# taz.de -- Pfeifkonzert in Karlsruhe: Duplizierter Hass
> Ex-Herthaner Fabian Reese wird wegen seines Wechsels zu Wolfsburg in
> Karlsruhe niedergepfiffen – aus fanfreundschaftlichen Motiven. Was ein
> Unfug!
(IMG) Bild: Freude mit einer Spur Genugtuung: der ausgepfiffene Wolfsburger Fabian Reese erzielt gegen Karlsruhe ein Tor
Zum Vokabular des deutschen Profifußballs gehört der Begriff
„Fanfreundschaft“. Das klingt erst einmal so herzallerliebst und gefühlig,
dass man glatt vergessen könnte, was Gefühle anrichten können. Denn
Fanfreundschaften eigenen sich bestens, um Hass zu duplizieren. Und von dem
können etliche Stadionbesucher einfach nicht genug bekommen.
Zu beobachten war das am Samstag bei den Anhängern des Zweitligisten
Karlsruher SC, die eine Fanfreundschaft [1][mit Hertha BSC] verbindet. Die
Badener pfiffen im Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:5) die ganze Spielzeit
[2][über Fabian Reese] nieder. Grund dafür war, dass dieser im Sommer der
Hertha abtrünnig geworden war – eines besser dotierten Vertrags und
sportlicher Perspektiven wegen. Beides hätte man Reese vielleicht noch
verziehen. Dass er sich aber von einem Werksverein bezahlen lässt, gilt
nicht nur in der Hauptstadt als moralische Straftat, sondern eben auch bei
den Freunden in Karlsruhe.
Wolfsburgs Trainer Tobias Strobl wollte sich nicht darüber beklagen: „Das
gehört zum Geschäft.“ Reese selbst sah das anders. „Ich bin zwar kein
blutjunger Fußballer mehr, sondern 28 Jahre alt – aber ich glaube, jeder
sollte sich mal hinterfragen, wenn man von 30.000 Menschen ausgepfiffen
wird, was das mit einem macht“, zitiert der NDR den VfL-Profi. „Mir tut es
weh, mich verletzt es.“ Reese befand, es sei wohl ein Zeichen der Zeit,
„hopp oder top, schwarz oder weiß“.
So etwas gibt es viel zu selten: Ein Fußballprofi, der sich zugleich
verletzlich und wehrhaft zeigt und sich mit einer großen Masse von
Fußballfans anlegt.
Woher kommt denn die moralische Überheblichkeit? Man kann [3][Investoren-
und Werksklubs] im Profifußball aus strukturellen Gründen ablehnen.
Einzelne Profifußballer aber haftbar für diese Zustände zu machen und
abzustrafen, ist naiv bis dümmlich. Zumal sich knapp 80 Prozent der Anteile
der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA Hertha in Investorenhand befinden.
30 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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