# taz.de -- Nach den Wahlen in Sambia: Erst in Haft und dann staatenlos
> Nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Hakainde Hichilema geht
> Sambia mit harter Hand gegen die Opposition vor.
(IMG) Bild: Sambias Präsident Hakainde Hichilema am Tag seiner Vereidigung für eine zweite Amtszeit in Lusaka, Sambia, am 1. September 2026
Nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Sambias Präsident Hakainde
Hichilema vergangene Woche [1][nach den sehr umstrittenen Wahlen vom 13.
August] greift die Regierung zu einem bewährten Mittel, um Kritiker zum
Schweigen zu bringen: dem Entzug der Staatsbürgerschaft.
Die Behörden haben Celestine Mukandila, Generalsekretär der
Oppositionsallianz Tonse (Koalition), den Pass entzogen und seinen
Personalausweis annulliert. Die Dokumente seien durch Betrug erworben
worden und Mukandila sei in Wirklichkeit Kongolese, so das Innenministerium
Ende vergangener Woche.
Der 36-jährige Politiker und Jurist wurde bereits am 20. August von Beamten
der Einwanderungsbehörde festgenommen, eine Woche nach der umstrittenen
Wahl. Die Opposition erkennt das Ergebnis der Wahl nicht an. Die
Annullierung seiner Papiere macht Mukandila nun faktisch staatenlos,
während er weiter in Haft sitzt. Es sei illegal, die Dokumente jetzt noch
zu benutzen, sagte Dickson Matembo, Staatssekretär im Innenministerium.
Dass der Oppositionspolitiker nun schon seit mehreren Wochen in
Untersuchungshaft sitzt, ohne einem Haftrichter vorgeführt zu werden, ist
bereits eine Verletzung seiner Rechte. [2][Der bei den Wahlen unterlegene
Oppositionsführer Brian Mundubile sitzt ebenfalls unter dem Vorwurf des
Landesverrats in Untersuchungshaft]. Ihm wird die Vorbereitung eines
bewaffneten Aufstands vorgeworfen.
## Erinnerungen an 1999
In Sambia erinnern diese Vorgänge daran, wie Frederick Chiluba, der erste
frei gewählte Präsident des Landes nach Ende des Einparteiensystems, im
Jahr 1999 seinen Vorgänger und langjährigen Autokraten Kenneth Kaunda
ausbürgern ließ, da dessen Eltern aus Malawi stammten. Zu ihren Lebzeiten
waren Malawi und Sambia beides benachbarte britische Kolonialgebiete.
Mit dieser Maßnahme wollte Chilubas MMD (Movement for Multi-Party
Democracy) eine Rückkehr Kaundas in die Politik verhindern. Auch mehrere
Parteifreunde Kaundas wurden zu Malawiern erklärt, einige mussten dorthin
ins Exil. „Ausländerung“ (Foreigning) nennt man das in Sambia.
„Staatsbürgerschaft als Waffe einzusetzen ist ein vertrautes und
bedrohliches Drehbuch geworden“, sagt Kommentator Daves Kunda. Seit den
Zeiten Chilubas würden Sambias Präsidenten immer wieder den
Sicherheitsapparat einsetzen und juristische Kniffe anwenden, um
demokratische Freiräume einzuschränken.
„Der Entzug der Staatsbürgerschaft Mukandilas durch das Innenministerium
fühlt sich weniger wie eine einzelne Strafmaßnahme an denn wie ein
verstörendes Echo der Vergangenheit.“
## Sambischer Ausweis mit 16 Jahren
Mukandila wurde nach eigenen Angaben im Jahr 1990 in Lubumbashi geboren,
Hauptstadt der an Sambia grenzenden Region Katanga in der Demokratischen
Republik Kongo. Sein Vater war Kongolese, seine Mutter Sambierin mit
Wurzeln in der nordsambischen Provinz Luapula. „Dass ich außerhalb Sambias
geboren wurde, macht mich nicht zu einem Ausländer“, sagte Mukandila in
einem am Wochenende verbreiteten Statement.
Laut Artikel 36 der sambischen Verfassung ist man Bürger Sambias, wenn zum
Zeitpunkt der Geburt mindestens ein Elternteil Staatsbürger ist. „Ich
erhielt die sambische Staatsbürgerschaft bei der Geburt über meine
sambische Mutter. Ich wurde weder eingebürgert noch beantragte ich die
Staatsbürgerschaft.“
Im Alter von etwa 16 Jahren habe er seinen sambischen Ausweis erhalten.
„Ich war ein Kind. Ich habe meine Familiengeschichte nicht selbst
geschrieben, mir meine Staatsbürgerschaft nicht ausgesucht und die Umstände
meiner Geburt nicht selbst geschaffen.“ Chief Sokontwe von der Volksgruppe
der Ushi, aus der Mukandilas Mutter stammt, hat sich öffentlich hinter den
Politiker gestellt und seine sambische Nationalität bestätigt.
Die Regierungspartei UPND (United Party for National Development) von
Präsident Hichilema sieht das anders. Die Annullierung seiner Papiere mache
Mukandila zum Ausländer und er solle in „sein Land“ zurückgehen, so die
Partei. Sie lehnte auch einen Dialog mit der Opposition ab. „Wenn man von
nationaler Einheit spricht, lasst uns von der Einheit der Sambier sprechen,
nicht von der Einheit von Sambiern mit Ausländern in der Politik.“
8 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sambias-Praesident-wiedergewaehlt/!6205232
(DIR) [2] /Sambia-nach-den-Wahlen/!6207940
## AUTOREN
(DIR) Arnold Mulenga
## TAGS
(DIR) Sambia
(DIR) Opposition
(DIR) Präsidentenwahl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Spannungen nach den Wahlen in Sambia: Opposition beansprucht Wahlsieg
Sambias Oppositionsführer Mundubile erklärt sich zum Wahlsieger. Die
Wahlkommission setzt nach Gewaltvorwürfen die Stimmauszählung aus.
(DIR) Sambia vor den Wahlen: Eine vergiftete Demokratie
Am Donnerstag will sich Sambias Präsident Hichilema wiederwählen lassen.
Sein einstiger Hauptrivale Lungu ist tot, das politische Klima angespannt.
(DIR) Sambias toter Ex-Präsident: Wurde Edgar Lungu vergiftet?
Ein südafrikanisches Gericht ordnet eine Autopsie des im Juni 2025 in
Südafrika verstorbenen Ex-Präsidenten Sambias an. Seine Familie ist empört.