# taz.de -- Wirtschaftskrise in Iran: „Ich würde kommen, wenn ich Benzin für die Fahrt hätte“
       
       > Irans Währung Rial erreicht einen neuen Tiefstand und nun geht auch noch
       > der Treibstoff aus. Kann die Islamische Republik die US-Blockade
       > durchhalten?
       
 (IMG) Bild: Werden mit jedem Tag länger: die Schlangen an den Tankstellen in Teheran
       
       Es ist paradox: In Iran werden ständig neue Erdgasreserven gefunden, Erdöl
       fördert es sowieso. Dennoch geht dem Land gerade der Treibstoff aus. Viele
       Tankstellen haben Benzin und Erdgas, mit denen in Iran die meisten
       Fahrzeuge angetrieben werden, rationiert. Privatkunden bekommen dann
       beispielsweise nur noch 20 Liter Benzin pro Fahrzeug am Tag. Laut
       Augenzeugenberichten mussten mehrere Tankstellen in der Hauptstadt Teheran
       diese Woche komplett schließen.
       
       „Die Schlangen an den Tankstellen werden mit jedem Tag länger“, schreibt
       eine Iranerin aus der Stadt Isfahan der taz über einen verschlüsselten
       Chat. [1][Videos, etwa aus Teheran oder Mashhad, zeigen Dutzende wartende
       Autos]. Viele Menschen würden geplante Reisen absagen – wegen
       Treibstoffmangels: „Ich würde ja gerne kommen, wenn ich genug Benzin für
       die Fahrt hätte“, sagt sie.
       
       Eigentlich hat Iran Erdöl und Erdgas im Überfluss. Nach Russland besitzt
       Iran die größten Erdgasreserven der Welt, erst im August wurde ein neues
       Gasfeld in der südlichen Provinz Fars entdeckt. Doch wegen des Krieges und
       umfassenden US-Sanktionen fehlen Iran zunehmend die Investitionen und
       ausländischen Technologien, die nötig wären, die Rohstoffe aus dem Erdreich
       zu fördern und zu verarbeiten. Das ist der Grund für den sich
       verschärfenden Treibstoffmangel.
       
       Nun könnten die iranischen Erdgasreserven innerhalb weniger Wochen
       aufgebraucht sein, meldet das Exilmedium „Iran International“ unter
       Berufung auf anonyme Quellen in der iranischen Regierung.
       
       Wie die amerikanische Wirtschaftsblockade wirkt 
       
       Die Treibstoffkrise kommt gepaart mit einer [2][umfassenden
       Wirtschaftskrise], die dem Krieg und der amerikanischen Seeblockade
       geschuldet ist. Zudem haben die USA angekündigt, jedes Land, das mit Iran
       noch irgendeine Form des Handels treibt, vom amerikanischen Finanzsystem
       und damit vom Dollar-Zahlungsverkehr auszuschließen. [3][Der amerikanische
       Finanzminister Scott Bessent sprach von einem „wirtschaftlichen D-Day“].
       
       Ziel der Blockade ist es, sukzessive alle wirtschaftlichen Lebensadern des
       iranischen Regimes zu kappen. Die Machthaber in Teheran sollen so gezwungen
       werden, ihre Kontrollansprüche über die Seestraße von Hormus aufzugeben und
       an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
       
       Wie lange die Islamische Republik dem Druck noch standhalten kann, ist
       fraglich. Der iranische Staat ist bei seinen Einnahmen vor allem auf vier
       Lebensadern angewiesen: die Straße von Hormus, die Vereinigten Arabischen
       Emirate, China und die Türkei.
       
       Die seit Juli wiedereingeführte amerikanische Seeblockade wirkt. Irans
       Erdölexporte, die auf diesem Wege nach Asien stattfinden, sind in den
       vergangenen Wochen stark gesunken. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate
       haben den Handel – mutmaßlich auf Druck der USA – ausgesetzt. 2024 lag der
       Handel noch bei rund 28 Milliarden US-Dollar.
       
       Somit bleiben dem Regime nur noch zwei Lebensadern übrig, die Türkei und
       China. Wenn auch die Türkei demnächst, wie erwartet, den Import von
       iranischem Erdgas stoppt, bleibt voraussichtlich allein China dem
       iranischen Regime als Abnehmer, auch von Erdöl, erhalten – allerdings wegen
       der Seeblockade in nur bescheidenem Ausmaß. Und die großen chinesischen
       Raffinerien meiden das iranische Öl sowieso.
       
       Der Wert des Rial erreicht ein neues Tief 
       
       So zumindest die Theorie. In der Realität trifft die amerikanische
       Wirtschaftsblockade gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger besonders hart.
       Während das Regime vorerst noch auf Rücklagen und auf Einnahmen aus dem
       Schwarzmarkt setzen kann, haben viele Iranerinnen und Iraner
       Schwierigkeiten, Grundnahrungsmittel zu kaufen.
       
       Die iranische Währung hat seit Beginn des Jahres ein Drittel [4][ihres
       Wertes verloren], ein Dollar kostet heute knapp zwei Millionen Rial. Nach
       Recherchen von Al Jazeera konnte man mit zwei Millionen Rial vor dem Krieg
       noch etwa vier Kilo Tomaten, ein halbes Kilo Hähnchenfleisch und etwas
       weniger als einen Liter Speiseöl kaufen. Heute bekommt man für denselben
       Betrag nur noch etwa die Hälfte davon.
       
       ## Bei höheren Benzinpreisen droht der Aufstand
       
       Vor diesem Hintergrund ist die Treibstoffkrise für Iran ein Pulverfass.
       Benzin und Erdgas sind in Iran staatlich stark subventioniert – das war
       eines der Versprechen [5][der islamischen Revolution]. Bei einem Verbrauch
       bis 60 Liter im Monat [6][kostet ein Liter Benzin] umgerechnet weniger als
       1 Euro-Cent pro Liter und bei einem Verbrauch von mehr als 160 Litern etwa
       2 Euro-Cent.
       
       Unter den aktuellen Bedingungen kann der iranische Staat solche Preise
       nicht länger aufrechterhalten. Schon seit Jahren schiebt die Regierung die
       notwendigen Preiserhöhungen vor sich her, aus Angst vor neuen Unruhen. Bei
       der letzten Preiserhöhung im November 2019 folgte ein Massenaufstand, der
       nur durch ein Blutbad mit bis zu 1.500 Toten niedergeschlagen werden
       konnte.
       
       „Der Grund dafür ist kulturell: Wir glauben, dass die Rohstoffe im
       iranischen Boden allen Iranern gehören. Es wäre absurd, wenn wir dafür
       normale Preise zahlen müssten“, sagt ein Iraner, der anonym bleiben möchte,
       der taz.
       
       Dass die Regierung einen neuen, durch die Armut getriebenen Aufstand
       fürchtet, zeigte jüngst ein Auftritt der iranischen Regierungssprecherin
       Fatemeh Mohajerani. Als sie während einer Pressekonferenz gefragt wurde,
       wie viele Iraner aktuell in extremer Armut leben und wie vielen es an
       ausreichender Nahrung, Wohnraum und anderen Grundbedürfnissen mangelt,
       verweigerte sie eine Antwort. Die Sprecherin begründete das mit dem
       Hinweis, die Zahlen seien „sicherheitsrelevant“ und müssten daher vor
       Veröffentlichung durch den Obersten Nationalen Sicherheitsrat freigegeben
       werden.
       
       27 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/IranIntl_En/status/2092728296156897567?s=20
 (DIR) [2] /Wirtschaftslage-in-Iran/!6194765
 (DIR) [3] /Krieg-zwischen-USA-und-Iran/!6207009
 (DIR) [4] /Inflation-Kuendigungen-Streiks/!6104626
 (DIR) [5] /Reihe-zu-Foucaults-100-Geburtstag/!6202693
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