# taz.de -- Russische Attacken auf Kyjiw: Drohne trifft Zentrale des Geheimdienstes
       
       > Während Kyjiw auf eine US-Delegation wartet, schickt Russland Drohnen.
       > Eine traf ein strategisch wichtiges Ziel: die Zentrale des Geheimdienstes
       > SBU.
       
 (IMG) Bild: Treffer Zielmitte setzte die russische Drohne in Kyjiw Mitte im SBU Hauptquartier um
       
       Der Knall gegen 15.30 Uhr Ortszeit kam nicht aus dem Nichts. Schon fast 30
       Minuten lang [1][galt in Kyjiw Luftalarm] wegen anfliegender russischer
       Drohnen. Die meisten waren entweder schon weitergeflogen oder abgeschossen
       worden. Nur eine befinde sich noch über dem Stadtgebiet, bewege sich aber
       weg vom Zentrum, war in lokalen Telegramkanälen zu lesen. Dann war die
       Druckwelle einer Explosion auch im Schewtschenko-Park in der Innenstadt
       deutlich zu spüren. Einige Passanten gingen rasch fort, andere suchten auf
       ihren Smartphones nach Informationen. Eine große, hellgraue Rauchwolke
       stieg über dem Einschlagsort auf. Eine Minute später folgte dann die
       Entwarnung.
       
       In der ukrainischen Hauptstadt ist am Freitagnachmittag die Zentrale des
       Geheimdienstes SBU von einer russischen Drohne getroffen worden. Ein Feuer
       brach aus. Dicker schwarzer Ruch quoll aus mehreren Fenstern im zweiten
       Obergeschoss. Die Feuerwehr hatte den Brand rasch unter Kontrolle.
       Innerhalb von Minuten rückte ein halbes Dutzend Rettungswagen an.
       
       Es ist allerdings nicht der erste Treffer in einem hochrangigen
       Regierungsobjekt: Vor einem Jahr war während eines großen Raketen und
       Drohnenangriffs ein Marschflugkörper ins oberste Stockwerk des Gebäudes des
       Ministerrats gekracht, aber nicht explodiert. Der Schlag am Freitag hat
       aber eine neue Qualität, weil er augenscheinlich bewusst so gewollt war.
       Ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt wie eine der neuen
       düsengetriebenen Drohnen sich im Anflug absenkt und die Front des Gebäudes
       trifft.
       
       Die Einschlagsstelle befindet sich im Zentrum der Stadt nur rund 600 Meter
       entfernt von der deutschen Botschaft, zwischen der Oper und der
       Sophienkathedrale. In der Nähe befindet sich auch der U-Bahnhof Goldenes
       Tor, an dem sich zum Zeitpunkt des nachmittäglichen Berufsverkehrs viele
       Menschen aufhielten. Durch die Druckwelle wurde auch eine gegenüberliegende
       Filiale einer Bäckerei schwer beschädigt. Ebenso die Klosteranlage.
       
       ## Ein Dutzend Menschen verletzt
       
       Ersten Angaben zufolge sind bei dem Angriff 12 Menschen verletzt worden.
       Davon mussten neun ins Krankenhaus eingeliefert werden, davon zwei in
       kritischem Zustand. Die Straßen in der Umgebung wurden während der Lösch-
       und Bergungsarbeiten abgesperrt. Viele Anwohner kamen nicht mehr zu ihren
       Wohnungen. Das wuchtige Gebäude mit dem Säulenportal in der historischen
       Altstadt ist bekannt. Seit Beginn von Russland Großangriff wird es schwer
       gesichert: Der Bürgersteig davor ist abgesperrt. Fotografieren ist
       verboten. In den Seitenstraßen stehen gepanzerte Fahrzeuge.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi meldete sich mit einer ersten
       Reaktion zu Wort. Die Betroffenen sollen die nötige Unterstützung erhalten.
       „Die Drohne zielte direkt auf das Arbeitszimmer des SBU-Leiters in diesem
       Gebäude“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er habe SBU-Chef Oleksandr
       Poklad angewiesen, angemessen, signifikant und, sofern möglich,
       spiegelbildlich zu reagieren, sobald alles dafür vorbereitet sei. Der
       Geheimdienst ist an den Angriffen tief im russischen Hinterland beteiligt.
       Die Attacke ereignete sich um Vorfeld eines für Sonntag erwarteten Besuchs
       einer US-Delegation mit Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und
       Trump-Golfpartner Steve Witkoff.
       
       [2][Seit acht Tagen überzieht Russland die ukrainische Hauptstadt] mit
       permanenten Drohnenattacken. Mindestens ein Dutzend Mal am Tag warnen
       Sirenen die Einwohner vor der Gefahr. Meist gilt zwischen zehn und 14
       Stunden am Tag der Luftalarm. In den vergangenen Tagen traf es oft
       Lagerhallen und Logistikzentren von ukrainischen Supermarktketten in den
       Vororten. Am Donnerstag raste eine Drohne in die neunte Etage eines
       Wohnhauses.
       
       Am Freitag sind auf dem stadtnahen Flughafen Zhuliany Berichten zufolge
       zwei geparkte Flugzeuge getroffen worden. Für die Angriffe nutzt Russland
       die neuen düsengetrieben Angriffsdrohnen vom Typ Geran-4, die nicht nur
       deutlich schneller, sondern auch höher fliegen als ihre
       propellergetriebenen Vorgänger. Sie sind für die ukrainische
       Luftverteidigung schwieriger abzufangen.
       
       4 Sep 2026
       
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