# taz.de -- Technologie im Fußball: Als der VAR noch in einer Glaskabine auf der Tribüne saß
       
       > Der umstrittene Videoassistent hatte einen Vorläufer im Jahr 1976. Wie
       > zwei französische Ingenieure damals den Fußball revolutionieren wollten.
       
 (IMG) Bild: Ein Glaskastenmodell aus dem Jahr 2006: ZDF-Studio während der Fußball-WM in Deutschland
       
       Im Oktober ist ein Jubiläum zu feiern. 50 Jahre VAR. Genau genommen ist es
       nicht der [1][Video Assistant Referee], der 1976 vorgestellt wurde, aber
       sein bahnbrechender Vorgänger. „Schiedsrichtermaschine“ wurde das Gerät
       genannt, mit dem Pierre Joly und René Moreau aus Frankreich den Fußball
       revolutionieren wollten. „Eine elektronische Schiedsrichtermaschine, die
       nur noch Mehrheitsbeschlüsse des Dreier-Gespanns
       Schiedsrichter/Linienrichter ausführt, ist jetzt von zwei Ingenieuren in
       Boulogne-sur-Mer entwickelt worden“, so stand es in einer Meldung der
       Nachrichtenagentur AP, die am 22. Oktober 1976 von etlichen Zeitungen
       veröffentlicht wurde.
       
       So funktionierte das System: Das Schiedsrichtergespann sollte das Spiel aus
       einer verglasten Kabine verfolgen, jeder vor einem Schaltkopf platziert.
       „Wenn wenigstens zwei der drei Unparteiischen eine Regelwidrigkeit erkennen
       und im Abstand von nicht mehr als zwei Sekunden ihre Knöpfe drücken, wird
       das Spiel durch eine Glocke unterbrochen. Bestätigt nur einer wegen eines
       Regelverstoßes den Knopf, passiert nichts.“
       
       Eine Kabine für die Schiedsrichter, die im Stadion platziert ist: so eine
       Art [2][Kölner Keller,] nur nicht im Keller, aber in Köln ist der andere ja
       auch nicht mehr. Eher schon so wie ein TV-Studio, das allerdings mit
       besonders gutem Blick aufs Spielfeld.
       
       Einer der zwei Erfinder, René Moreau, erklärte damals: „Mit diesem
       Mehrheitssystem würde der allmächtige und unfehlbare Schiedsrichter
       abgeschafft.“ Zivilisierende Auswirkungen fürs [3][soziale Umfeld]
       prognostizierte er auch: „Und es würde kaum noch Zuschauerausschreitungen
       wegen fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen geben. Hinzu kommt noch,
       dass das in der Kabine sitzende Trio der Unparteiischen vor möglichem
       Volkszorn besser geschützt wäre.“
       
       Durchgesetzt hat sich die „Schiedsrichtermaschine“ nicht. Noch nicht einmal
       ausprobiert wurde sie. Doch ist nicht der VAR ein würdiger Nachfolger?
       
       7 Sep 2026
       
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