# taz.de -- Anschlagserie auf das Stromnetz: Fahndung nach Daniel V. läuft auf Hochtouren
> Auch nördlich von Bautzen wurden am Freitagabend „unbekannte
> Sprengvorrichtungen“ gefunden. Zudem kam es im Zuge der Suche nach dem
> Verdächtigen zu einem Polizeieinsatz bei einer Stromanlage nahe Hamm.
(IMG) Bild: Polizeieinsatz bei einer Stromanlage in Hamm in der Nacht von Freitag auf Samstag
dpa/taz | Die Polizei fahndet weiter mit Hochdruck nach einem Mann, der
Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Nach
Angaben der Polizei Köln dauerte die Suche nach dem 48-jährigen Daniel V.
am Morgen an. Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen,
Brandenburg und Sachsen – in allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle
abgebaut und verstromt.
Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des Tatverdächtigen in Gevelsberg
(NRW) Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando am
Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen
Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der
Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.
Hintergrund der Fahndung sind Bekennerschreiben, die bei mehreren
Medienhäusern eingingen. Auch [1][der taz wurde nach dem ersten Anschlag am
Dienstagabend ein solcher, handschriftlich verfasster Brief per Post
zugestellt]. „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist
eindeutiges Täterwissen“, erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
(CSU).
## Das mögliche Motiv
Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um
„Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters. In einem der Bekennerschreiben heißt
es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ Die taz
hatte am Donnerstagvormittag die auf dem an sie eingegangenen Brief
angegebene [2][Adresse in Gevelsberg aufgesucht und eine Familienangehörige
angetroffen]. Diese erklärte, dass Daniel V. seit Wochen nicht zu Hause
gewesen sei, und erkannte seine Handschrift auf einem Bild des
Bekennerschreibens. Weiterhin besteht aber die Möglichkeit, dass Daniel V.
nicht alleine handelt oder [3][ein anderer Akteur eine falsche Fährte
legt].
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes
die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern
gefährde Leben. „Keine Ideologie taugt als Ausrede“, betonte Reul.
Auffällig ist, dass sich die Orte in der Nähe von Gebieten befinden, in
denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es
nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im Süden
Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.
## Erster Fundort im Süden Brandenburgs
Am Dienstagmorgen hatte es zunächst im Süden Brandenburgs eine Attacke auf
die Stromversorgung gegeben. Mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen wurde
leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen im
Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde gelenkt. In
zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach
Angaben des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt nach der Sabotage
des Stromnetzes unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen
Vereinigung.
Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in
Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik
gefunden. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den
Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon gingen
später wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans
Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert.
## Weitere Fälle in NRW
Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger an einem Umspannwerk in
Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und
alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben
suchte die Polizei am Freitag auch das Gelände rund um das Kraftwerk
Weisweiler bei Aachen ab.
Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen größeren
Polizeieinsatz. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen zahlreiche
Polizeiwagen zu dem Ort an einer Landstraße bei einem Waldstück. Es war
auch ein Hubschrauber im Einsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es
handele sich um eine ehemalige Stromanlage, die seit Längerem außer Betrieb
sei.
## Neuer Fall in Sachsen
Auch in Sachsen entdeckte die Polizei laut Innenminister Armin Schuster
(CDU) „unbekannte Sprengvorrichtungen“. Die Polizei habe an zwei Fundorten
vier Objekte gesichert, sagte Schuster am Freitag. Hinweise darauf hätten
sich ebenfalls aus einem Bekennerschreiben ergeben. Die Polizeidirektion
Görlitz hatte einen Einsatz nördlich von Bautzen bestätigt. Dieser dauert
ebenfalls noch an. Teilweise seien Polizisten die ganze Nacht über mit der
Sicherung von Spuren beschäftigt gewesen, sagte eine Polizeisprecherin am
Morgen.
## Können Stromanlagen besser geschützt werden?
NRW-Innenminister Reul forderte als Konsequenz aus den Vorfällen, kritische
Infrastruktur besser zu schützen. Dafür brauche man klare Rechte und
moderne Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.
Unter kritischer Infrastruktur versteht man all jene Bereiche, [4][deren
Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der
öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann]. Dazu
gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr,
Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und
Verwaltung sowie Medien.
## „So machen wir es Attentätern unnötig leicht“
Der Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, Christoph Müller, sieht
die Politik gefordert. „Die Wirtschaft muss viele Angaben zu Strom- und
Gasnetzen öffentlich machen und ins Netz stellen. So machen wir es
Attentätern unnötig leicht – egal, aus welcher Ecke sie kommen“, [5][sagte
Müller der Rheinischen Post]. Er forderte entschärfte
Transparenzvorschriften und eine Erlaubnis dafür, Leitungen regelmäßig mit
Drohnen abfliegen und überwachen zu können. Auch müsse es Unternehmen
erlaubt werden, mit Kameras nicht nur das eigene Gelände, sondern auch die
Umgebung zu beobachten.
Amprion ist einer von vier großen Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland
und vor allem im Westen und Südwesten aktiv. Das Übertragungsnetz von
Amprion erstreckt sich nach Firmenangaben über rund 11.000 Kilometer
Höchstspannungsleitungen von der Nordsee bis zu den Alpen über sieben
Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen.
5 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bekennerschreiben-zu-Anschlag-in-Jaenschwalde-aufgetaucht/!6209920
(DIR) [2] /Spezialkraefte-durchsuchen-Wohnhaus-in-Gevelsberg-Wo-ist-Daniel-V/!6206505
(DIR) [3] /Anschlaege-auf-Infrastruktur/!6204904
(DIR) [4] /Schutz-kritischer-Infrastruktur/!6149676
(DIR) [5] https://rp-online.de/wirtschaft/stromsabotage-amprion-chef-mueller-wir-machen-es-attentaetern-unnoetig-leicht_aid-154275673
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