# taz.de -- Russlands Außenminister Lawrow: Deutschland will „erneut den Krieg“
> Zum ersten Mal besuchen Kushner und Witkoff die Hauptstadt der Ukraine.
> Russlands Außenminister Lawrow eskaliert rhetorisch nach
> Drohnenanschlägen in Leipzig.
(IMG) Bild: Wolodymyr Selenskyj führt am Sonntagnachmittag Jared Kushner und Steve Witkoff durch das Zentrum von Kyjiw
Einmal durchschlafen. Der Besuch einer US-Delegation in Kyjiw mit
Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Trumps Golfpartner Steve Witkoff hat
für viele Bewohner der ukrainischen Hauptstadt zumindest ein messbar
positives Ergebnis gehabt: In der Nacht zu Sonntag und am Tag selbst gab es
nach neun Tagen keine russischen Luftangriffe auf Kyjiw selbst. Nur einmal
gab es für 20 Minuten Luftalarm in der Nacht, sonst blieb es ruhig.
Russland und die Ukraine hatten zuvor zugestimmt, für die Zeit der Besuche
der Delegation in Moskau und Kyjiw auf Angriffe auf die jeweiligen
Hauptstädte zu verzichten.
Die beiden Trump-Gesandten trafen am Mittag gegen 13 Uhr Ortszeit in Kyjiw
mit dem Zug ein. Für die beiden eine Premiere. Anschließend fuhr eine
Kolonne schwarz lackierter, gepanzerter Limousinen mit hohem Tempo und
Blaulicht durch die Kyjiwer Innenstadt. [1][Fernsehbilder zeigten], wie der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Kushner und Witkoff am berühmten
Sophienkloster empfing, das erst zwei Tage zuvor [2][bei einem russischen
Angriff] beschädigt worden war. Repräsentanten von Deutschland, Frankreich
und Großbritannien sollten ebenfalls anwesend sein.
Die Ruhe in der Hauptstadt bedeutete allerdings keine Ruhe für die
restliche Ukraine. Bei russischen Angriffen in der gesamten Ukraine kamen
im Laufe der 24 Stunden zuvor mindestens acht Menschen ums Leben und
mindestens 69 wurden verletzt, meldeten die ukrainischen Behörden.
Millionenstädte wie Charkiw, Dnipro und Odessa werden weiterhin täglich
angegriffen.
Die Ukraine hatte [3][einen umfassenderen dreitägigen Waffenstillstand
vorgeschlagen], der über Angriffe auf die beiden Hauptstädte hinausgehen
und auch die Kämpfe entlang der Frontlinie einbeziehen würde. Russland war
nicht darauf eingegangen.
## Moskau ist zuversichtlich, Kyjiw hat geringe Erwartungen
Am Samstag hatten Kushner und Witkoff den russischen Machthaber Wladimir
Putin im Moskauer Kreml getroffen. Abgesehen von den üblichen
Schmeicheleien blieben die Äußerungen zum Gesprächsergebnis vage. Man habe
„Pläne für nächste Schritte diskutiert“, teilte ein Sprecher des Weißen
Hauses mit. Die russische Seite habe den US-Vertretern mitgeteilt, Moskau
sei zuversichtlich, seine militärischen Ziele – die Eroberung des
restlichen Ostens der Ukraine – erreichen zu können, [4][sagte der
Kreml-Berater Juri Uschakow].
In der Ukraine sind die öffentlichen Erwartungen an die Pendeldiplomaten
gering. Präsident Wolodymyr Selenskyi hatte sich wie üblich für den
US-amerikansichen Einsatz für Friedensgespräche bedankt. Man strebe einen
gerechten und dauerhaften Frieden an. Angesichts der weiterhin bestehenden
russischen Maximalforderungen, die für die Ukraine auf eine Kapitulation
hinauslaufen würden, wurde jedoch kein konkretes Ergebnis erwartet.
Zwar blieb die Lage an der Front zuletzt weitgehend stabil. In den
vergangenen Monaten konnte keine Seite signifikante Geländegewinne melden.
Dafür verlagert sich die Auseinandersetzung immer mehr in die Luft. Gegen
ballistische Raketen ist die Ukraine wegen des Mangels an Flugkörpern für
ihre Patriot-Systeme weitgehend schutzlos.
## Russland setzt neuartige Drohnen ein
Nun scheint ein weiteres Problem dazuzukommen: Die neuen düsengetriebenen
Drohnen vom Typ Geran-5 sind schneller als die propellergetriebenen
Vorgänger und fliegen um die sieben Kilometer hoch. Deshalb können sie von
der mobilen Flak der Ukrainer kaum aufgehalten werden. Stattdessen werden
Flugzeuge eingesetzt. Diesen mangelt es [5][laut ukrainischen Berichten]
inzwischen aber auch an den nötigen Luft-Luft-Raketen.
Diese Mixtur lässt die Ukrainer den bevorstehenden Winter fürchten. Bereits
seit Jahren konzentrieren sich die russischen Luftangriffe im
Winterhalbjahr auf die Energieversorgung. Im vergangenen Winter fiel ein
wesentlicher Teil der Strom- und Heizkraftwerke in Kyjiw aus. Nur ein Teil
davon ist repariert. Ein Präsidentenberater forderte die Stadtverwaltung
auf, noch mehr Notstromaggregate bereitzustellen und die Evakuierung
älterer Bewohner im Schadensfall vorzubereiten.
Die Parlamentsabgeordnete Solomiya Bobrowska wurde deutlicher. „Man muss
der Gesellschaft die Wahrheit über den Winter sagen, anstatt sie mit
Versprechungen abzuspeisen. Bereitet euch vor, legt Vorräte an, verlasst
Kyjiw, kauft Brennholz“, [6][sagte sie] der ukrainischen Nachrichtenagentur
Unian.
Unterdessen hat der russische Außenminister Sergej Lawrow den Ton in der
Auseinandersetzung mit dem Westen weiter verschärft. Deutschlands
Anschuldigungen, Russland sei für den Drohnenangriff auf dem Flughafen
Leipzig verantwortlich, seien „im Großen und Ganzen der Beginn eines echten
Krieges“, [7][sagte Lawrow] am Sonntag laut der staatlichen
Nachrichtenagentur Tass. „All diese Aussagen von (Bundeskanzler Friedrich)
Merz, Deutschland wieder zur führenden Militärmacht in Europa zu machen –
sie werden nun in die Tat umgesetzt. Er erklärt uns faktisch den Krieg.“
6 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/ZelenskyyUa/status/2096559388446138810
(DIR) [2] /Russische-Attacken-auf-Kyjiw/!6210454
(DIR) [3] https://x.com/ZelenskyyUa/status/2096242248291701130
(DIR) [4] https://x.com/Gerashchenko_en/status/2096363096755307002
(DIR) [5] https://x.com/DarmolinskiT/status/2095716908460847498
(DIR) [6] https://x.com/MilitarySummary/status/2096277499667730924
(DIR) [7] https://www.n-tv.de/politik/Lawrow-Merz-erklaert-uns-faktisch-den-Krieg-id31274790.html
## AUTOREN
(DIR) Marco Zschieck
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