# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Für Trumps Schwiegersohn macht Putin eine Ausnahme
> Jared Kushner und Trumps Golfpartner Steve Witkoff sind auf
> Friedensmission in Moskau – und fliegen dann in die Ukraine. Russlands
> Präsident hat dafür 72 Stunden Pause für Angriffe auf Kyjiw angeordnet.
(IMG) Bild: Was der Friedensplan der beiden „großartigen Verhandler“ Jared Kushner (l.) und Steve Witkoff beinhaltet, wissen wohl nur sie und ihr Dienstherr im Weißen Haus
afp/rtr/dpa | US-Präsident Donald Trump hat einen neuen diplomatischen
Vorstoß zur Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine
angekündigt. Seine Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff würden mit
einem Vorschlag „zur Beendigung des Kriegs“ am Wochenende Moskau und Kyjiw
besuchen, teilte Trump am Freitag mit. Nach ihrer Landung am Flughafen
Wnukowo am Samstagmittag sollten sie mit dem russischen Präsidenten
Wladimir Putin zusammenkommen, bevor sie am Sonntag in der ukrainischen
Hauptstadt Kyjiw erwartet werden. Dmitrij Peskow bestätigte, dass ein
solches Treffen vorgesehen sei.
Laut Selenskyj ist geplant, dass die beiden US-Gesandten mit dem Flugzeug
auch nach Kyjiw kommen – dies ist höchst ungewöhnlich, weil der ukrainische
Luftraum seit Kriegsbeginn 2022 gesperrt ist und andere westliche Politiker
bisher immer per Zug nach Kyjiw reisten.
Putin habe den „Befehl erteilt, Kyjiw ab heute Mitternacht für drei Tage
nicht anzugreifen“, zitierte die Nachrichtenagentur Tass am Samstag
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Diese Entscheidung hänge mit der
„Vorbereitung und Aufnahme von Kontakten“ mit der in Kyjiw erwarteten
US-Delegation zusammen. Erst in der Nacht zu Samstag waren nach
ukrainischen Angaben die beiden Flughäfen Kyjiws beschossen wurden.
Präsident Selenskyj erklärte, dies habe mit den Vorbereitungen zur Reise
von Kushner und Witkoff in die Ukraine zu tun. Er betonte, von ukrainischer
Seite werde es „keine Bedrohungen der Diplomatie“ geben.
Trump nannte seinen Golfpartner Witkoff und seinen Schwiegersohn Kushner
„zwei großartige Verhandler“. „Wir haben sie hingeschickt, um zu sehen, ob
wir etwas erreichen können“, sagte er vor Journalisten. Es gebe
möglicherweise eine gute Chance dafür, fügte er hinzu. Ob der Plan
Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland vorsieht, sagte der US-Präsident
nicht. Er sagte lediglich: „Wir haben eine Idee für den Frieden.“
Vor dem Hintergrund des Irankriegs waren die Bemühungen des US-Präsidenten
um eine Verhandlungslösung im Ukrainekrieg in den vergangenen Monaten ins
Stocken geraten. Beide Seiten verstärkten ihre Angriffe auch weit im
Inneren des jeweiligen Nachbarlandes.
Russland hatte vor der Reise Witkoffs und Kushner die USA dazu aufgerufen,
bei Gesprächen über ein Ende des Konfliktes die Realitäten auf dem
Schlachtfeld zu berücksichtigen. Die Lage verändere sich zuungunsten der
Ukraine, sagt der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der
staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. „Die Schlüsselfrage
ist, inwieweit die US-Regierung angesichts der Realitäten vor Ort bereit
ist, in die Suche nach einer echten Lösung für die aktuelle Krise zu
investieren.“
Am Donnerstag hatte Selenskyj bereits bekannt gegeben, dass Trump seine
Unterhändler zu neuen Gesprächen nach Moskau und Kyjiw schicken wolle. Ein
ukrainischer Regierungsvertreter sagte am Freitag, Kushner und Witkoff
würden am Sonntag in Kyjiw erwartet. Es wäre ihr erster Besuch in der
ukrainischen Hauptstadt seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump. Die
beiden US-Gesandten waren bereits mehrfach nach Moskau gereist, um über ein
Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu sprechen. Sie waren
auch schon an Verhandlungen über Waffenruhen im Gazastreifen und im Iran
beteiligt gewesen.
## Fünf Tote bei Luftangriff im Gebiet Dnipropetrowsk
Kurz vor der US-Vermittlungsmission waren fünf Menschen im ukrainischen
Gebiet Dnipropetrowsk durch einen russischen Luftschlag getötet worden.
Dieser habe einem Industriebetrieb in der Stadt Kamjanske gegolten, teilte
Gebietsgouverneur Olexander Hanscha auf Telegram mit. Es habe sechs
Verletzte gegeben. Das russische Militär in Moskau sprach von einer Attacke
auf ein großes Metallkombinat, das die ukrainische Rüstungsindustrie
beliefere. Über Russland hingegen wurden in der Nacht 59 ukrainische
Drohnen abgewehrt, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte.
Am Freitag war [1][am helllichten Tage der Sitz des ukrainischen
Inlandsgeheimdienstes SBU in Kyjiw von einer russischen Drohne getroffen
worden]. Nach Behördenangaben wurden zwölf Menschen verletzt. SBU-Chef
Oleksandr Poklad blieb unverletzt. Bei einem Treffen mit Poklad beauftragte
Selenskyj den Geheimdienstchef nach eigenen Worten, „eine angemessene und
spürbare Antwort“ auf den russischen Angriff zu entwickeln.
## Waffenruhe rund ums russisch besetzte AKW Saporischschja
Am russisch besetzten AKW Saporischschja im Südosten der Ukraine ist der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge eine Waffenruhe in Kraft
getreten. Sie diene dazu, Stromleitungen zu reparieren und die
Stromversorgung des Atomkraftwerkes wiederherzustellen, teilt die IAEA mit,
die die Lage vor Ort beobachtet.
[2][Das Atomkraftwerk ist mit seinen sechs Reaktoren das größte in Europa
und steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle]. Seit Längerem sind
alle Reaktoren abgeschaltet. Das AKW befindet sich damit im sogenannten
Kaltabschaltzustand, in dem es aber eine ständige Stromversorgung zur
Kühlung der Brennelemente benötigt. Fällt die externe Stromversorgung durch
Kampfhandlungen aus, wird das AKW nur durch Notstromaggregate versorgt.
Seit dem 20. August ist dies erneut der Fall. Die Dieselreserven des
Kraftwerks gingen zur Neige, teilt die IAEA mit. Es drohe innerhalb weniger
Tage ein vollständiger Stromausfall, falls die externe Stromversorgung
nicht wiederhergestellt oder mehr Dieselkraftstoff zum Standort
transportiert werde.
## Trump über Putin: „Ich kenne ihn sehr gut“
Nach den deutschen Vorwürfen gegen Russland wegen des versuchten
Drohnenanschlags am Flughafen Leipzig/Halle hält Trump an seiner
Einschätzung fest, dass Kreml-Chef Putin keinen Angriff auf Nato-Gebiet
plant. „Ich spreche mit ihm. Ich kenne ihn sehr gut. [3][Putin will kein
Nato-Gebiet angreifen]“, sagte Trump am Freitag.
Die Bundesregierung hatte Russland Anfang der Woche für einen versuchten
Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht. Dort
war am 4. August eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in
deren Nähe sich ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Der Flughafen gilt
als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.
Deutschland verhängte daraufhin Strafmaßnahmen gegen Russland. Unter
anderem sollen das russische Generalkonsulat in Bonn und [4][das Russische
Haus in Berlin] schließen. Mehrere EU-Staaten bestellten russische
Diplomaten ein, zudem bereitet die EU weitere Sanktionen vor. Russland
weist die Vorwürfe zurück. Putin bezeichnete die deutschen Maßnahmen als
„Fehler“. Im Gegenzug kündigte der Kreml [5][die Schließung der
Goethe-Institute in Russland an].
5 Sep 2026
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