# taz.de -- Borussia Dortmund: Spektakel und Schock
       
       > Borussia Dortmund und seine neuen Griechen verzaubern die Fans zum
       > Saisonstart mit Leichtigkeit. Dann verletzt sich Konstantelias schwer.
       
 (IMG) Bild: Da noch voller Spielfreude: Konstantelias (2 v. l.) feiert sein Tor zum 2:0
       
       Das pure Glück lag über dem Westfalenstadion, als Felix Zwayer am
       Samstagnachmittag zur Halbzeit pfiff und Borussia Dortmund 2:0 gegen den
       Hamburger SV führte. Nach Monaten des Verzichts wurde endlich wieder
       Bundesligafußball gespielt, und dann auch noch in einer Variante, wie es
       sie lange nicht zu sehen gab in Dortmund.
       
       Die Mannschaft hatte die Menschen mit Schönheit und Eleganz verzaubert,
       „die erste Halbzeit war Spektakel“, sagte der für den Sportbereich
       zuständige Geschäftsführer [1][Lars Ricken] später. Und weil diese Elemente
       ganz besonders von zwei im Sommer [2][unter Vertrag genommenen Griechen]
       verkörpert wurden, spielte die Stadionregie nun eine mit satten Technobeats
       ausgestattete Version des Songs ab, zu dem in dem Film „Alexis Sorbas“ der
       berühmte „Sirtaki“ getanzt wird.
       
       Die Zuschauer tanzten und feierten Konstantinos Karetsas sowie Giannis
       Konstantelias, zwei imponierende Fußballer mit griechischem Pass. Beim
       Boulevard wurde umgehend nach einer passenden Schlagzeile gesucht:
       „Griechen-Gala“? Oder gar: „Zaziki-Zange?“ Denn der 18 Jahre alte Karetsas
       hatte Serhou Guirassys 1:0 mit einem doppelten Doppelpass vorbereitet, und
       Konstantelias, 23, war nach etlichen starken Ballaktionen das Tor zum 2:0
       gelungen.
       
       „Die Beweglichkeit, die die beiden haben und trotzdem noch gefährlich sind,
       das ist eine große Qualität in dem Alter“, sagte Kapitän Waldemar Anton. Es
       passte sogar, dass die Dortmunder sich entschieden hatten, während dieser
       beglückenden ersten Halbzeit eine aufwändig produzierte Dokumentation zu
       veröffentlichen: eine mithilfe von KI entstandene Rekonstruktion des ersten
       Tores der Bundesligageschichte, von dem es keine Filmaufnahmen gibt.
       
       ## Tor mit KI rekonstruiert
       
       Im August 1963 erzielte der Dortmunder Timo Konietzka in einer Partie bei
       Werder Bremen nach 35 Sekunden diesen ersten Treffer, über den seit
       Jahrzehnten gesprochen wird, den aber nur jene Menschen gesehen haben, die
       damals im Weserstadion anwesend waren. Nun wurden die 35 Sekunden mit allen
       Ballkontakten, dem finalen Torabschluss und dem Jubel als Filmsequenz in
       Schwarz-Weiß nachproduziert.
       
       Als Sirtaki getanzt wurde, war also eine klaffende Lücke in der Historie
       gefüllt, genauso wie die Leerstelle in der Offensive des BVB, wo plötzlich
       eine Ballbehandlung und Lösungsansätze in engen Räumen sichtbar waren, die
       dem Spiel der Mannschaft von [3][Niko Kovač] in der vergangenen Saison
       fehlten. Was jedoch folgte, war ein Schock.
       
       ## Schock für Konstatelias
       
       In der 52. Minute sank Konstantelias nach einem Zweikampf mit Bakery Jatta
       auf den Rasen, hielt sich zuerst sein Knie und dann die Hände vors Gesicht.
       Einer der beiden Hoffnungsträger hatte sich verletzt. Erste Tests wiesen
       direkt auf einen Kreuzbandriss hin. „Das trübt die Stimmung natürlich sehr,
       ich befürchte Schlimmeres“, sagte Sportdirektor Nils Book.
       
       Dass die offenkundig von dieser Verletzung berührten Dortmunder nun nicht
       mehr so leichtfüßig und freudvoll spielten und nach einer Roten Karte für
       Samuele Inacio auch für diesen Sieg kämpfen mussten, ist leicht
       nachvollziehbar. Eine der gerade geschlossenen Lücken öffnete sich also
       doch wieder, wobei die Grundzuversicht auch weiterhin vorhanden ist.
       
       Denn zumindest der starke Karetsas kann in den kommenden Wochen spielen,
       wovon auch andere profitieren dürften. Jobe Bellingham, der im
       Franz-Beckenbauer-Supercup gegen die Bayern eine Woche zuvor noch
       überfordert wirkte, konnte gegen diesen weniger starken Gegner die Angebote
       des Offensivkollegen annehmen, was die Gefahr von Ballverlusten deutlich
       senkt. Stark war sein Pass, der das 1:0 einleitete. „Das ist das, was wir
       wollen“, sagte Kovač, für den dieser Fortschritt „relativ einfach zu
       erklären“ ist: „Spektakel steht und fällt immer mit deinen Spielern.“
       
       ## Wuchtig und filigran
       
       Im Idealfall entsteht eine neue Mischung der Fähigkeiten: die Wucht von
       Bellingham, Maximilian Beier oder Serhou Guirassy gewinnt in Kombination
       mit dem filigranen Spiel von Karetsas und irgendwann wohl auch wieder
       Konstantelias eine neue Qualität. Der neue Innenverteidiger Joane Gadou
       (zuvor RB Salzburg) ist ebenfalls ein Gewinn. Und mit dem für 22 Millionen
       Euro aus Eindhoven erworbenen Joey Veeman haben die Dortmunder ja noch
       einen bislang kaum in Erscheinung getretenen Neuzugang in der Hinterhand,
       der ebenfalls eher spielerische und technische Fähigkeiten einbringt.
       
       Und dennoch ist dieser BVB, der in der Halbzeit sehr bereit war für die
       nächsten Schritte seiner Bundesligageschichte, ziemlich beschädigt aus
       diesem ersten Spieltag hervorgegangen. Mit drei Punkten und den neuen
       Bildern vom ersten Bundesligator zwar, aber eben auch mit der Verletzung
       von Konstantelias und einer anstehenden Sperre von Inacio.
       
       30 Aug 2026
       
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