# taz.de -- Psychologin über Klimakrise: „Verstanden zu werden, ist eine unverzichtbare Ressource“
       
       > In Hannover organisieren die Psychologists for Future Klimacafés. Statt
       > politischer Debatte geht es um das Teilen von Emotionen, sagt Martina
       > Amberg.
       
 (IMG) Bild: Berechtigte Ängste: Klimcafés sollen Raum bieten, um über emotionale Belastungen zu sprechen
       
       taz: Frau Amberg, warum ist die [1][Klimakrise eine psychologische Krise]? 
       
       Martina Amberg: Wenn wir darauf schauen, dass seit über 50 Jahren bekannt
       ist, dass wir gegensteuern müssen, um menschliche Lebensbedingungen zu
       retten, dann stellt sich doch die Frage: Was bestehen da für psychische
       Handlungshemmnisse? Und außerdem: Was macht es mit Engagierten, wenn es
       immer weiter bergab geht? Gerade bei der derzeitigen Bundesregierung ist
       das eine heftige Belastung. Nicht nur zu sehen, dass nicht genug getan
       wird, sondern auch, dass sinnvolle Maßnahmen gecancelt und zurückgedreht
       werden.
       
       taz: Sie sprechen von einer gesellschaftlichen Verdrängung der Klimakrise.
       Wie lässt sich das psychologisch erklären? 
       
       Amberg: Evolutionär ist unser Gefahrenabwehrsystem darauf angelegt, auf
       akute Bedrohungen zu reagieren. Die Klimakrise war für uns lange kaum
       sichtbar und hat uns in unserem Alltagserleben wenig tangiert. Das ist nach
       den Hitzewellen im Sommer vielleicht kurzfristig anders. Aber die Krise ist
       dennoch für viele abstrakt geblieben.
       
       taz: Gleichzeitig werden diejenigen, die alarmiert sind, [2][häufig
       belächelt] oder nicht ernst genommen. 
       
       Amberg: Oder bekämpft. Wenn wir an [3][junge Menschen denken, die sich auf
       die Straßen geklebt] haben, die hatten ja wirklich mit Gegenwut zu tun.
       
       taz: Warum werden Klimagefühle negiert oder sogar bekämpft?
       
       Amberg: Wenn man anerkennt, dass andere berechtigte Ängste haben oder sogar
       merkt, dass man Sorgen teilt, dann funktioniert Verdrängung nicht mehr.
       Negieren und Bekämpfen, das ist Angstabwehr.
       
       taz: Was macht es mit denjenigen, die in ihren Emotionen nicht ernst
       genommen werden? 
       
       Amberg: Aktivist*innen, die in Gruppen eingebunden sind, kommen besser
       durch als jene, die allein aktiv sind. Von anderen verstanden zu werden,
       sich gegenseitig Mut zu machen, das ist eine unverzichtbare Ressource.
       
       taz: [4][Klimacafés richten sich an Individuen], die sich bewusst mit ihren
       [5][Klimagefühlen] auseinandersetzen wollen. Zugleich handelt es sich bei
       der Klimakrise um eine globale Bedrohung. Wie lässt sich
       gesamtgesellschaftlich mehr über Klimaemotionen sprechen? 
       
       Amberg: Je mehr Einzelne ihre Emotionen offen teilen, desto eher können wir
       ein neues gesellschaftliches Bewusstsein anstoßen.
       
       taz: Aber wie erreicht man jene, die im Verdrängungszustand sind? 
       
       Amberg: Das ist eine schwierige Frage. Das wird natürlich von vielen Seiten
       versucht. Die Scientists for Future laufen sich seit Jahren einen Wolf
       damit, Informationen an Menschen zu bringen. Viele sind frustriert, weil
       sie wenig Resonanz finden. Unser Ansatz ist, auf einer anderen Ebene zu
       sprechen. Fakten benennen wir natürlich. Aber unsere Kompetenz ist, über
       Gefühle zu reden. Da geht es um ein aufrichtiges Zuhören und Nachfragen.
       Ohne direkt überzeugen zu wollen.
       
       taz: Politische Diskussionen, Beschuldigungen oder Ratschläge sind dabei
       explizit unerwünscht. Was bleibt da am Ende noch übrig?
       
       Amberg: Genau das, was sonst immer zu kurz kommt. Gerade bei
       Aktivist*innen ist oft kaum Raum, um über emotionale Belastungen zu
       sprechen. Im besten Fall machen Teilnehmende die Erfahrung von
       [6][Verbundenheit], als Grundlage, um gemeinsam ins Handeln zu kommen;
       jenseits der Spaltungen in unserer Gesellschaft. Denn auch, wenn wir
       zunächst auf der individuellen Ebene sprechen, leiten wir daraus keine rein
       individuelle Verantwortung ab. Es geht darum, zu erleben, dass wir in
       unserer Betroffenheit nicht alleine sind. Ohne dabei zu agitieren. Wer sich
       vernetzen mag, ist dazu willkommen. Aber das ist kein Muss.
       
       14 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Psychologe-ueber-Klima-Angst/!5922795
 (DIR) [2] /Klimadebatte-und-Emotionalitaet/!5738028
 (DIR) [3] /Nach-der-Hitzewelle-fragt-sich-das-Internet-wo-die-Letzte-Generation-bleibt/!6192805
 (DIR) [4] /Selbsthilfegruppe-fuer-Klimagefuehle/!5991412
 (DIR) [5] /Glossar-der-Klimagefuehle/!5992308
 (DIR) [6] /Umweltpsychologin-ueber-Klimaschutz/!6083885
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anouk Boelsen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Psychologie
 (DIR) Klimaschutz
 (DIR) Hannover
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) psychische Gesundheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Glossar der Klimagefühle: A wie Angst bis Z wie Zuversicht
       
       Die Klimakrise und der fehlende Klimaschutz wecken ganz unterschiedliche
       Gefühle: Wut, Trauer, Verdrängung. Wie geht man mit ihnen um? Eine
       Übersicht.
       
 (DIR) Selbsthilfegruppe für Klimagefühle: Klimatränen, Klimawut
       
       In Gesprächsrunden in Hannover reden Aktivist*innen über ihre
       Emotionen: Wut, Ängste, Enttäuschung. Einer bringt einen Strohhalm
       Optimismus mit.
       
 (DIR) Hilfe für Aktivist*innen: Klima-Angst essen Seele auf
       
       In Hannover haben die „Psychologists for future“ zum ersten Mal zum
       Klimacafé geladen. Sie bieten einen geschützten Raum für Wut, Angst und
       Trauer.