# taz.de -- Tove-Ditlevsen-Inszenierung in Bremen: „Es war sehr schön, einmal ohne Männer zu arbeiten“
       
       > Anja Behrens lässt in ihrer Inszenierung von Tove Ditlevsens
       > „Kopenhagen-Trilogie“ drei Frauen die gleiche Rolle spielen. Auch Schrift
       > spielt mit.
       
 (IMG) Bild: Körper in der Schrift: Lisa Guth, Irene Kleinschmidt und Emma Floßmann als Tove Ditlevsen, Tove Ditlevsen und Tove Ditlevsen
       
       taz: Frau Behrens, wann war Ihnen klar, dass bei Ihrer Inszenierung der
       „Kopenhagen Trilogie“ Männer auf der Bühne nichts zu suchen hätten? 
       
       Anja Behrens: Für mich stand das nicht von vornherein fest. Es hat sich in
       der Zusammenarbeit mit Regula Schröter, der Dramaturgin, bei der
       Entwicklung des Stücks ergeben. Dabei wurde uns immer klarer: Es geht uns
       darum, uns mit dem Stück sozusagen in Tove Ditlevsen hineinzubegeben, die
       Autorin dieser drei Romane, in ihr Leben und in ihr Denken. Davon hätten
       die Männer abgelenkt, wenn sie als echte Personen aufgetreten wären.
       
       taz: In den Aufführungen, wo diese Entscheidung anders getroffen wurde,
       [1][ziehen die Gegenspieler auf der Bühne besonders viel Aufmerksamkeit auf
       sich]. Bei Ihnen fokussiert sich alles auf die Protagonistin, die von drei
       Akteurinnen gespielt wird … 
       
       Behrens: Die drei gehören ja unterschiedlichen
       Schauspielerinnengenerationen an – und konnten dadurch jede aus ihrer Sicht
       etwas einbringen, eigene Erfahrungen. Auch dafür war dieser gleichsam
       geschützte Raum ein Vorteil. Ich mache das nicht aus Prinzip, aber es war
       hier einfach auch sehr schön, einmal ohne Männer zu arbeiten.
       
       taz: Einen fulminanten Auftritt legt dagegen die Schrift hin, fast schon
       als eigenständige Person? 
       
       Behrens: Das wusste ich von Anfang an, dass das so sein musste. Ich habe
       Tove Ditlevsen ja durch ihre Gedichte kennengelernt: Als ich nach
       Kopenhagen gegangen bin, konnte ich noch nicht so gut Dänisch, und Lyrik in
       einer Fremdsprache, das fällt einem ja oft schwer. Ditlevsens Gedichte
       waren die ersten, zu denen ich auf Dänisch einen Zugang gefunden habe. Von
       denen habe ich mich angesprochen gefühlt, auch, weil ich den Eindruck
       hatte, dass dieses Schreiben einen körperlichen Aspekt hat, dass sie ihren
       Körper in das Schreiben legt.
       
       taz: Deshalb ist Schrift in Textfahnen so präsent und das Schreiben selbst
       wird zur markantesten Bühnenhandlung? 
       
       Behrens: Ja. Auch das hat sich natürlich im Zusammenspiel mit
       Bühnenbildnerin Laura Rasmussen konkretisiert. Es schien uns auch sehr gut
       zu der Zeit zu passen, in der Tove Ditlevsen ihre Romane geschrieben hat:
       Das war die Epoche, in der bei Happenings gerade Künstlerinnen ihren Körper
       selbst als Kunstwerk in Szene gesetzt haben, in der auch viel mit
       Körperabdrücken gearbeitet wurde …
       
       taz: … und bei Ihnen sind die halt in Druckerschwärze statt in Yves
       Klein-Blau. Das passt [2][zu Ditlevsens fragmentierender Poetik des
       Erinnerns] und drängt die lineare Logik der Prosa etwas zurück. 
       
       Behrens: Das Fragmentierende scheint mir wirklich wichtig für ihre Art zu
       schreiben. Aber ich sehe das nicht notwendig in Konkurrenz zum linearen
       Erzählen. Das Lineare ist ihr nicht fremd, bis zum Trivialen oder Banalen
       ist alles bei ihr vorhanden. Oft geht es ihr darum, einfach die Handlung
       voranzutreiben. Sie will sich davon nicht abheben. Und ich glaube, gerade
       das ermöglicht es vielen, bei ihr anzudocken. Ihre Leser*innen merken
       einfach: Das was in diesen Texten vor sich geht, hat mit ihnen zu tun, mit
       ihrer Gegenwart, auch wenn es aus einer anderen Zeit und Lebensphase
       stammt.
       
       taz: Dann ist auch die Verdreifachung der Protagonistin in der Inszenierung
       nicht einfach eine Abbildung der Lebensphasen des Ich ihrer autofiktionalen
       Romane? 
       
       Behrens: Nein, das wäre ja langweilig gewesen. Es ist sinnvoll, für die
       eine Repräsentanz zu finden, aber eben auch wichtig, dass in jeder der
       Akteurinnen [3][ein junges Mädchen wohnt, das nicht sterben will], wie
       Ditlevsen in einem Gedicht schreibt.
       
       taz: Also kann Irene Kleinschmidt ebensogut das Kind sein wie Youngster
       Emma Floßmann? 
       
       Behrens: Genau. In der Zersplitterung der Hauptfigur soll dennoch eine
       Einheit wahrnehmbar bleiben.
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://nachtkritik.de/nachtkritiken/deutschland/bayern/muenchen/residenztheater/die-kopenhagen-trilogie-residenztheater-muenchen-elsa-sophie-jach-inszeniert-autobiographische-romane-aus-dem-exzessiven-leben-von-tove-ditlevsen
 (DIR) [2] https://annatabita.wordpress.com/2017/06/04/blinkende-lygter-af-tove-ditlevsen/
 (DIR) [3] https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/da-wohnt-ein-junges-madchen-mir-das-nicht-sterben-will/978-3-351-03953-0
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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