# taz.de -- Waldbrandbekämpfung im Jahr 2126: Als erfolgreichste Maßnahme gelten Feueresel
> Unsere Kolumnistin bekommt jeden Monat Besuch von einem Zeitreisenden. In
> hundert Jahren bekämpft man Waldbrände präventiv.
(IMG) Bild: Flammen in Sicht? Feueresel könnten präventiv helfen Großbrände zu vermeiden
Ich nutze einen elend heißen Sommertag, um altes Kinderspielzeug für den
Flohmarkt zu sortieren. Mein Freund Felix hilft mir, indem er jeden zweiten
Gegenstand aus dem Umzugskarton nimmt, begutachtet und kommentiert. In der
Hoffnung auf eine kühle Brise reiße ich das Fenster auf, doch statt
frischer Luft weht nur ein komischer Geruch herein, der entweder von
[1][Nachbars Grill] oder einer herannahenden Feuerwalze stammt. Mein Freund
aus der Zukunft schnuppert, verzieht das Gesicht und hält mir dann ein
Bilderbuch mit Bauernhoftieren entgegen. „Da würde sich demnächst eine
Investition lohnen.“
„Kinderbücher?“
„Nein, [2][Esel]!“
„Eine Delikatesse in 100 Jahren? Ich glaube, mein Nachbar hat gerade schon
Fleisch aufgelegt.“
„Nein, du Barbar! Und deinen Nachbarn müssen wir im Auge behalten. Wenn der
mit Kohle statt mit Gas anheizt, steht hier gleich der ganze Garten in
Flammen.“
Ich schaue zu den Kastanien, deren Blätter schlapp wie benutzte
Taschentücher herabhängen. „Die Trockenheit ist echt schlimm. Wusstest du,
dass in Deutschland in den letzten 20 Jahren pro Jahr durchschnittlich 844
Hektar Wald verbrannt sind?“
„Ja, und durch den Klimadruck wird es bald sogar deutlich mehr.“
„Können wir da gar nichts tun?“
„Doch, in Zukunft werden die Brände mit allerlei technischem Schnickschnack
im Zaum gehalten: Überwachungsdrohnen kreisen 24/7 über gefährdeten
Gebieten und melden Glutnester. Neben feuerresistenten Bäumen wie
Korkeichen oder Waldahorn werden gentechnisch veränderte Köcherbäume
gepflanzt, deren Blätter literweise Wasser speichern und die bei einem
Brand aufplatzen und so wie eine natürliche Sprinkleranlage wirken. Mitte
der dreißiger wird außerdem ein Gesetz verabschiedet, das alle Flächen, die
durch Brände zerstört werden, automatisch in Naturschutzgebiete umwandelt.
Auf diese Weise entstehen bis 2126 rund 150.000 Hektar zusätzliche
Naturschutzgebiete, die nicht wiederaufgeforstet, sondern der natürlichen
Sukzession überlassen werden – was hilft Brände zu verringern.“
„Unter Hektar kann sich doch niemand was vorstellen. Kannst du das nicht in
der deutschen Standardreferenzgröße angeben?“
„Natürlich, das [3][entspricht etwa 210.000 Fußballfeldern].“
„Danke. Aber was hat das alles mit den Eseln zu tun?“
„Als erfolgreichste Maßnahme gelten die Feueresel! Gemischte Herden aus
Schafen, Ziegen und eben auch Eseln werden in besonders waldbrandgefährdete
Bereiche in der Nähe von Straßen, Bahnstrecken oder Wanderwegen geschickt.
Sie fressen Gras und trockenes Unterholz, damit sich lokale Feuer nicht so
schnell ausbreiten können. Und das Ganze auf 575.000 Hektar, also etwa 5
Prozent der deutschen Waldfläche.“
„Dafür braucht man ja tausende Tiere!“
„Um die 600.000! Und um das Ganze politisch attraktiv zu gestalten, werden
zu jedem Schulanfang Patenschaften für Feueresel, -ziegen und -schafe
verlost. Man kann den Tieren einen Namen geben, ihre Route und Fressmenge
live nachverfolgen und im Urlaub mit ihnen wandern gehen. Gerade für
Eselprodukte gibt es einen Riesenmarkt. Wenn du jetzt einen Laden für
Eselzubehör aufmachst, gründest du ein Imperium!“
31 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Theresa Hannig
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