# taz.de -- US-Vermittler in der Ukraine: Trumps Schwiegersohn doch nicht so wichtig
       
       > Erst sollten sie mit dem Flugzeug in Kyjiw landen, jetzt sind Jared
       > Kushner und Steve Witkoff doch Zug gefahren – so wie alle. Kommt ein Ende
       > des Kriegs näher?
       
 (IMG) Bild: Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, mussten von Polen aus den Zug nach Kyjiw nehmen
       
       dpa | Im Ringen um ein Ende des Ukrainekriegs sind die US-Unterhändler
       Steve Witkoff und Jared Kushner erstmals in Kyjiw eingetroffen. Sie wurden
       am Bahnhof der Stadt vom Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj, Kyrylo Budanow, begrüßt, wie ein Video der Nachrichtenagentur
       Unian zeigte.
       
       Am Vortag hatten Witkoff und Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident
       Donald Trump, [1][in Moskau Gespräche über ein mögliches Ende] des seit
       mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs geführt.
       Dort sprachen sie fast drei Stunden mit Kremlchef Wladimir Putin.
       
       In Kyjiw war ein Treffen mit Selenskyj geplant. „Wir sind bereit für das
       Gespräch. Die Ukraine war und wird immer konstruktiv sein“, schrieb der
       Präsident in den sozialen Netzwerken. „Wir sind daran interessiert, ein
       Ende des Krieges näherzubringen.“ Die Ukraine brauche Sicherheitsgarantien
       und eine würdige Nachkriegsordnung. Insgesamt aber sind die Erwartungen in
       Kyjiw wie in Moskau an die neuen Vermittlungsbemühungen der USA gering.
       Laut Selenskyj war geplant, dass die beiden US-Gesandten mit dem Flugzeug
       auch nach Kyjiw kommen – dies ist höchst ungewöhnlich, weil der ukrainische
       Luftraum seit Kriegsbeginn 2022 gesperrt ist und andere westliche Politiker
       bisher immer per Zug nach Kyjiw reisten. Doch daraus wurde auch für die
       beiden US-Vertreter nichts.
       
       ## US-Unterhändler waren mehrfach in Moskau
       
       Witkoff und Kushner haben seit 2025 mehrmals Moskau besucht, waren für ihre
       Vermittlungsbemühungen aber noch nie in Kyjiw. Damit hatten sie bei
       Selenskyj für Unmut gesorgt. Im April kritisierte er, es sei respektlos,
       nach Moskau zu reisen und nicht nach Kyjiw zu kommen.
       
       Die jüngsten Aufnahmen aus Moskau vom Samstag dürften in Kyjiw nicht gut
       angekommen sein. Putin erklärte, dass Witkoff und Kushner inzwischen das
       Vertrauen der russischen Seite hätten. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit
       ihnen komfortabel“, sagte der Präsident. Witkoff sagte, die Treffen mit
       Putin gehörten für ihn zu den erinnerungswürdigsten überhaupt.
       
       Die New York Times hatte im Vorfeld unter Berufung auf mit den
       diplomatischen Bemühungen vertraute Beamte berichtet, dass sich die
       Verhandlungen über die Reise wochenlang zogen. Die USA hätten darauf
       bestanden, dass die Ukrainer ihre Drohnenangriffe auf Moskau und die
       russische Energieinfrastruktur vorübergehend einstellen, solange sich
       Witkoff und Kushner in Russland aufhalten. Die russischen Streitkräfte
       müssten ihre Raketenangriffe auf Kyjiw stoppen, schrieb die Zeitung. Putin
       ordnete eine dreitägige Waffenruhe für die ukrainische Hauptstadt an. Auch
       Selenskyj sagte zu, dass auf Angriffe auf Moskau bis einschließlich Montag
       verzichtet werde.
       
       ## Anreise mit der Bahn aus Polen
       
       Nach dem Treffen in Moskau flogen die US-Unterhändler zurück auf EU-Gebiet
       und landeten in Rzeszów in Ostpolen. Von dort nahmen sie wie andere
       ausländische Politiker den Zug für den Besuch in Kyjiw.
       
       Witkoff und Kushner sind in der Trump-Regierung zuständig für die
       Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs. „Wir haben sie
       dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können“, hatte
       US-Präsident Donald Trump im Vorfeld gesagt. Er zeigte sich erneut
       optimistisch, dass dies gelingen könne.
       
       ## Zeichen stehen auf Eskalation
       
       Bisherige Bemühungen der USA um ein Ende des Ukrainekriegs haben allerdings
       noch keinen Durchbruch gebracht. Als Vermittler saß Washington bei direkten
       Gesprächen Moskaus und Kyjiws in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im
       Februar in Genf mit am Tisch. Zuletzt lagen die Verhandlungen auf Eis –
       auch weil die USA durch ihren eigenen Krieg im Iran abgelenkt waren.
       
       [2][In dem seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen
       Angriffskrieg] gegen die Ukraine stehen die Zeichen derzeit auf Eskalation.
       An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren
       Luft- und Seekrieg intensiviert.
       
       [3][Moskau setzt vermehrt auf Angriffe] mit den besonders schwer
       abzuwehrenden ballistischen Raketen – auch in dem Wissen, dass es Kyjiw an
       Abwehrraketen mangelt. Die Ukraine hat ihre Angriffe vor allem mit Drohnen
       ins russische Hinterland stark ausgeweitet. Regelmäßig nimmt sie
       Raffinerien und Logistikzentren von Onlineversandhändlern ins Visier. Im
       Juli sind Beobachtern der Vereinten Nationen zufolge so viele Zivilisten
       ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr in einem Monat.
       
       6 Sep 2026
       
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