# taz.de -- Erfolg gegen Klimakiller: Superemittent Turkmenistan schließt Methanlecks
> In dem zentralasiatischen Land sollen acht Gas- oder Öllecks geschlossen
> worden sein. UNO sieht „Durchbruch“ beim Quick Fix gegen den Klimawandel.
(IMG) Bild: Das Leck ist zu, genauso wie acht weitere
Im Kampf gegen das besonders schädliche Klimagas Methan ist offenbar ein
Erfolg gelungen. Das als „Superemittent“ bekannte zentralasiatische
Turkmenistan hat acht Lecks an seinen Öl- und Gasanlagen zu geschlossen.
Dies zeigen Daten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep),
berichtet der britische [1][Guardian].
Von einem „Durchbruch“ spricht Meghan Demeter, Programmleiterin des
Unep-Programms Methane Alert and Response System (Mars). Mars identifiziert
Methanlecks per Satellit und meldet sie in Echtzeit an die betroffenen
Staaten. Endlich sehe man „dokumentierte Maßnahmen zur Verringerung der
Emissionen“, so Demeter.
Methan gilt als „Klimakiller“. Es ist ein Treibhausgas, das vor allem
langfristig wirkt. In einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten ist es mehr als
80-mal klimaschädlicher als CO2. Es hat bislang etwa ein Drittel der
bisherigen Erderwärmung verursacht. Es tritt aus maroden Pipelines und
anderen Öl- und Gasanlagen aus, wird abgefackelt und bei der Wartung sogar
absichtlich freigesetzt.
Das Stopfen der Lecks gilt als „Quick Fix“ gegen den Klimawandel, also als
eine der wenigen Möglichkeiten, die Erderhitzung relativ schnell
einzudämmen. Weniger Methanlecks lohnen sich auch für die fossilen
Konzerne: Dadurch könnten im Energiesektor weltweit jährlich etwa 200
Milliarden Kubikmeter Gas erhalten werden, schätzt die Internationale
Energieagentur (IEA). Zum Vergleich: Deutschland verbraucht 85 Milliarden
Kubikmeter Gas pro Jahr.
Turkmenistan gilt noch vor den USA als die größte Quelle von unkontrolliert
austretendem Methan. 2023 verzeichnete der autoritär regierte Staat die
weltweit höchste Zahl an Methanleckagen, die das Mars-System entdeckte.
Doch im Dezember des Jahres schloss sich Turkmenistan dem „Methan-Pledge“
(Methan-Versprechen) der UNO an. Diesem sind bislang 160 Länder
beigetreten. Sie verpflichten sich damit, ihre Methanemissionen bis 2030 um
30 Prozent gegenüber 2020 zu verringern.
## Treibhausgasemissionen von 24 Millionen Autos
Im vergangenen Jahr gab das Unep-System Mars für Turkmenistan immer noch
192 Warnungen zu Leckagen in dem Land heraus. Zum Vergleich: Die
Vereinigten Staaten erhielten 138 solcher Warnungen – die zweithöchste Zahl
weltweit. 41 Lecks wurden laut [2][Mars bis zum April 2026] gestoppt, davon
besagte acht in Turkmenistan, acht in Kasachstan, sechs in Argentinien, je
vier in Oman und Libyen und eine in den USA. Laut Mars entwich aus den nun
geschlossenen Leckagen bislang 1,2 Millionen Tonnen Methan. Dies entspreche
den Treibhausgasemissionen, die 24 Millionen Autos in einem Jahr ausstoßen.
Prominentestes Beispiel im Vorgehen gegen entfleuchendes Methan ist das
langsame Schließen des turkmenischen [3][Derweze-Kraters], der wegen seiner
rund 30 Meter tiefen und 70 Meter breiten feuerbedeckten Wände auch als
„Tor zur Hölle“ bekannt ist. Der Krater entstand wahrscheinlich Anfang der
70er Jahre bei Probebohrungen für ein Gasfeld, nun soll er weitgehend
gelöscht sein, meldete die staatliche Gasgesellschaft Turkmengaz.
„Ab und zu wirkt Journalismus doch“, schrieb der bekannte US-Klimaaktivist
Bill McKibben auf Bluesky zum Schließen der Lecks – und lobte die
[4][Berichterstattung des Guardian], die die Methanlecks weltweit und in
Turkmenistan in den vergangenen Jahren in den [5][Fokus der Öffentlichkeit]
gerückt hatte.
Die IEA schätzt, dass weniger Methanfreisetzung aus der Förderung fossiler
Brennstoffe einen Anstieg der globalen Temperaturen um etwa 0,1 Grad
Celsius bis 2050 verhindern könnte. Das sei „vergleichbar mit der
Eliminierung aller CO2-Emissionen der weltweiten Schwerindustrie auf einen
Schlag“. Die UNO sprach sogar von 0,3 Grad weniger, wenn bis 2030 45
Prozent weniger Methan ausgestoßen würde.
Etwa 40 Prozent aller globalen Methanemissionen stammen aus natürlichen
Quellen, vor allem aus Feuchtgebieten. Der Rest entweicht durch menschliche
Aktivitäten, etwa durch [6][Viehhaltung] oder aus dem Energiesektor.
1 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.theguardian.com/environment/2026/aug/31/turkmenistan-methane-leaks-un-alerts-mars
(DIR) [2] https://wedocs.unep.org/rest/api/core/bitstreams/0fcb0daf-8769-4778-8b75-79e251401472/content
(DIR) [3] https://www.spektrum.de/news/krater-von-derweze-das-feurige-tor-zur-hoelle-wird-geloescht/2271509
(DIR) [4] https://www.theguardian.com/environment/2023/mar/06/revealed-1000-super-emitting-methane-leaks-risk-triggering-climate-tipping-points
(DIR) [5] /Lecks-in-der-Gas-Infrastruktur/!6039023
(DIR) [6] /Klimakiller-Methan/!6015787
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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