# taz.de -- Weltrettung im Jahr 2126: World Destruction Games – wir lernen aus der Apokalypse
       
       > Der Zeitreisende Felix erklärt, wie die Menschheit per quantengesteuerter
       > Weltsimulation lernt, selbstzerstörerisches Verhalten abzulegen.
       
 (IMG) Bild: Sehr schön: Aber bei den WDG, wetteifern die besten Spieler der Welt darum, wie man diese Welt am effektivsten zugrunde richtet.“
       
       [1][Den Weltuntergang durch KI-Agenten] haben wir letzten Monat zwar knapp
       abgewendet, aber ich merke, dass ich immer angespannter werde und dass sich
       Gespräche im Freundeskreis immer häufiger um Worst-Case-Szenarien,
       Auswandern oder Preppen drehen.
       
       Felix ist deshalb heute besonders fürsorglich. Mein Freund aus dem Jahr
       2126 kocht mir Tee und brummt, wenn ich frage, ob die Zukunft besser wird,
       so beruhigend wie eine schnurrende Katze.
       
       „Aber wie bringen wir die Menschheit zur Vernunft?“, frage ich.
       
       Felix gibt achtsam Kandiszucker in den Tee und wartet, bis das feine
       Knistern verklingt, bevor er sagt: „Mit den World Destruction Games.“
       
       „Das klingt nicht nach Weltrettung.“
       
       „Weil du mal wieder viel zu kurz denkst. Du kennst doch 4X-Strategiespiele
       wie Civilization oder Age of Empires.“
       
       „Ja, man muss versuchen, ein bestimmtes Königreich oder eine Zivilisation
       so weit wie möglich zu entwickeln und Ressourcen, Bevölkerung, Forschung
       und Diplomatie zu managen.“
       
       „Genau“, sagt Felix. „Bisher sind diese Spiele unter anderem wegen der
       benötigten Rechenleistung auf einen überschaubaren Detailgrad begrenzt.
       Aber mit [2][Quantencomputern] ist es bald kein Problem mehr, eine
       allumfassende Weltsimulation hinzubekommen, in der die Wechselwirkungen auf
       zehn Milliarden Menschen simuliert werden. Bei den World Destruction Games,
       kurz WDG, wetteifern die besten Spieler der Welt darum, wie man diese Welt
       am effektivsten zugrunde richtet.“
       
       „Indem ich alle Atomwaffen zünde und Nervengift ins Trinkwasser kippe. Aber
       dann hat es sich mit der Weltrettung auch erledigt. Blödes Spiel.“
       
       „Das ist ja nur die erste Runde. Danach werden Regeln eingeführt, die die
       erfolgreichste Weltzerstörungsstrategie einschränken. Im nächsten Turn
       fängt alles wieder von vorne an und du musst auf eine andere Weise den
       Planeten ruinieren. Nach kurzer Zeit sind die meisten Kriege durchgespielt,
       danach die Umweltkatastrophen, Hungersnöte und so weiter. Ab Runde 30 musst
       du schon ein bisschen cleverer vorgehen, um die Apokalypse herbeizuführen.
       In den letzten Durchläufen ist es so gut wie unmöglich, die Welt zu
       vernichten. Und zwar, weil so viele resiliente Abwehrmechanismen geschaffen
       wurden.“
       
       „Aber wie wird so eine Simulation auf die Realpolitik übertragen? Nur weil
       ich mega gut in Total War bin, werde ich ja nicht Verteidigungsministerin.“
       
       „Richtig. Aber die WDG sind bei uns das E-Sport-Ereignis des Jahres und
       werden von Milliarden von Menschen geguckt. Regierungen und
       Oppositionsparteien reißen sich darum, nach dem Finale die besten
       Untergangsvorsorgestrategien in ihre Programme zu integrieren. Und wer eine
       Politik verfolgt, die einem der Destruktionspfade gleicht, bekommt von der
       Community die Resultate der Weltsimulation um die Ohren gehauen. Wer bei
       uns behauptet, eine bessere Zukunft ließe sich mit der Unterdrückung von
       Minderheiten oder einem Angriffskrieg erreichen, dem werden ganz schnell
       WDG Runde 3 und 145 präsentiert – und dann ist Ruhe im Karton.“
       
       „Klingt super. Gibts ’nen Haken?“
       
       „Tja … Eine Frage ist durch die Quantencomputer leider eher unsicherer als
       klarer geworden.“
       
       „Welche?“
       
       „Ob unsere Welt die Realität ist oder auch nur eine Simulation.“
       
       „Wäre mir egal, solange wir in der Runde leben, in der keiner mehr das
       Spiel gewinnt.“
       
       30 Sep 2026
       
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