# taz.de -- Mord an Journalistin aus Malta: Freispruch für Geschäftsmann
       
       > Wegen des Anschlags auf die Investigativjournalistin Daphne Caruana
       > Galizia 2017 gab es nun ein vorerst letztes Urteil.
       
 (IMG) Bild: Der maltesische Geschäftsmann Yorgen Fenech kommt aus dem Gerichtssaal als freier Mann
       
       Am Mittwochabend sprach eine Jury auf Malta Yorgen Fenech, den
       Hauptverdächtigen im Mordfall Daphne Caruana Galizia, frei. Mit acht zu
       einer Stimme entschieden die Geschworenen, dass Fenech weder Beihilfe zum
       Mord noch kriminelle Verschwörung nachgewiesen werden könne.
       
       Die Familie Caruana Galizias erklärte, mit dem Urteil sei ihr „die
       Gerechtigkeit verwehrt worden, die sie verdient hätte“.
       
       Der 44-jährige Geschäftsmann Fenech war bereits 2019 festgenommen worden,
       als er versucht hatte, Malta mit einer Jacht zu verlassen. Er war einer der
       größten Unternehmer des Inselstaats und galt der Justiz als Auftraggeber
       des Autobombenanschlags im Oktober 2017.
       
       [1][2025 waren die beiden Malteser Robert A. und Jamie V]. zu lebenslanger
       Haft verurteilt worden, weil sie den Sprengstoff für das
       Autobomben-Attentat beschafft hatten. Im Oktober 2022 bekannten sich die
       Brüder Alfred und George Degiorgio zu Beginn ihres Prozesses schuldig, den
       Mord ausgeführt und die Autobombe gezündet zu haben. Sie wurden daraufhin
       zu jeweils 40 Jahren Haft verurteilt.
       
       Der Prozess gegen Fenech war der letzte in diesem Fall. Ein als Kronzeuge
       eingestufter Fahrer hatte ausgesagt, er habe von Fenech 150.000 Euro
       erhalten, um sie an die später wegen des Caruana-Galizia-Mordes
       verurteilten Männer weiterzuleiten. Er belegte seine Aussage mit
       Aufzeichnungen und Textnachrichten, in denen er und Fenech über die
       Auftragsmörder und die Mordermittlungen gesprochen hatten.
       
       ## Sie recherchierte zu Schmiergeld
       
       Caruana Galizia hatte vor ihrem Tod zu Fenechs Unternehmen „17 Black“
       recherchiert. Auslöser dafür war, dass Caruana Galizias Sohn Matthew,
       ebenfalls Journalist, an dem internationalen Recherchekonsortium zu den
       sogenannten Panama Papers beteiligt war. Der 2016 geleakte Datensatz mit
       11,5 Millionen Dokumenten enthielt Hinweise auf geheime Geschäfte der
       maltesischen Regierungsmitglieder Konrad Mizzi und Keith Schembri, die
       Premierminister Joseph Muscat nahestanden. Caruana Galizia, spezialisiert
       auf Korruption in Malta, verfolgte diese Spuren.
       
       Ihre Recherchen hatten nahegelegt, dass Fenech offenbar an Schembri und
       Mizzi Millionen an Schmiergeld zahlen wollte, weil er 2013 die lukrative
       Konzession für Bau und Betrieb eines Gaskraftwerks auf Malta erhalten
       hatte. Die auf 5.000 Euro pro Tag gesplitteten Summen sollten über Fenechs
       Offshorefirma „17 Black“ an die Offshorefirmen von Mizzi und Schembri in
       Panama fließen.
       
       [2][Der im Land damals äußerst beliebte Regierungschef] Muscat war wegen
       der Affäre Anfang 2020 zurückgetreten. Eine 2021 veröffentlichte
       Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Muscats Regierung ein „Klima der
       Straflosigkeit“ für diejenigen geschaffen habe, die Daphne Caruana Galizia
       zum Schweigen bringen wollten. Fenech hatte angedeutet, dass auch
       Kabinettschef Schembri an dem Mord beteiligt war, aber Strafmilderung für
       weitere Aussagen verlangt.
       
       2024 beschloss das EU-Parlament – auch auf Druck der Familie Caruana
       Galizias – eine Richtlinie gegen [3][sogenannte Slapp-Klagen] zu
       verabschieden, also rechtsmissbräuchliche Klagen, die der Einschüchterung
       von Journalist:innen dienen sollen. Gegen Caruana Galizia waren
       seinerzeit 47 solcher Klagen anhängig.
       
       „Der heutige Tag hätte Daphne gehören sollen“, heißt es weiter in der
       Erklärung, die Caruana Galizias Angehörige unmittelbar nach dem Freispruch
       am Mittwoch verbreiteten. „Ihre Träume und unsere wurden zerschlagen, als
       sie im Alter von nur 53 Jahren vor ihrem Elternhaus ermordet wurde.“ Sie
       wäre nicht ermordet worden, hätte sie nicht „die korrupten Verbindungen
       zwischen Yorgen Fenech, dem damaligen Energieminister Konrad Mizzi und dem
       Stabschef des Premierministers, Keith Schembri, aufgedeckt“, so die Familie
       weiter. Neun Jahre nach Daphne Caruana Galizias Ermordung seien die
       „institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglichten, nach wie vor
       nicht aufgearbeitet und nicht behoben worden.“
       
       3 Sep 2026
       
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