# taz.de -- Himalaja-Flutkatastrophe: Die Spur der Verwüstung
       
       > Nach einem Gletscherbruch in Nepals Grenzregion zu Tibet sind bei
       > Sturzfluten über 350 Menschen gestorben, Hunderte werden vermisst.
       > Rettungsarbeiten dauern an.
       
 (IMG) Bild: Überlebende warten darauf, dass die Straßen zu ihren Häusern nach den verheerenden Überschwemmungen in Trishuli wieder passierbar werden
       
       „Wir haben gesehen, wie Menschen direkt vor unseren Augen von den Fluten
       mitgerissen wurden“, sagt Abhay Khanal. Es sei alles so schnell geschehen,
       dass kaum Zeit zum Reagieren blieb. „Wer konnte, rettete sich in höher
       gelegene Gebiete.“ Der 34-jährige Trekkingguide hatte gerade eine
       Reisegruppe durch Nepal geführt und befand sich im Grenzdorf Timure, als am
       Mittwochmorgen eine [1][gewaltige Flutwelle] durch den nordnepalesischen
       Distrikt Rasuwa raste.
       
       Während Khanal und seine Gruppe unverletzt blieben, ist die Zahl der in
       Nepal bestätigten [2][Todesopfer] am Donnerstagnachmittag bis
       Redaktionsschluss auf über 350 gestiegen. Aus Tibet wurden drei Tote
       gemeldet. Auf beiden Seiten der Grenze werden mehr als 1.000 Menschen
       vermisst, darunter mindestens 650 ausländische Staatsangehörige in Nepal.
       Unter ihnen sollen acht Deutsche sein.
       
       Nach ersten Erkenntnissen wurde die Flutwelle durch einen Gletscherabbruch
       ausgelöst – vom Nordhang des Langtang Lirung, dem mit gut 7.200 Metern
       höchsten Gipfel der nepalesischen Region Langtang. Bei dem mehr als 1.000
       Meter tiefen Abrutschen ließ die Energie das Eis fast augenblicklich
       schmelzen. Durch die Erschütterung beim Aufprall verzeichnete das
       Erdbebennetzwerk des „GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung“ in Potsdam
       ein Erdbeben der Stärke 5,7.
       
       Die Sturzfluten breiteten sich Richtung Tibet den Fluss Bhotekoshi entlang
       stromabwärts aus. Besonders schwer getroffen wurden Timure, Rasuwagadhi und
       Syabrubesi. Besonders viele Tote wurden im weiter flussabwärts gelegenen
       Chitwan geborgen. Häuser, Geschäfte, Straßen, Brücken und Fahrzeuge wurden
       mitgerissen, Wasserkraftwerke beschädigt.
       
       ## Schwerst betroffene Gemeinden seien weiterhin isoliert
       
       Khanals Gruppe gehörte zu den zahlreichen Reisenden, die sich zum Zeitpunkt
       der Flut in der abgelegenen Bergregion aufhielten. Dass so viele Menschen
       vor Ort waren, sei kein Zufall. „Es ist Kailash-Mansarovar-Pilgersaison“,
       erklärt er der taz.
       
       Timure ist ein wichtiger Grenzort zu Tibet und wurde erst kürzlich wieder
       für indische Staatsbürger geöffnet. Viele Reisende übernachten vor Ort.
       Tausende Pilger:innen aus Nepal und Indien waren wegen Feierlichkeiten
       eines hinduistischen Fests zudem trotz risikoreicher Monsunzeit auf dem Weg
       zum Gosaikunda-See im selben Distrikt.
       
       Zunächst konnten Hilfskräfte nur schwer Kontakt herstellen, sagt Sagar
       Shrestha vom Roten Kreuz. Internet- und Telefonverbindungen waren in den
       betroffenen Gebieten noch nicht wiederhergestellt. Das Rote Kreuz begann
       unterdessen, Trinkwasser, Lebensmittel und Hilfsgüter zu verteilen. Einige
       der am schwersten betroffenen Gemeinden seien weiterhin isoliert und nur
       schwer zu erreichen.
       
       „Die Sturzflut hat den betroffenen Familien ihr Zuhause, ihren Besitz und
       ihre Lebensgrundlage genommen“, sagt Mona Sherpa, Landesdirektorin von CARE
       Nepal. Nach ersten Schätzungen benötigen rund 10.000 Haushalte Soforthilfe,
       darunter indigene Gemeinschaften. Sherpa warnt nun vor Krankheiten, die
       sich über verunreinigtes Wasser ausbreiten könnten.
       
       Nepals Premierminister Balendra Shah rief am Unglückstag eine
       Dringlichkeitssitzung ein und versprach: „Die Regierung übernimmt die volle
       Verantwortung für Ihre Rettung, Behandlung, Nahrung und Unterkunft.“ Die
       Distrikte Rasuwa, Nuwakot und Dhading wurden für drei Monate zu
       Krisenregionen erklärt. Mehr als 5.000 Soldaten und Polizisten sind im
       Einsatz. Der Schwerpunkt liege weiterhin auf der Suche nach Überlebenden,
       hieß es aus dem Innenministerium.
       
       International wächst die Hilfsbereitschaft. Indien entsandte 40 Tonnen
       humanitäre Güter und Medikamente. UN-Generalsekretär António Guterres
       erklärte, die Vereinten Nationen würden Hilfsgüter und Personal zur
       Unterstützung der nepalesischen Behörden mobilisieren. Die USA, China und
       die Weltbank sagten ebenfalls Finanzhilfen zu, mehrere Hilfsorganisationen
       meldeten, die Region mit Spendengeldern unterstützen zu wollen.
       Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und
       Rettungskräften auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz
       (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung.
       Mitarbeit: Mamita Bhandari
       
       27 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sturzflut-in-Tibet-und-Nepal/!6207765
 (DIR) [2] /Katastrophe-im-Himalaya/!6207563
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nepal
 (DIR) Himalaya
 (DIR) Flut
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Gletscher
 (DIR) GNS
 (DIR) Nepal
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sturzflut in Tibet und Nepal: Eine Flutwelle so hoch wie ein siebenstöckiges Haus
       
       Wie kam es zur gigantischen Sturzflut im Himalaja? Drohen weitere
       Flutwellen? Was zeigen Videos? Und was hat das alles mit dem Klimawandel zu
       tun? Antworten auf die wichtigsten Fragen.