# taz.de -- BVB-Gegner beim DFB-Pokal: Das große Los
       
       > Der Oberligaverein Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club (HEBC) empfängt am
       > Dienstag den Bundesligisten Borussia Dortmund – ein Pokalspiel, das nur
       > mit Freunden gelingen kann.
       
 (IMG) Bild: Keine Dusche für den BVB: Im DFB-Pokal empfängt der Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club den berühmten Gegner im Volksparkstadion
       
       Wer als Amateurklub in der ersten Runde des [1][DFB-Pokals] einen großen
       Gegner zieht, kann sich auf 211.000 Euro vom Verband und einen
       unvergesslichen Tag freuen. Oder er kann sich professionelle Hilfe in Form
       einer Werbeagentur holen und den ganzen Stadtteil auf sich aufmerksam
       machen.
       
       Für Letzteres entschied sich der Hamburger Oberligavertreter HEBC aus dem
       so bunten wie beliebten [2][Eimsbüttel]. „Wir wollen das Spiel am Dienstag
       nutzen, um bekannter zu werden“, sagt der Vorsitzende Konstantin
       Zimmermann. Ein gnädiger BVB wäre insofern gut, besser ist aber jetzt
       schon, dass der große Gegner schon vor dem Anpfiff viel Licht auf den
       kleinen HEBC geworfen hat.
       
       Der Klub mit seinen 850 Mitgliedern liegt im Schatten des Eimsbütteler
       Turnverbands (ETV) mit zahlender Kundschaft, die mehr als 20.000 Personen
       zählt. Der Platzhirsch greift mit professionellen Strukturen vieles ab. Der
       Kleine hechelt hinterher. Zimmermann sagt: „Wir haben festgestellt, dass
       wir in Eimsbüttel viel weniger bekannt sind, als wir dachten.“
       
       Das liegt auch an der beengten Lage der Vereinsheimat zwischen
       Häuserblocks, Kindergarten und Fahrradstraße. Wenn alle 500 Kinder und
       Jugendliche des HEBC abends trainieren, muss der Professor-Reinmüller-Platz
       in Sechzehntel geteilt werden – viel mehr als [3][Funino] geht dann nicht.
       
       ## Renovierung des Vereinsheims
       
       Eine „Tribüne“ mit handverlesenen Ehrenplätzen und ein kultiges kleines
       Klubheim gibt es trotzdem, natürlich in den Vereinsfarben gehalten. Kult
       ist schön und gut, Wachstum aber nötig, findet Zimmermann. Mit den
       Pokaleinnahmen soll das Vereinsheim renoviert werden, und eine bessere
       Idee, als den gegenüberliegenden Grandplatz nur in Ausnahmefällen zum Üben
       zu nutzen, ließe sich auch finanzieren – ihm schwebt eine Lösung mit
       Kleinfeldern und Eishockey-Toren auf Kunstrasen vor.
       
       In den Volkspark sollen mehr als 40.000 Menschen kommen. Die Einlaufkinder
       werden Sprösslinge verdienter [4][HEBC]-Ehrenamtler sein. Denn sie und die
       kleinen Teams sind das, was den sozial engagierten Klub ausmacht: Als
       Stützpunktverein im DOSB-Bundesprogramm „Integration durch Sport“ steht die
       Einbindung aller im Zentrum der Arbeit. „Der Oberligafußball läuft
       nebenher“, sagt Zimmermann, „ich wundere mich selbst, wen wir ohne Geld
       alles kriegen.“
       
       Das familiäre Wesen will sich der HEBC bewahren. Bewusst wird mit dem
       Unterschied „klein“ und „groß“ gespielt, wenn Trainer Oblochs Jungs mit dem
       HVV-Linienbus ins Stadion fahren werden – natürlich mit Aufklebern in Lila
       und Weiß. Sogar das klotzige Bezirksamt, Verwaltungszentrum des Bezirks,
       ist nächtens so illuminiert, dass das drinnen angelassene Licht durch die
       Fenster ein großes Herz in den Vereinsfarben ergibt. Backwerk („Hanseat“)
       in Lila-Weiß, Schaufenster, in den Vereinsfarben gestaltet, und ein
       Gemüsestand mit der Aubergine im Zentrum sind nur einige Ideen des
       Eimsbütteler Einzelhandels.
       
       Da zwei Spieler auf der Geschäftsstelle des Hamburger SV arbeiten, gab es
       den kurzen Draht in den Volkspark. Persönliche Kontakte sind es auch, die
       die Werbung ermöglichten – die Gattin von HEBC-Trainer Philipp Obloch kennt
       den Agenturinhaber Lars Meier, der mit seiner „Gute Leude Fabrik“ in
       Hamburg manches leichtfüßig umgesetzt hat.
       
       ## Hilfe vom großen HSV
       
       Dass auf dem „Reinmüller“, wie der Vereinsplatz genannt wird, nicht
       gespielt werden kann, war dem HEBC schon nach dem 5:1-Sieg gegen V/W
       Billstedt im lokalen Pokalendspiel Ende Mai klar. Als Zimmermann dann
       „ziemlich naiv“ zur Auslosung nach Dortmund reiste, erfuhr er dort, was der
       DFB so verlangt, ehe der erste Ball rollt. Allein die geforderte
       Abstellfläche für Übertragungswagen ist größer als der HEBC-Sportplatz:
       „Ohne die [5][Hilfe des HSV] hätten wir das gar nicht stemmen können.“
       
       Als das Stadion und die Kampagne zum Spiel standen, atmete Zimmermann
       zweimal tief durch. Der 47-Jährige arbeitet als Ingenieur bei
       Lufthansa-Technik: „Ein Verein kann sich mit solch einem Spiel ohne fremde
       Hilfe ganz schön verheben.“ So ganz stimmig ist das Amateur-Märchen von der
       Gesundung durch die Einnahmen der ersten Pokalrunde nämlich nicht: „Wenn
       man nicht gerade einen großen Fisch zieht, bleibt nichts hängen.“
       
       Gegen Elversberg oder Paderborn hätte es weder das lila Eimsbüttel noch den
       Umzug in den Volkspark gegeben, sondern ein Unter-ferner-liefen-Pokalspiel
       am Millerntor oder draußen in Norderstedt – was einen kritischen Blick auf
       die Sportinfrastruktur werfen lässt, wo seit jeher ein geeignetes
       Fußballstadion für 15.000 Leute fehlt. Das ist aber ein anderes Thema.
       
       31 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/FUNi%C3%B1o
 (DIR) [4] https://hebc.de/
 (DIR) [5] https://www.hsv.de/news/ein-stadtteil-und-sein-groesstes-spiel
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Frank Heike
       
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