# taz.de -- Die Wahrheit: Unterwegs mit dem fliegenden Teppich
> Ohne Scham eines der ältesten Mittel der Fortbewegung zu nutzen, ist eine
> märchenhafte Alternative für den modernen Jetset.
Da Flugshaming sich als ineffektiv erwiesen hat, gehe ich lieber mit gutem
Beispiel voraus und nutze bei meinen Reisen fast nur noch den fliegenden
Teppich. Ich frage mich schon lange, wie diese energie-, platz- und
geldsparende Methode der Fortbewegung derartig ins Hintertreffen geraten
konnte – eventuell hängt das mit dem dauerhaften Interieur-Trend „Parkett“
zusammen: Die Menschen haben angesichts knarzender Holzdielen einfach
vergessen, dass es Teppiche gibt, wie gemütlich und fußwarm sie sind und
wie viel weniger man beim Barfuß-Darüberlaufen die Krümel spürt.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das Fliegen auf einem solchen Teppich
sogar noch gemütlicher ist: Es gibt ausschließlich Fensterplätze, man darf
sich lang hinlegen und rauchen, bei Bedarf sogar Wasserpfeife. Bestimmt
verlangen einige Teppichfluggesellschaften von ihren Passagieren, beim
Betreten des Flugzeugs die Schuhe auszuziehen – das erwarte ich aber nicht
mal von meinen Gästen zu Hause.
Das Reinigen des Teppichs zwischen Landung und dem nächsten Start dauert
außerdem gar nicht lange, und wem der Vorwerk-Kobold zu viel Strom
verbraucht oder das Kabel nicht bis aufs Rollfeld geht, der kann einen
dieser kabellosen Teppichkehrer nehmen, es gibt sie in Orange und
Retro-Türkis. Selbstverständlich kann man seinen Flugteppich nach Gebrauch
auch einfach klassisch über eine der auf dem Rollfeld dafür noch
aufzustellenden Stangen werfen und ausklopfen, man darf dabei nur nicht auf
den Anlasser kommen.
## Dschinns als Fluggäste
Wenn man seine Teppichflugregeln streng nach den Maßstäben der „1.001
Nacht“-Geschichte von König Salomo und seiner Messingstadt ausrichtet,
dürften übrigens auch reißende Tiere, Raubvögel, Dschinns und Teufel
mitreisen, ich bin aber ein bisschen dagegen, weil mich die Idee der
Wildkatzenpisse in den feinen Schurwollfasern nicht wirklich überzeugt.
Es besteht überdies eine gewisse Abhängigkeit vom Wetter, andererseits
starten herkömmliche Passagiermaschinen bei starken Unwettern ebenso wenig.
Mit in hoher Frequenz eingesetzten Linienteppichen ließen sich zudem wieder
problemlos Inlandsflüge verwirklichen, und wenn die Passagiere nicht allzu
laut singen, kommt man um Petitionen gegen Fluglärm herum.
Und welch hübsche Durchsagen auf dem Teppichflug zu hören wären: „Meine
Damen und Herren, im Namen von Kapitänin Zylka und ihrer Crew begrüßen wir
sie an Bord dieses Hamedan-Perserteppichs auf unserem Flug nach London.
Bitte nehmen Sie Ihren Platz ein, kuscheln Sie sich an Ihr Handgepäck und
halten Sie Ihre Mobiltelefone gut fest, damit sie nicht herunterfallen.
Vielen Dank.“
Ich befürchte übrigens, dass nach erfolgreicher Einführung des Teppichflugs
schnell ein paar Billigteppichfluggesellschaften auf den Markt drängen
werden. Aber ich möchte dringend von deren Nutzung abraten. Das Fortbewegen
mit Teppichfliesen birgt in der Luft einfach ein zu hohes
Sicherheitsrisiko.
4 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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