# taz.de -- DFB-Pokal: Ausschreitungen bei Südwest-Derby
       
       > Feuerwerkskörper, Rudelbildung, Platzsturm: Beim Derby zwischen Mannheim
       > und Kaiserslautern eskaliert die Gewalt. Die Polizei ermittelt in
       > mehreren Fällen.
       
 (IMG) Bild: Wenn Polizeipferde über einen Fußballrasen laufen müssen, dann ist etwas grundlegend falsch gelaufen im Fußball
       
       dpa | Für Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber war nach den massiven
       Ausschreitungen mit 85 Verletzten im [1][Südwest-Derby zwischen Mannheim
       und dem 1. FC Kaiserslautern] „das Maß überschritten“. Zugleich
       kritisierten der Österreicher und weitere SVW-Verantwortliche nach der
       0:1-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Erzrivalen aus
       Rheinland-Pfalz vor allem FCK-Kapitän Marlon Ritter.
       
       „Er hat permanent brutale Gesten gegen die Bank gefeuert, das ist geduldet
       worden. So hat man ein Problem“, sagte Zuber, der die abgefeuerten
       Feuerwerkskörper der Gäste-Fans in Richtung der Haupttribüne verurteilte.
       „Das muss Konsequenzen haben. Es kann nicht sein, dass Leute gefährdet
       werden.“
       
       Ritter selbst meinte, es sei „wahrscheinlich auch zu viel gewesen von allen
       Beteiligten“. Angesprochen auf die Mannheimer Vorwürfe erklärte der
       31-Jährige aber auch: „Die Waldhof-Bank geht auch nicht jeden Sonntag in
       die Kirche.“
       
       ## Rudelbildung und Feuerwerkskörper
       
       Fast durchgehend brannten in beiden Fanblöcken bengalische Feuer. Immer
       wieder flogen Knallkörper über das Spielfeld. Nachdem die reguläre
       Spielzeit torlos geendet war, entluden sich die Emotionen. Zunächst
       gerieten die Mannschaften in einer Rudelbildung aneinander – Ritter
       mittendrin. Anschließend flogen aus dem FCK-Bereich Feuerwerkskörper in
       Richtung der Sitzplätze.
       
       Daraufhin stürmten Mannheimer Fans den Platz. Einsatzkräfte der Polizei –
       manche von ihnen zu Pferd – mussten einschreiten, um die Lage wieder unter
       Kontrolle zu bringen. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 33 Beamte der
       Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg leicht verletzt.
       Insgesamt waren rund 1.400 Polizeibeamte im Einsatz – darunter Beamte aus
       Rheinland-Pfalz und Bayern.
       
       Nach einer ersten Analyse der Polizei wurden zudem mehrere Fußballfans
       vorläufig festgenommen. Insgesamt mussten demnach 85 Personen medizinisch
       betreut werden und acht von ihnen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus.
       Bei den Blessuren handelte es sich laut einer Polizeisprecherin nach
       bisherigen Erkenntnissen um leichte Verletzungen.
       
       Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie. Der Anpfiff der Verlängerung
       musste infolge der Krawalle um etwa 20 Minuten verschoben werden, nach
       Wiederaufnahme des Spiels blieb es aber ruhig. Danach löschte die Feuerwehr
       einen von FCK-Anhängern im Gästefanblock gezündeten Brand.
       
       ## DFB kündigt Aufarbeitung an
       
       Der DFB hatte bereits unmittelbar nach Spielende auf die Ausschreitungen
       reagiert. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den
       zuständigen Gremien zuleiten“, hieß es in einer Stellungnahme auf
       Instagram. Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz.
       „Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein“, sagte Referee Robert
       Schröder bei Sky.
       
       Nach Angaben des Veranstalters hatten rund 23.500 Zuschauer das
       ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in Mannheim am Freitagabend besucht,
       darunter etwa 3.500 Gästeanhänger. Die beiden Fan-Lager sind seit den
       frühen 1980er Jahren verfeindet und lieferten sich auch diesmal ein
       aufgeheiztes Duell auf den Rängen – inklusive Pyrotechnik, Feuerwerkskörper
       und aufwendige Choreografien.
       
       Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung,
       Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte
       sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
       
       Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die
       Geschehnisse. „Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf
       aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem
       Fußball“, sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der
       Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend
       dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam.
       
       Auf dem Platz sei es eines Derbys „sehr, sehr würdig“ gewesen, fand
       Lautern-Trainer Torsten Lieberknecht. „Das, was drumherum war, das wollen
       wir alle nicht sehen. Das ist auch nicht nachvollziehbar. Rivalität ja.
       Dass es aber so endet, ist schade für den Fußball.“
       
       ## Innenminister: „Kein normales Derby“
       
       Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die
       Szenen. „Das war heute in Mannheim kein normales Derby“, erklärte er. „Wer
       den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit
       Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist
       kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch
       behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.“
       
       Zugleich lobte Hagel die Einsatzkräfte. Die Polizei habe „Großartiges
       geleistet“, sei „hochprofessionell vorbereitet“ gewesen und habe seine
       „volle Rückendeckung“.
       
       [2][Letztlich gewann Kaiserslautern] das Spiel 1:0 nach Verlängerung. Den
       entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der
       120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschießen. Ginge es
       nach Ritter, sollte das Sportliche überwiegen. „Für mich ist der Fußball
       nicht in den Hintergrund gerückt“, sagte er. „Wir haben das Derby gewonnen.
       Das ist das, was am Sonntag und Montag in der Zeitung stehen sollte, uns
       gehören die Schlagzeilen.“
       
       22 Aug 2026
       
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