# taz.de -- Korruptionsverdacht: Cousin von Präsident Ferdinand Marcos in Haft
       
       > In den Philippinen geht der Machtkampf der Familienclans Marcos und
       > Duterte vor dem Hintergrund massiver Korruptionsvorwürfe in eine neue
       > Runde.
       
 (IMG) Bild: Martin Romualdez im Februar 2025 bei einer Anhörung im ersten Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte
       
       Der frühere philippinische Parlamentspräsident Martin Romualdez ist am
       Montag in Manila unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Ihm wird
       vorgeworfen, Schmiergelder in Millionenhöhe aus Hochwasserschutzprojekten
       eingestrichen zu haben. Viele Projekte wurden in dem regelmäßig von
       schweren Taifunen heimgesuchten Land nach bisherigen Erkenntnissen
       überhaupt nicht gebaut.
       
       Romualdez ist ein Cousin und früherer Vertrauter von Präsident Ferdinand
       „Bongbong“ Marcos Jr.; der Sohn des 1986 gestürzten langjährigen Diktators
       Ferdinand Marcos Sr. Romualdez galt lange als potenzieller Wunschnachfolger
       des jetzigen Präsidenten für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2028.
       Marcos darf dann nicht mehr antreten.
       
       Vor einem Jahr musste Romualdez bereits wegen Korruptionsverdachts von
       seinem einflussreichen Amt als Präsident des Unterhauses zurücktreten,
       blieb aber Abgeordneter. Jetzt soll er sich zusammen mit drei weiteren
       Beschuldigten vor dem Antikorruptionsgericht Sandiganbayan verantworten.
       Romualdez hat ein Fehlverhalten stets bestritten.
       
       Ombudsmann Jesus Crispin Remulla, dessen Behörde die Anklage erhob, sagte
       bei einer Pressekonferenz am Montag, es gehe um umgerechnet 102 Millionen
       Euro, die auf verschiedene Transaktionen verteilt worden seien.
       
       ## Hochwasserschutzprojekte nur auf dem Papier
       
       Fast 10.000 Hochwasserschutzprojekte im Wert von rund 7,5 Milliarden Euro,
       die seit Marcos’ Amtsantritt Mitte 2022 umgesetzt werden sollten, werden
       inzwischen überprüft. Zahlreiche Projekte erwiesen sich als minderwertig,
       überteuert oder wurden gar nicht realisiert. Marcos selbst hatte massive
       Korruption beim Hochwasserschutz beklagt und Untersuchungen angeordnet. Die
       Philippinen leiden regelmäßig unter Überschwemmungen, die oft viele Tote
       fordern.
       
       Innenminister Jonvic Remulla, ein Bruder des Ombudsmannes, begleitete den
       nationalen Polizeichef bei der Vollstreckung des Haftbefehls gegen
       Romualdez und sagte, der Politiker sei am Montagnachmittag wegen instabilen
       Blutdrucks und einer Panikattacke in ein Krankenhaus in Manila gebracht
       worden.
       
       Er werde in ein Gefängnis verlegt, sobald Ärzte dies für vertretbar
       hielten. Sein Vermögen werde Romualdez nicht schützen, sagte Innenminister
       Remulla. Niemand könne sich mit Geld dem Gesetz entziehen. Die Philippinen
       belegen im aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency
       International Rang 120 von 181 Staaten.
       
       Romualdez spielt auch eine Rolle in der Affäre um [1][Morddrohungen von
       Vizepräsidentin Sara Duterte gegen Marcos Jr.] Sie hatte bei einer
       Pressekonferenz 2024 erklärt, sie habe einen Auftragsmörder angewiesen,
       Marcos, dessen Frau und den damaligen Repräsentantenhausvorsitzenden
       Romualdez zu töten für den Fall, dass sie selbst getötet werde. Später
       wollte sie ihre Worte nicht als Drohung verstanden wissen, sondern als
       Ausdruck ihrer Sorge um die eigene Sicherheit.
       
       ## Auch Vizepräsidentin Sara Duterte unter Druck
       
       Am Samstag hatte Duterte bei einem Gericht in Manila eine Kaution
       hinterlegt, um einen Haftbefehl gegen sie im Zusammenhang mit den
       Morddrohungen auszusetzen. Auf dem Weg zum Auto bat Duterte Journalisten,
       sie zu begleiten. „Ich fühle mich angesichts all dieser Polizisten nicht
       sicher. Sie schikanieren die Menschen bei mir zu Hause und belästigen mich
       seit 2023“, sagte Duterte. „Was will diese Regierung eigentlich mit mir
       anstellen?“
       
       Im Mai hatte das Repräsentantenhaus wegen der Drohungen und wegen
       mutmaßlicher finanzieller Unregelmäßigkeiten Dutertes ein
       Amtsenthebungsverfahren gegen sie eingeleitet, das im Juli vor dem Senat
       begann. Sollte Duterte verurteilt werden, könnte sie von öffentlichen
       Ämtern ausgeschlossen werden. Damit wäre auch ihre bereits erklärte
       [2][Präsidentschaftskandidatur für 2028] hinfällig. Sie gilt bisher als
       Favoritin. 2025 war bereits ein erstes Amtsenthebungsverfahren gegen sie
       gescheitert.
       
       Marcos und Duterte sind Vertreter zweier mächtiger politischer Dynastien
       und [3][waren bei der Wahl 2022 noch gemeinsam angetreten], hatten sich
       dann aber zerstritten. Sara Duterte ist die Tochter von Ex-Präsident
       Rodrigo Duterte, der im vergangenen Jahr auf Anordnung des Internationalen
       Strafgerichtshofs (IStGHf) festgenommen wurde. Er wartet jetzt in Den Haag
       auf seinen Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Während
       seiner Amtszeit (2016–2022) wurden nach Angaben von
       Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen im sogenannten „Krieg
       gegen die Drogen“ extralegal hingerichtet. (mit ap)
       
       8 Sep 2026
       
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 (DIR) Sven Hansen
       
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