# taz.de -- Streit um Königsnachfolge in Uganda: Neun Kaffeebohnen und ein verschwundener Palastschlüssel
       
       > Ganz Uganda trauert um seinen jüngsten König, der im Alter von 34 Jahren
       > an Krebs verstarb. Der erbitterte Streit um die Nachfolge ist in vollem
       > Gange.
       
 (IMG) Bild: Bei der Beerdigung des Königs Oyo – der Nachfolgestreit wurde hitzig
       
       Als er im Alter von drei Jahren die Thronfolge seines verstorbenen Vaters
       antrat, galt er als der jüngste König der Welt: Omukama Oyo Nyimba Kabamba
       Iguru Rukidi IV. – bekannt als King Oyo.
       
       Das Tooro-Königreich liegt am Fuße der schneebedeckten Mondberge im Westen
       Ugandas. Oyo war gerade einmal drei Jahre alt, als sein Vater 1995
       plötzlich verstarb. Bis er 18 Jahre alt war wurden die Geschäfte von seiner
       Mutter geführt. Als er 2010 volljährig wurde, kamen die Könige aus ganz
       Afrika in die Mondberge gereist, um der Zeremonie beizuwohnen. In Uganda
       wurde er vor allem unter jungen Leuten als Idol gefeiert.
       
       2019 wurde er als einer der „einflussreichsten Afrikaner“ nominiert. Er war
       das Symbol dafür, das Afrikas Königtümer, die nur noch kulturelle
       Funktionen haben, nicht aus der Mode gekommen sind. Oyo setzte sich für
       Bildung, Jobs und Gesundheitsaufklärung der jungen Leute ein.
       
       „Dies ist ein unglaublicher Verlust für die Königsfamilie, für die Menschen
       in Tooro und die ugandische Nation“, sagte der Premier des
       Tooro-Königreiches Ende August. Gründe für seinen plötzlichen Tod wurden
       nicht genannt. Bereits seit Juli zirkulierten Gerüchte, der 34-Jährige sei
       krank und in die USA geflogen. Seine Schwester, Prinzessin Ruth Komuntale,
       erklärte später auf X, Oyo sei in ugandischen Kliniken länger als ein Jahr
       falsch diagnostiziert, der Krebs zu spät erkannt worden. Sie macht dafür
       das marode Gesundheitssystem verantwortlich. Neun Tage dauert die
       Trauerzeit. In dieser Zeit darf im ganzen Königreich niemand Sex haben. Zur
       Beerdigung reisten vergangenes Wochenende Tausende nach Fort Portal. Dort,
       im Garten des Königspalastes, werden die Könige beerdigt.
       
       ## Welche Rolle spielt Oyos Mutter?
       
       Die Ältesten des Babiito-Clans, dem der König angehörte, sind für die
       Einhaltung der Riten zuständig, sie bestimmen auch den Nachfolger. Dieser
       muss neun Kaffeebohnen in das Grab als Beilage legen – um spirituell die
       Nachfolge anzutreten. Doch der Nachfolgestreit wurde hitzig. Der Grund: Der
       Ältestenrat ernannte Kronprinz Edward Rukidi Nyabongo zum Nachfolger, einen
       Cousin zweiten Grades von Oyo. Er ist ein berühmter TV-Moderator in Ugandas
       staatlichem Fernsehsender.
       
       Oyos Mutter und Schwester erklärten auf X, König Oyo habe ein Testament
       hinterlassen – und einen unehelichen Sohn, der laut Letztem Willen die
       Nachfolge antreten solle. Die Babiito-Ältesten lehnten dies ab und
       beharrten darauf, sie hätten das Recht, über die Nachfolge zu entscheiden.
       Oyo sei nicht verheiratet gewesen, ein uneheliches Kind käme als König
       nicht infrage.
       
       Als dann der Sarg vom Palast abgeholt werden sollte, verweigerte Oyos
       Mutter, Best Kemigisa, seine Herausgabe. Sie beharrte darauf, sie sei
       diejenige, die die neun Kaffeebohnen in das Grab legen müsse, da sie nun
       bis zum 18. Lebensjahr von Oyos Sohn die Geschäfte erneut leiten werde. Es
       kam zu dramatischen Szenen. Kurzerhand schickte Ugandas Armee
       Spezialeinheiten zum Palast, um die Königsmutter unter „Hausarrest“ zu
       stellen. Der Leichnam wurde beigesetzt, Kronprinz Edward legte die
       Kaffeebohnen hinein und wurde am Dienstag offiziell zum König ernannt. In
       zwei Wochen soll die Krönungsfeier stattfinden.
       
       Oyos Mutter schaltete [1][Ugandas Präsidenten Yoweri Museveni] ein, dieser
       übergab die Affäre der Staatsanwaltschaft. Sie entschied: Der Letzte Wille
       des Königs muss respektiert werden. Justizminister Norbert Mao soll nun den
       Streit schlichten. Er sagte klar, es gebe Gesetze, „die befolgt werden
       müssen“. Ob der Fall letztlich vor Gericht landet oder intern durch
       Vermittlungen beigelegt wird, ist noch offen. Über den Verbleib der
       Königsmutter wird gerätselt. Der Ältestenrat erklärte, die Schlüssel für
       den Königspalast seien verschwunden – niemand könne hinein, auch der
       Thronfolger nicht. Stella Nyanzi, eine ugandische Dichterin, die in
       Deutschland lebt, fragt nun auf Facebook, ob man denn jetzt wieder Sex
       haben dürfe oder nicht.
       
       19 Sep 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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