# taz.de -- Nach Sturzflut in Nepal und Tibet: Überflutungsrisiko behindert Rettungseinsätze
> Zwei Tage nach der Sturzflut im Himalaja ist die Zahl der Toten in
> Nepal nach Angaben der Behörden auf mehr als 500 gestiegen. Neue
> Überschwemmungen drohen.
(IMG) Bild: Feuerwehrleute bei einer Rettungsaktion nach einem Erdrutsch in Tibet
afp | Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaja ist die Zahl der
Todesopfer in Nepal auf 538 gestiegen. Dies teilte die nationale
Katastrophenschutzbehörde am Freitag mit. Gleichzeitig gab es Fortschritte
bei den Rettungsarbeiten: Insgesamt 117 ausländische Touristen konnten in
Sicherheit gebracht werden, wie aus Kreisen des Tourismusministeriums
verlautete. Unter den Geretteten sind demnach 85 Inder, 16 Chinesen, neun
Südkoreaner sowie jeweils zwei Staatsbürger aus Italien und den USA. Nach
Angaben des Auswärtigen Amts wird eine [1][niedrige zweistellige Zahl
deutscher Staatsangehöriger vermisst.]
Ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, beginne
über die Ufer zu treten, berichtete der chinesische Staatssender CCTV.
Daher seien alle Rettungsteams inmitten des Katastrophengebiets in der
autonomen Region Tibet angewiesen worden, sich einen Kilometer weit
zurückzuziehen und auf weitere Anweisungen zu warten.
In der Nacht war in China bereits gewarnt worden, es bestehe ein „hohes
Risiko“ für erneute Überflutungen. Ein See, der sich durch die Sturzflut
hinter einem Wall aus Schlamm und Geröll gebildet habe, könne angesichts
anhaltenden Regens in den kommenden drei Tagen auf ein Volumen von rund
drei Millionen Kubikmeter anwachsen, meldete die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das chinesische
Wasserministerium.
Wenn der See über seine Ufer trete, könnten die Wassermassen im
Katastrophengebiet weitere Schäden anrichten, hieß es. Dies betreffe auch
den chinesisch-nepalesischen Grenzübergang Gyirong und andere Gebiete
stromabwärts.
Auch das Flutwarnzentrum in Kathmandu veröffentlichte eine Warnung, dass
[2][hinter dem Geröll] der Sturzflut ein See anwachse. Es rief zu äußerster
Vorsicht auf.
Die nepalesische Polizei erklärte, es gebe mindestens 469 Tote. Jenseits
der Grenze wurden laut chinesischen Staatsmedien in der autonomen Region
Tibet bislang drei Todesopfer bestätigt. Am Donnerstag hatten die
nepalesischen Behörden von nahezu 400 Todesopfern und mehr als 1.400
Vermissten gesprochen. Unter ihnen waren zahlreiche Ausländer – sowohl
Touristen als auch hinduistische Pilger.
Zu den Vermissten zählen nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde
auch mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt hatte am Donnerstag
erklärt, die deutschen Stellen vor Ort seien noch dabei, „belastbare
Informationen zum Verbleib deutscher Staatsangehöriger“ zu sammeln.
Die nepalesische Armee bemühte sich am Freitag um die Rettung von etwa 100
Menschen, die in einem Tunnel einer Stausee-Baustelle festsaßen. Der
Einsatz mit zwei Hubschraubern an der Baustelle am Fluss Trishuli sei
schwierig, weil sich selbst die Ortung der Zugangswege in den Tunnel
schwierig gestalte, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet der
Nachrichtenagentur AFP.
Das Büro des nepalesischen Regierungschefs erklärte, ein Armee-Team habe
unter schwierigsten Bedingungen und großem Risiko bislang 350 Arbeiter und
Bewohner gerettet, die in dem Tunnel festsaßen.
Eine riesige Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll war am Mittwoch fast
170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Nepal gerast und hatte ganze
Ortschaften mitgerissen. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS
offenbar ein Gletscherabbruch. Auch die autonome Region Tibet im
Nachbarland China war von der Katastrophe betroffen.
Der chinesische Staatssender CCTV berichtete am Freitag, bislang seien 499
Einwohner sowie 555 Touristen, die in dem Katastrophengebiet festsaßen, in
Sicherheit gebracht worden. Zur Nationalität der Geretteten machte der
Sender keine Angaben. Bei der Suche nach Verschütteten kamen demnach
Drohnen, Wärmebildkameras und 3-D-Modelle zum Einsatz. Die Rettungskräfte
gruben jedoch auch mit den Händen nach Verschütteten.
Viele Menschen hoffen verzweifelt auf Nachricht von vermissten Angehörigen.
In einem provisorischen Krankenhaus in Nepal sagte Kula Priya, sie habe
[3][durch die Katastrophe] alles verloren und wisse auch nicht, wo ihr
ältester Sohn ist. „Wohlstand ist mir nicht wichtig. Ich will nur meinen
Sohn zurück“, sagte sie. „Wenn irgendjemand ihn für mich retten kann, bitte
tut das für mich.“
28 Aug 2026
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