# taz.de -- Sturzflut in Nepal: Zahl der Toten steigt auf über 540
> Nach den verheerenden Sturzfluten in Nepal laufen die Such- und
> Bergungsarbeiten weiter. Und die Sorge vor neuen Überschwemmungen wächst.
(IMG) Bild: Sturzflut im Himalaya: Warnungen vor neuen Überschwemmungen wurden ausgesprochen
Graue Schlammlandschaften, zerstörte Häuser und menschliches Leid: Entlang
des Bhotekoshi-Flusses hat die Flut eine Schneise der Verwüstung
hinterlassen. Ein Gletscherabbruch im chinesisch-nepalesischen Grenzgebiet
hatte am Mittwoch eine der schwersten Katastrophen ausgelöst, die Nepal in
den vergangenen Jahren erlebt hat. Eine Flutwelle raste durch den Bezirk
Rasuwa, riss Menschen, Fahrzeuge und Gebäude mit sich und trieb eine
Wasser- und Trümmerwand flussabwärts.
Durch die zerstörten Straßen und Brücken wurde auch die wichtige
Handelsroute zwischen China und Nepal unterbrochen. Über das Bhotekoshi-
und Trishuli-Flusssystem erreichten die Wassermassen auch weit flussabwärts
gelegene Regionen. Suchteams durchkämmten unterdessen Flussufer und
flussabwärts gelegene Siedlungen.
## Mindestens 546 Tote, mehr als 1.400 Vermisste
Leichen werden inzwischen auch weit entfernt vom ursprünglichen
Hochwassergebiet geborgen. Laut Angaben der nepalesischen Polizei [1][stieg
die Zahl der Toten] am Freitag auf 546, während 1.465 Menschen gerettet
werden konnten. Laut AFP gelten mehr als 1.400 Menschen als vermisst,
darunter Hunderte ausländische Staatsangehörige. Das Auswärtige Amt sprach
am Freitag von einer „niedrigen zweistelligen Zahl“ vermisster Deutscher,
vier wurden gerettet.
Unter den Überlebenden ist die Familie der 26-jährigen Nepalesin Resma
Karki. „Meine Eltern, meine Tante und andere Verwandte waren zur Wahlfahrt
auf dem Weg zum Gosaikunda-See. Nach der Flut verloren wir den Kontakt zu
ihnen“, sagt sie. Nach einem Tag gelang es der Familie, wieder miteinander
in Kontakt zu kommen. Die Straßen waren jedoch beschädigt, sodass ihre
Rückreise nur über einen Umweg möglich war.
## Warnung vor neuen Überschwemmungen
Die Rettungsarbeiten müssten am Freitag in der Region um den Fluss Trishuli
unterbrochen werden. Die Bevölkerung wurde evakuiert, nachdem Warnungen vor
steigenden Wasserständen und neuen Überschwemmungen ausgesprochen wurden.
[2][Peking] hatte zuvor gewarnt, dass ein neu entstandener See nahe der
Grenze zu Tibet seine natürliche Barriere durchbrechen könnte.
In den kommenden drei Tagen könnten nach chinesischen Angaben weitere drei
Millionen Kubikmeter Wasser in den See fließen. Die Sorge gilt vor allem
den flussabwärts gelegenen Gemeinden, die bereits von der ersten Flut
schwer getroffen wurden.
## Auch in Tibet Tote und Vermisste
Ein Erdbeben der Stärke 5,1 in der chinesischen Provinz [3][Sichuan] führte
am Freitag in Nepal zu einer Hochwasserwarnung. Die Polizei forderte
Rettungskräfte und Anwohner auf, sich von Flussufern und gefährdeten
Gebieten fernzuhalten. Aus Tibet wurden nach chinesischen Angaben
inzwischen fünf Tote und an die 550 Vermisste gemeldet. Am Freitag berief
Chinas [4][Staatschef Xi Jinping] laut der staatlichen Nachrichtenagentur
Xinhua eine Sitzung der Parteiführung ein, um über Rettungs- und
Hilfsmaßnahmen nach der Sturzflut im Distrikt Gyirong zu beraten.
Nach Einschätzung des [5][Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ)] löste
höchstwahrscheinlich der Abbruch eines großen Gletschers samt
darunterliegendem Fels an der Nordflanke des Langtang-Massivs die
Katastrophe aus. Beim Absturz der Eis- und Gesteinsmassen sei so viel
Energie freigesetzt worden, dass weltweit seismische Signale registriert
wurden.
## Klimawandel als Verstärker
„Es handelt sich um Naturereignisse, die im Himalaya mehrmals im Jahr
auftreten. Frühwarnsysteme auf der Grundlage seismischer Signale sind
jedoch möglich“, so Prof. Dr. Niels Hovius, Leiter der Sektion
Geomorphologie am GFZ.
Hovius warnt gegenüber der taz davor, dass neben den bereits bekannten Seen
grundsätzlich auch aus anderen Teilen des oberhalb gelegenen Einzugsgebiets
Sturzfluten entstehen können. Das bedeute nicht, dass ein solches Ereignis
unmittelbar bevorstehe. Vielmehr gebe es dort Bereiche, die derzeit nicht
überwacht würden und damit eine grundsätzliche Restunsicherheit bei der
Frühwarnung bleibe.
Wissenschaftler:innen verweisen darauf, dass der Klimawandel die
Risiken solcher Ereignisse verstärkt. Gletscher und Permafrost im Himalaya
schmelzen infolge steigender Temperaturen schneller. „Die Flutkatastrophe
trifft die Menschen mitten in der Erntezeit. Viele Familien haben
Angehörige verloren und zusätzlich auch ihre Felder und Ernten. Das Risiko
einer schweren Ernährungskrise wächst von Tag zu Tag“, warnt Jan Sebastian
Friedrich-Rust, Geschäftsführer der Berliner Aktion gegen den Hunger.
## Internationale Hilfe für Nepal angelaufen
Nepal erreichte humanitäre Hilfe und Finanzmittel aus dem Ausland. Indien
schickte Hilfsgüter, die USA, China und die Weltbank sagten neben NGOs
Unterstützung zu. Angebote mehrerer Länder zur Entsendung von Such- und
Rettungsteams [6][lehnte] Nepal allerdings ab, da man aus der Erfahrung des
schweren Erdbebens im Jahr 2015 gelernt habe. Damals kam es zu erheblichen
Koordinationsproblemen.
In Nepal hat die Katastrophe die Forderung nach einer engeren
Zusammenarbeit mit China beim Schutz vor Gletscherseeausbrüchen verstärkt.
[7][Parteien] forderten einen gemeinsamen Mechanismus zur Bewertung der
Risiken sowie ein grenzüberschreitendes Frühwarnsystem mit Echtzeitdaten
über Flüsse.
In den angrenzenden Regionen [8][Indiens] wächst die Sorge vor
grenzüberschreitenden Fluten. Neben dem Balanceakt zwischen China und
Indien dürfte der Umgang mit der Katastrophe zur großen Bewährungsprobe für
Balendra Shahs noch junge Regierung werden.
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-Sturzflut-in-Nepal-und-Tibet/!6207910
(DIR) [2] https://kathmandupost.com/national/2026/08/27/new-barrier-lake-in-nepal-raises-fresh-flood-threat-china-warns
(DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/world/china/5-1-magnitude-earthquake-strikes-china-s-sichuan-province/articleshow/133584450.cms
(DIR) [4] https://www.indiatoday.in/world/story/tibet-nepal-flash-floods-xi-jinping-reviews-rescue-as-barrier-lake-risk-grows-ptag-2981786-2026-08-28
(DIR) [5] https://www.gfz.de/presse/meldungen/detailansicht/extreme-sturzflut-in-china-und-nepal
(DIR) [6] https://www.indiatoday.in/world/story/nepal-floods-why-kathmandu-declined-india-china-us-uk-bangladesh-rescue-offers-aid-2981700-2026-08-28
(DIR) [7] https://kathmandupost.com/national/2026/08/27/parties-call-for-joint-nepal-china-study-of-glacial-lake-risks
(DIR) [8] https://www.ndtv.com/world-news/nepal-flash-floods-nepal-and-india-share-narayani-gandak-river-and-flood-risk-that-comes-with-it-11965031
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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