand: „Die Sichtbarkeit von
Vielfalt soll verdeutlichen, dass queere Menschen ein selbstverständlicher
Teil unserer Stadtgesellschaft sind.“
## Vielfalt: nicht überall gern gesehen
Hildebrand richtet klare Worte an diejenigen, die sich gegen den Antrag
aussprechen: „Es geht um eine kleine Maßnahme, die große Symbolkraft hat
und kaum was kostet. Solange selbst ein kleiner Beitrag zur Sichtbarkeit
und gesellschaftlichen Teilhabe queerer Menschen ein derart negatives Echo
erzeugt, werde ich an dem Thema dranbleiben. Von ein paar Beleidigungen
werde ich mich nicht abschrecken lassen.“
Dabei ist die Forderung nach gleichgeschlechtlichen Ampelpaaren – und die
Umsetzung der Idee – nicht neu: In vielen deutschen Städten sind queere
Ampelpaare [3][seit Jahren ein fester Bestandteil des Straßenverkehrs.]
Doch auch dort stößt die Vielfalt an den Ampeln nicht nur auf Zuspruch.
So ging im Juli 2022 [4][beim Verwaltungsgericht München eine erfolglose
Klage] gegen die gleichgeschlechtlichen Ampelpaare in der Stadt ein. Die
Kläger gingen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Berufung,
doch der wies die Klage ebenfalls ab. Der VGH begründete seine Entscheidung
damit, dass die Ampelpaare „eine Botschaft der Sympathie“ sowie „eine
Aufforderung an die Mehrheitsgesellschaft zu Toleranz“ senden.
Im September 2025 klagte ein [5][Ratsherr in Hildesheim gegen die queeren
Ampelzeichen] in der Stadt. Er gab an, sich in seiner sexuellen
Selbstbestimmung und in seiner Identität als Mann eingeschränkt zu fühlen,
wie das Verwaltungsgericht Hannover dem NDR mitteilte. Außerdem sei der
Mann von einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung ausgegangen. Das
Gericht wies die Klage ab.
## Mehr Bedrohungen, weniger Sichtbarkeit
Queere Sichtbarkeit gewinnt vor dem Hintergrund der aktuellen
Bedrohungslage für queere Personen zunehmend an Bedeutung. Laut einem
gemeinsamen [6][Lagebericht des Bundeskriminalamtes (BKA) und dem
Bundesministerium des Innern] aus dem Jahr 2024 hat sich die Zahl
queerfeindlicher Straftaten [7][seit 2010 fast verzehnfacht.]
Wie real diese Bedrohung ist, zeigte sich im vergangenen Juli. Ein
Transporter fuhr [8][am Rande des Berliner CSDs] in eine Menschenmenge.
Eine Frau wurde dabei getötet, 31 Personen teilweise schwer verletzt. Das
Attentat zeigt, wie kritisch die Sicherheitslage für queere Menschen in
Deutschland ist.
Diese Entwicklung schlägt sich auch auf politischer Ebene nieder: Der 2022
von der Ampelkoalition ins Leben gerufene [9][Aktionsplan „Queer leben“]
wird [10][von der aktuellen Bundesregierung nicht weiter verfolgt.] Zudem
kürzte die Merz-Regierung in diesem Jahr bei den [11][Förderungen von
Projekten zum Schutz queerer Menschen] in Deutschland.
Queere Ampelpaare in Elmshorn können diese Kürzungen zwar nicht
ausgleichen, aber zumindest stellenweise mehr Sichtbarkeit für queere
Lebensrealitäten schaffen. Davon abgesehen senden sie die gleichen Signale
wie Standard-Ampelfiguren: Stehen bleiben oder Gehen im Straßenverkehr.
10 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DcyfKJqjNC0/?img_index=1
(DIR) [2] https://www.instagram.com/p/Dc0gnYRjIsK/?img_index=1
(DIR) [3] https://www.n-tv.de/regionales/hamburg-und-schleswig-holstein/Elmshorn-Shitstorm-wegen-gleichgeschlechtlicher-Ampelpaare-id31282974.html
(DIR) [4] https://www.wbs.legal/verkehrsrecht/gruenes-licht-fuer-die-liebe-queere-ampelpaare-duerfen-bleiben-61547/
(DIR) [5] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/gleichgeschlechtliche-ampelpaerchen-gericht-weist-klage-von-ratsherr-ab-hildesheim,ampelpaerchen-100.html
(DIR) [6] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/BMI24043-lb-lsbtiq.pdf?__blob=publicationFile&v=2
(DIR) [7] https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html
(DIR) [8] /Queerfeindlicher-Anschlag/!6200305
(DIR) [9] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1034860
(DIR) [10] /Queerfeindliche-Straftaten-2025/!6153999
(DIR) [11] /Jugendnetzwerk-Lambda/!6192551
## AUTOREN
(DIR) Rida Agha
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