# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Russland nimmt Angriffe auf Kyjiw wieder auf
       
       > Behörden melden zwei Todesopfer nach neuen russischen Angriffen. Der
       > ukrainische Generalstaatsanwalt tritt zurück.
       
 (IMG) Bild: Feuerwehrleute versuchen einen Brand nach erneuten russischen Angriffen zu löschen. Kyjiw, 8. September
       
       ## Großbritannien sagt Ukraine Luftabwehrpaket für den Winter zu
       
       Großbritannien unterstützt die Ukraine mit einem zusätzlichen Paket zur
       Luftverteidigung im kommenden Winter im Volumen von 100 Millionen Pfund
       (rund 117 Millionen Euro). Es werde unter anderem Patriot-Luftabwehrraketen
       umfassen, teilt die Regierung in London mit. Damit solle die
       Verteidigungsfähigkeit der Ukraine ‌gegen russische Angriffe gestärkt
       werden. (rtr)
       
       ## Russland nimmt Angriffe auf Kyjiw wieder auf
       
       Bei neuen russischen Angriffen auf die Ukraine sind in der Hauptstadt Kyjiw
       mindestens zwei Menschen getötet worden. Sieben weitere Menschen seien bei
       den ersten Attacken auf die Stadt nach Ablauf einer dreitägigen
       Angriffspause verletzt worden, teilte Kyjiws Militärverwaltung am Dienstag
       im Onlinedienst Telegram mit. Der ukrainische Präsident Selenskyj äußerte
       sich derweil im US-Nachrichtenportal „Axios“ zu den Verhandlungsaussichten
       mit Russland nach dem Besuch ranghoher US-Gesandter am Wochenende.
       
       Die Angriffe verursachten laut Behörden Schäden an Gebäuden in der gesamten
       Hauptstadt, darunter an einem fünfstöckigen Wohnhaus im Bezirk
       Solomjanskyj. Im Bezirk Podilskyj gerieten demnach Fahrzeuge in Brand. Laut
       Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko waren Menschen in einem Wohnhaus
       verschüttet. Auch in mehreren anderen Regionen in der gesamten Ukraine
       wurde Luftalarm ausgelöst.
       
       Nach Angaben der Behörden wurden sowohl in Kyjiw als auch in Boryspil
       östlich von Kyjiw sowie in der rund 70 Kilometer südwestlich gelegenen
       Stadt Fastiw Gebäude getroffen. Zuvor hatte Kyjiws Militärverwaltung
       mitgeteilt, dass wegen der Gefahr eines Drohnenangriffs durch den „Feind“
       Luftalarm in Kyjiw ausgelöst worden sei. Sie forderte die Bewohner auf,
       Schutzräume aufzusuchen. Die ukrainische Armee meldete einen
       Raketenangriff. Es waren die ersten russischen Angriffe [1][seit dem Ende
       einer dreitägigen Feuerpause]. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP
       hörten am frühen Dienstagmorgen mehrere heftige Explosionen in Kyjiw.
       Später wurde der Luftalarm in der Hauptstadt wieder aufgehoben. (afp)
       
       ## Russische Waffenverlegungen
       
       Auf die Beobachtung von Luftangriffen spezialisierte Telegram-Kanäle
       berichteten, Russland habe damit begonnen, ballistische Raketen zu
       transportieren und schwere Bomber aus dem Osten des Landes auf Flugplätze
       in der Nähe der Ukraine zu verlegen. Das EU- und Nato-Mitglied Polen
       versetzte seine Luftstreitkräfte in Alarmbereitschaft. Die staatliche
       russische Nachrichtenagentur Tass hatte zuvor bestätigt, dass die von
       Russlands Staatschef Wladimir Putin angeordnete Angriffspause abgelaufen
       sei. Putin hatte zuvor angeordnet, die Angriffe auf Kyjiw [2][wegen des
       Besuchs der US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff für drei Tage
       einzustellen].
       
       Die beiden US-Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump waren am
       Wochenende nach Russland und erstmals auch in die Ukraine gereist, um
       beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen.
       Kushner und Witkoff trafen sich am Samstag in Moskau mit Russlands
       Staatschef Putin und tags darauf mit Selenskyj in Kyjiw. Zudem brieften sie
       die in Kyjiw anwesenden Vertreter Deutschlands, Frankreichs und
       Großbritanniens.
       
       Witkoff bezeichnete die Gespräche in Moskau und Kyjiw über eine Beendigung
       des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am Montag als erfolgreich.
       Zudem stellte er die Möglichkeit neuer trilateraler Friedensgespräche in
       Aussicht. Witkoff und Kushner hätten ihm mitgeteilt, dass „die Russen zu
       Verhandlungen bereit sind“, sagte Selenskyj am Montag der
       US-Nachrichtenseite „Axios“. Weiter sagte er dem Bericht zufolge, dass die
       USA auf eine Deeskalation vor dem bevorstehenden Winter drängten.
       
       „Russland glaubt wirklich, dass dieser Winter ihnen helfen kann, uns zu
       brechen“, sagte der ukrainische Staatschef „Axios“. Die US-Regierung könne
       jedoch Druck auf Putin ausüben, um eine Deeskalation zu erreichen, fügte er
       hinzu. Putin wolle Trump „nicht verärgern“. Die USA versuchen seit Trumps
       Wiedereinzug ins Weiße Haus, ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren
       andauernden Ukrainekriegs zu erreichen. Bisherige Gesprächsrunden unter
       Beteiligung von Unterhändlern der USA, Russlands und der Ukraine brachten
       jedoch keinen Durchbruch. (afp)
       
       ## Russland: Mehrere Verletzte bei ukrainischem Drohnenangriff auf Saratow
       
       Bei [3][einem ukrainischen Drohnenangriff] auf die russische Stadt ‌Saratow
       an der Wolga wird zivile Infrastruktur getroffen; mehrere Menschen werden
       verletzt. Das teilt der regionale Gouverneur Roman Busargin auf dem
       Messenger-Dienst Telegram mit. In der Region Saratow befinden sich eine
       große Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns Rosneft sowie weitere
       industrielle und militärische Anlagen. (rtr)
       
       ## Verband: Hollywood-Star Angelina Jolie besucht überraschend ukrainische
       Stadt Charkiw
       
       Die für ihr humanitäres Engagement bekannte US-Schauspielerin Angelina
       Jolie hat ukrainischen Angaben zufolge überraschend die Stadt Charkiw
       besucht – und sich dabei auch ein Boxstudio angeschaut. „Die berühmte
       Schauspielerin Angelina Jolie besuchte den Boxklub ‚Spadkoyemez‘ in
       Charkiw“, erklärte der ukrainische Boxverband am Montag im Onlinedienst
       Instagram. Ein dazu veröffentlichter Schnappschuss des Verbandes zeigt
       Jolie gemeinsam mit ihrem Sohn Knox in einem Boxstudio. Der Sohn des
       Filmstars habe gemeinsam mit ukrainischen Verteidigern ein
       Muay-Thai-Training in dem Klub absolviert, fügte der Verband hinzu. Weder
       die Schauspielerin noch die ukrainische Regierung äußerten sich zunächst
       dazu.
       
       Klubinhaber Pawlo Chyschko erklärte, er habe „keine Ahnung“ gehabt, dass er
       den Hollywoodstar treffen würde, als er die Buchung für das Studio am
       Sonntag entgegengenommen habe. In einem auf Instagram veröffentlichten
       Video sagte er: „An alle, die gefragt haben: Das ist kein Scherz, keine KI.
       Es war purer Zufall: Zu unserer großen Freude schaute Angelina Jolie bei
       uns im Studio vorbei.“ Jolie habe Komplimente verteilt und unter anderem
       gesagt, dass ihr das Studio gefalle. „Sie fragte meinen Sohn, wie lange er
       schon Sport treibe“, sagte Chyschko und fügte begeistert hinzu: „Das zeugt
       von echter Klasse.“ Auch von Jolies Sohn Knox zeigte sich der
       Studiobesitzer angetan: „Und ihr Sohn ist genauso.“ Er habe unermüdlich
       Hände geschüttelt. „Es war wirklich cool“, sagte er.
       
       Charkiw liegt im Nordosten der Ukraine nahe der russischen Grenze. Die
       zweitgrößte Stadt der Ukraine wird seit Kriegsbeginn immer wieder von
       Russland attackiert. Sie ist nahezu täglich Ziel russischer Drohnen- und
       Raketenangriffe. (afp)
       
       ## Korruptionsvorwürfe: Ukrainischer Generalstaatsanwalt tritt zurück
       
       Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko ist nach
       Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. „Ich möchte nicht, dass das Amt des
       Generalstaatsanwalts als Instrument in politischen Auseinandersetzungen
       genutzt wird. Meine Haltung zu den Vorwürfen bleibt unverändert“, erklärte
       er am Montag im Onlinedienst Telegram. Zuvor hatte Krawtschenko die am
       Wochenende gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe entschieden
       zurückgewiesen.
       
       Die Anschuldigungen im Zusammenhang mit betrügerischen Callcentern seien
       „durch nichts belegt“, hatte Krawtschenko am späten Sonntagabend auf
       Telegram geschrieben. Am Samstag hatten die ukrainische
       Antikorruptionsbehörde Nabu und eine Spezialstaatsanwaltschaft mitgeteilt,
       ein Geldwäschenetzwerk aufgedeckt zu haben, das „von einem Verantwortlichen
       im Büro des Generalstaatsanwalts geführt“ worden sei.
       
       Im Rahmen der Ermittlungen waren die Büros der Generalstaatsanwaltschaft
       durchsucht worden. Die Antikorruptionsbehörde Nabu veröffentlichte ein Bild
       von einem Safe, der mit Dollar-Bündeln gefüllt war, und teilte mit, sie
       habe fünf Mitglieder des Netzwerks identifiziert. Namen nannte sie indes
       nicht. Den Ermittlern zufolge erhielt das Netzwerk Geld, um betrügerische
       Callcenter zu schützen. Es seien „Vermögen in Höhe von Millionen“ gewaschen
       worden. Mit diesen Bestechungsgeldern wurden demnach Immobilien, Schmuck
       und andere Wertgegenstände bezahlt.
       
       „Ich weise die Anschuldigungen zurück, wonach ich an der Entgegennahme und
       der Wäsche von Geldern beteiligt gewesen sein soll, die aus illegalen
       Callcentern stammen“, erklärte Generalstaatsanwalt Krawtschenko, bevor er
       seinen Rücktritt bekanntgab. Er versicherte, seine Ausgaben erfolgten
       „unter Einhaltung geltender Gesetze“ und im Rahmen der angegebenen
       Einkünfte.
       
       Schätzungen der Schweizer Organisation Global Initiative Against
       Transnational Organized Crime zufolge beschäftigen illegale Callcenter in
       der Ukraine fast 60.000 Menschen und erwirtschaften im Monat bis zu einer
       Milliarde Dollar (860 Millionen Euro). In den vergangenen Jahren haben
       zahlreiche Korruptionsskandale die Ukraine erschüttert, auch im direkten
       Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Sein früherer Bürochef Andrij
       Jermak trat wegen Ermittlungen zu Korruption im Energiesektor zurück. Die
       Korruption ist eines der größten Hindernisse für die Bemühungen der Ukraine
       um einen EU-Beitritt. (afp)
       
       ## Notfall abgewendet: AKW Saporischschja hat wieder Strom
       
       Die dringend benötigte Stromzufuhr für das frontnahe ukrainische
       Kernkraftwerk Saporischschja ist nach fast drei Wochen wieder hergestellt
       worden. Während einer begrenzten Feuerpause konnte eine beschädigte Leitung
       repariert werden, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien
       mitteilte. Dies sei ein entscheidender Schritt zur Vermeidung eines
       Atomunfalls, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi.
       
       Das von Russland besetzte Atomkraftwerk benötigt eine stabile
       Stromversorgung, um radioaktives Material zu kühlen. Die letzte
       verbleibende Stromleitung war am 20. August im Zuge von Kampfhandlungen
       beschädigt worden. Seitdem hatten Notstromgeneratoren für Energie gesorgt,
       doch der Diesel für diese Aggregate war in den vergangenen Tagen zur Neige
       gegangen. Ohne die Reparatur der Stromleitung hätte es zu einem Blackout in
       der Nuklearanlage kommen können, hieß es von der IAEA.
       
       Das größte AKW Europas geriet bereits kurz nach Ausbruch des Ukrainekriegs
       unter russische Kontrolle. Die sechs Reaktoren sind derzeit abgeschaltet
       und produzieren keine Elektrizität. Vor dem Konflikt verfügte das Kraftwerk
       noch über zehn externe Stromleitungen, um unter anderem die Kühlsysteme zu
       versorgen. (dpa)
       
       ## Finnland errichtet 200 Kilometer langen Zaun an Grenze zu Russland
       
       Zur Abschreckung von illegalen Migranten aus Russland hat Finnland einen
       200 Kilometer langen Zaun an der gemeinsamen Grenze errichtet. Dieser sei
       Bestandteil der Grenzsicherung und solle neben einer Überwachung auch dabei
       helfen, „Menschen bei Bedarf vom finnischen Hoheitsgebiet fernzuhalten“,
       sagte Innenministerin Mari Rantanen am Montag bei einer Veranstaltung nahe
       dem Grenzübergang Nuijamaa im Südosten des Landes. Der Stacheldrahtzaun ist
       4,5 Meter hoch und mit Kameras und Sensoren ausgestattet.
       
       Finnland hatte im Dezember 2023 die Grenze zu Russland komplett
       geschlossen, nachdem mehr als 1.300 Migranten ohne Visa versucht hatten,
       ins Land zu kommen. Helsinki warf Moskau vor, die Menschen als Teil einer
       „hybriden Kriegsführung“ gezielt an die Grenze geführt zu haben. Der Kreml
       wies die Anschuldigung zurück. Wenige Monate zuvor war Finnland in der
       Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine der Nato beigetreten.
       
       Russland und Finnland teilen sich eine mehr als 1.300 Kilometer lange
       Grenze. Laut Innenministerin Rantanen ist die Situation derzeit relativ
       ruhig, es gab nur vereinzelt illegale Grenzübertritte. „Aber wir wissen
       nicht, was morgen geschieht“, sagte sie. Die Situation könne sich schnell
       ändern und darauf wolle das Land vorbereitet sein. Die Grenze zu Russland
       bleibe „bis auf weiteres“ geschlossen.
       
       Mehr als 350 Millionen Euro hat Finnland der Zaun gekostet, weitere zwei
       bis drei Millionen kommen laut Projektleiter Erkki Matilainen für die
       jährliche Instandhaltung dazu. Rund tausend Landbesitzer und hunderte
       Unternehmen waren an dem Infrastrukturprojekt beteiligt. Ähnliche Zäune
       wurden bereits in Lettland, Litauen und Polen entlang der Grenzen zu
       Belarus sowie an der Grenze zwischen Estland und Russland errichtet –
       ebenfalls, um Migranten abzuschrecken. (afp)
       
       8 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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