# taz.de -- Berichte über die Bundeswehr: Dieser Einsatz muss protokolliert werden
       
       > Nicht im Radpanzer, sondern robbend geht es für den Autor durch die
       > Heimatfront. Dabei begegnen ihm Erinnerungen, die manche lieber vergessen
       > würden.
       
 (IMG) Bild: Quasi „embedded“: Helm und kugelsichere Weste dürfen nicht fehlen
       
       Es ist passiert: Ich wurde eingezogen. Seit etwa anderthalb Jahren tummele
       ich mich nun schon in den Reihen der Bundeswehr, obwohl ich da nie hin
       wollte. Um mich herum träumen Politiker von der deutschen Armee als der
       stärksten in Europa. Vor mir liegt der [1][riesige Sumpf aus
       Rüstungsmilliarden]. Ich robbe durch das undurchsichtige Gelände der
       Beschaffungsprozesse und bin andauernd von diesem faulen Geruch umgeben.
       
       Nun, ich wurde nicht als Soldat berufen – sondern hier in der Redaktion.
       Ich berichte für die taz über die Bundeswehr und die Welt, die sie umgibt.
       In meine Rolle bin ich, so wie es sich gehört, hineingestolpert. Manchmal
       fühle ich mich dabei, als wäre ich embedded. Kennen Sie den Begriff noch?
       Er stammt gefühlt aus dem letzten Jahrhundert, aus der Zeit, in der
       Journalist:innen im Tross von Nato-Soldaten in Kriege reisten und Home
       Storys von der Front in Afghanistan und im Irak mitbrachten. Die Praxis des
       embedded journalism wurde damals kontrovers diskutiert, heute ist die
       Debatte fast vergessen.
       
       Sie bestand darin, ob man als Journalist überhaupt unabhängig berichten
       könne, wenn man zu sehen bekommt, was einem von der Armee vorgesetzt wird.
       Damals hegte man in der Politik noch den Traum, dass zivilisatorische Siege
       weltweit durch das Militär bereitet werden könnten. In diesem Sinne sollte
       auch eine breite Öffentlichkeit über die „Erfolge“ in den Zielländern
       unterrichtet werden.
       
       ## Meine antimilitaristische Haltung
       
       Ich frage mich: Hat die ein oder andere Geschichte aus dem Feldlager in
       Afghanistan dazu beigetragen, dass die politische Mission im Land
       irgendwann nur noch rein militärisch verstanden wurde? Und inwieweit hat
       dieses Framing eine Rolle dabei gespielt, dass die Stabilisierung des
       Landes fundamental gescheitert ist? Die Bilder der chaotischen
       Evakuierungsmission, [2][die sich dieser Tage zum fünften Mal jährt,] sind
       mir noch vor Augen. Und ich muss wohl sagen: Sie haben meine
       antimilitaristische Haltung verstärkt.
       
       Eine Beobachtung, die ich in der kurzen Zeit, die ich nun embedded an der
       Heimatfront berichte, lautet: Dass in Afghanistan am Ende fast alles
       schiefgegangen ist, was schiefgehen konnte, hat sich auch bei der
       Bundeswehr ins Gedächtnis eingebrannt – tiefer als man von außen denkt.
       Denn fast alle deutschen Soldaten, die heute Rang und Namen haben, waren
       irgendwann mal dort im Einsatz. Sie erinnern sich sehr wohl an die
       überzogenen Erwartungen, die sie erfüllen sollten – bevor sie mitsamt der
       anderen Potemkinschen Dörfer, die man in Afghanistan errichtet hatte,
       vergessen wurden.
       
       Ich vermute, es ist nicht gewollt, dass diese schmachvolle Geschichte zu
       viel Raum erhält. Dafür sind seit [3][Russlands blutrünstigem Krieg in der
       Ukraine] und der Muskelspielchen an anderen Orten in Europa – samt der
       Bombenfunde wie zuletzt in Leipzig – die Erwartungen an die Bundeswehr zu
       groß, auch gesellschaftlich. So stellen sich auch mir, embedded wie ich in
       diese neuen gesellschaftlichen und militärischen Erwartungen gleichermaßen
       bin, andere Fragen als mit Schreibblock und Schutzweste ausgerüstet im
       Bundeswehr-Radpanzer in der afghanischen Wüste. Doch auch dieser Einsatz
       muss, so wie er ist, protokolliert werden. In diesem Sinne: Willkommen zu
       meiner Kolumne!
       
       8 Sep 2026
       
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