# taz.de -- Alexandra Popp vor dem Pokalfinale: Abschied mit Tränengarantie
> Ausnahmefußballerin Alexandra Popp bestreitet beim DFB-Pokalfinale gegen
> den FC Bayern ihr letztes Spiel für Wolfsburg. Sie träumt vom Happy End.
(IMG) Bild: Mit größtem Einsatz: Alexandra Popp, wie man sie überall kennt
Eines weiß Alexandra Popp schon jetzt. Unabhängig davon, wie ihr letztes
DFB-Pokalfinale mit dem VfL Wolfsburg ausgehen wird: „Egal, ob positiv oder
negativ: Tränen werden definitiv fließen. Da bin ich zu 100 Prozent
überzeugt.“ [1][Deutschlands populärste Fußballeri]n ist die Hauptfigur,
wenn vor stimmungsvoller Kulisse in Köln das „Traumfinale“ (Popp) mit dem
FC Bayern ansteht (Donnerstag 16 Uhr/ZDF und Sky). Die Konstellation mit
ihrem Comeback klingt filmreif. Und wenn sie nur einen Blick in dieses
Stadion werfe, „habe ich ein Grinsen im Gesicht“, sagte die 35-Jährige
kürzlich. Weil sie bereits 13-mal eine Trophäe in den Händen hielt, die sie
liebevoll ihr „Baby“ nennt.
Die immer noch „Poppi“ gerufene Ikone dient zugleich als Zeitzeugin dafür,
wie sich dieses familienfreundliche Event entwickelt hat. Ihren ersten
Pokalerfolg errang sie 2009 mit dem FCR Duisburg, als die Frauen noch das
Vorspiel für die Männer in Berlin austrugen. 2010 erfolgte der Umzug nach
Köln mit der eigenständigen Austragung – und wieder jubelte die
Draufgängerin aus dem Ruhrpott, die sich mit ihrem Wechsel nach Wolfsburg
von 2015 bis 2024 zur Seriensiegerin krönte. „Ampel runter“ hieß es oft auf
der Rückfahrt im Mannschaftsbus, wenn die Wolfsburgerinnen mal wieder bei
einem Halt singend und tanzend auf einer Kölner Straßenkreuzung
herumsprangen.
Dieses „coole, befreiende Gefühl“ würde die Leitwölfin nach 11 Pokalsiegen,
7 Meisterschaften und 2 Champions-League-Triumphen mit dem VfL gerne noch
einmal auskosten. „Es würde mir extrem viel bedeuten, den Pokal noch mal
nach Wolfsburg zu holen. Das wäre ein schöner und runder Abschluss.“ Zu
jeder Auflage kann sie auf Knopfdruck die Geschichte erzählen. „Es war
schon alles dabei“, weiß eine durchaus auch streitbare Figur, die 2017
gegen den SC Sand mal vom Platz flog, weil sie der Schiedsrichterin den
Vogel zeigte.
Trotzdem reichte es selbst damals dafür, wieder mit Sektflasche ins
Ermüdungsbecken zu hüpfen – zuletzt übrigens auch vor zwei Jahren gegen die
Bayern, als sich Popp im Vorlauf [2][vehement gegen den Begriff der
Wachablösung gewehrt hatte]. Heute ist das Realität.
## Das Leben auf dem Platz lassen
Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor einem Monat zum Finaltalk in die
Domstadt bat, schickten die Bayern ihre dritte Torhüterin Anna Klink – die
Niedersachsen ihre scheidende Torjägerin. Nur weitete sich ihr
Endspieleinzug an Ostern zum persönlichen Drama aus, weil die an der Wade
verletzte VfL-Anführerin beim Halbfinalkrimi gegen Absteiger Carl Zeiss
Jena nicht mitwirken konnte. Mit der Tochter von Almuth Schult auf dem Arm
verfolgte sie das Elfmeterschießen. „Ich war froh, dass ich die Kleine auf
dem Arm hatte, weil ich innerlich explodiert bin.“ Tränen schossen ihr
danach in die Augen, „weil das für mich extrem viel bedeutet“.
Die Reha nach der langwierigen Muskelverletzung war auf den Termin an
Christi Himmelfahrt ausgerichtet. Zuletzt beim SC Freiburg (4:2) stand Popp
erstmals wieder im Kader. „Wenn wir noch ein Tor gebraucht hätten, wäre es
eine Option gewesen, sie zu bringen“, verriet Wolfsburgs Trainer Stephan
Lerch, der Popps Einsatz in der Startelf genau abwägen muss. Die
Münchnerinnen gehen als haushoher Favorit in den Klassiker, sind auf
nationaler Ebene in dieser Saison ungeschlagen.
Wie ist der nach dem erneuten Double strebenden Übermacht überhaupt
beizukommen? „Wir müssen gefühlt unser Leben auf dem Platz lassen“,
forderte die Anführerin, die im eigenen Team vor allem die Konstanz
vermisste. Aber ehrlicherweise mangelte es auch an Qualität. Ihre
offizielle Verabschiedung nach 14 Jahren erfolgt im letzten
Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Sonntag 14 Uhr). Dafür
geht’s extra in die große Arena des Männer-Bundesligisten.
Für den Werksklub war Popp eine Vorzeigespielerin. Wobei sie nach eigenem
Bekunden „Zeit brauchte, um in die Rolle hineinzuwachsen: Ich war auch
nicht sofort das Mentalitätsmonster“. Parallel entwickelte sie eine für den
Profifußball ungewöhnliche Meinungsfreude. Die menschliche Lücke ist zum
Ende der Karriere beim Abschied aus Wolfsburg größer als die sportliche
Leerstelle, wenn die leider häufig verletzte Leistungsträgerin [3][bei
Borussia Dortmund ein neues Kapitel aufschlägt.] Stand jetzt droht mit
ihrem Herzensverein aus Kindheitstagen eine Ehrenrunde in der Regionalliga
West. Doch selbst eine Tingeltour über Amateursportplätze schmälert nicht
ihre Vorfreude auf die schwarz-gelbe Mission in der Heimatregion. Sie
wollte die Chance, noch einmal für den BVB zu spielen, partout nicht
verpassen.
12 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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