# taz.de -- Besetzter Hörsaal an der Uni Göttingen: „Autonomicum“ zieht nach draußen
       
       > Hörsaal-Besetzer:innen in Göttingen beenden ihre Aktion vorläufig. Der
       > Uni-Leitung werfen sie vor, vor rechten Kräften eingeknickt zu sein.
       
 (IMG) Bild: Viel schöner als ein miefiger Hörsaal: Platz der Göttinger Sieben auf dem Campus, wo die Abschlusskundgebung stattfinden soll
       
       Knapp drei Monate nach dem Beginn der Besetzung eines Hörsaals an der
       Universität Göttingen haben Studierende ein vorläufiges Ende der Aktion
       angekündigt. An diesem Dienstag werde das von den Besetzer:innen und
       ihren Unterstützer:innen so genannte „Autonomicum“ kurzzeitig auf den
       Platz der Göttinger Sieben auf dem Zentralcampus der Hochschule verlegt,
       kündigten die Aktivist:innen an. Dort soll um 12 Uhr eine
       „Abschlussveranstaltung“ der Besetzung stattfinden.
       
       Diese war [1][am Morgen des 8. Juni angelaufen]. Die Studierenden wollten
       damit gegen die Schließung des ursprünglichen „Autonomicums“, eines
       selbstverwalteten Raums auf dem Campus, protestieren und einen Ersatzraum
       erzwingen. Die Universitätsleitung hatte den seit über 20 Jahren als linken
       Treff, Lern- und Chill-Ort genutzten Raum im vergangenen November wegen
       angeblichen Schädlingsbefalls geschlossen.
       
       Davor gab es bereits Konflikte, da die Hochschule Miete und Nebenkosten von
       den Studierenden forderte, was diese als unvereinbar mit ihrem Grundsatz
       der studentischen Selbstverwaltung ablehnten. Während der Besetzung nutzten
       die Protestierenden den okkupierten Hörsaal 101 als Treffpunkt für Plena,
       Workshops und zum gemeinsamen Lernen. Sie richteten dort auch ein Café ein
       und schufen Möglichkeiten zum Übernachten.
       
       „Ab dem 1. September macht das ‚Autonomicum‘ zunächst Pause von der
       Universität“, sagt Merline, eine der Besetzerinnen. Die Studierenden würden
       den Hörsaal wieder freigeben. Damit verliere der Campus vorübergehend einen
       offenen, selbstverwalteten Ort der Begegnung und politischen Partizipation.
       „Aber keine Sorge, im neuen Semester kommen wir wieder“, betont die
       Aktivistin.
       
       ## Uni hat Ultimatum gestellt
       
       Nach Darstellung der Universität geht die Besetzungsaktion infolge eines
       Ultimatums zu Ende. Die Hochschule habe ihre Duldung der Besetzung beendet,
       nachdem die Besetzer:innen ein Vertragsangebot zur Nutzung eines
       autonomen Raumes abgelehnt hätten.
       
       „Die Universität ist bereit, weiter über die Bereitstellung eines solchen
       Raumes zu verhandeln, wird aber weiterhin darauf bestehen, dass hierdurch
       keine rechtsfreien Räume geschaffen werden“, sagte Uni-Sprecher Romas
       Bielke am Wochenende zur taz. „Trotz großer Kompromissbereitschaft der
       Universität und der Unterstützung durch den Asta konnte keine Einigung
       erzielt werden.“ Die Besetzer:innen seien aufgefordert worden, den
       Hörsaal bis zum 31. August um 17 Uhr zu verlassen. Woran eine Einigung
       gescheitert ist, ließ Bielke offen.
       
       Die Studierenden aus dem besetzten Hörsaal sehen die Sache völlig anders.
       In ihrer Erklärung werfen sie der Hochschulleitung „fehlende
       Kompromissbereitschaft, falsche Zusagen und ein Einknicken gegenüber
       rechten Akteur:innen“ vor. In einem ersten Verhandlungsgespräch habe
       Universitätspräsident Axel Schölmerich, der die Hochschule [2][seit dem
       März 2025 kommissarisch leitet], zwei Möglichkeiten für die Zukunft des
       „Autonomicums“ angeboten: Eine Öffnung des Raumes unter elektronischer
       Erfassung der Nutzerdaten oder eine Eingliederung in den Allgemeinen
       Studierendenausschuss (Asta) mit einem Untermietvertrag für das
       „Autonomicum“.
       
       Die Studierenden hätten sich für die zweite Option entschieden und einen
       mit dem AStA abgestimmten Vertragsentwurf vorgelegt. Doch daran habe die
       Universität „grundlegende Änderungen“ verlangt: Unter anderem hätten
       Veranstaltungen ab 30 Personen bereits sechs Wochen im Voraus angemeldet
       werden sollen. Kurz vor einer möglichen Einigung habe die Universität dann
       mündlich mitgeteilt, dass entgegen den bisherigen Absprachen doch eine
       elektronische Erfassung der Nutzenden eingeführt werden solle.
       
       „Ein politischer Freiraum ist nur ohne Überwachung der Nutzenden möglich“,
       betont Merline. „Wir lassen nicht zu, dass die Uni die Überwachung der
       Studierenden zum neuen Standard macht!“
       
       Die nach ihrer Einschätzung harte Linie der Uni sehen die Leute aus dem
       „Autonomicum“ auch im „Druck durch rechte Presse“ und parlamentarische
       Anfragen im niedersächsischen Landtag begründet. In den Gesprächen mit der
       Universität sei deutlich geworden, „dass die Hochschulleitung Anfragen der
       rechten Presse sowie der AfD im Niedersächsischen Landtag als politischen
       Druck wahrnehme und sich offenbar verpflichtet sehe, deren indirekten
       Forderungen entgegenzukommen“.
       
       Uni-Sprecher Bielke widerspricht „aufs Schärfste“. „Weder hat es solche
       Versuche der Beeinflussung gegeben, noch würde die Universität Göttingen
       diesen in irgendeiner Form nachkommen.“ Eine schriftliche Anfrage der AfD
       im Landtag zu den Göttinger Vorgängen hat es nach taz-Informationen nicht
       gegeben.
       
       30 Aug 2026
       
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