# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Schlaflos in Odessa
       
       > In der ukrainischen Schwarzmeer-Metropole treffen die nächtlichen
       > Einschläge und Explosionen russischer Raketen und Drohnen die Bewohner
       > ins Mark.
       
 (IMG) Bild: Brennendes Einkauszentrum nach einem russischen Luftangriff auf Odessa
       
       Niemand hat in dieser Nacht in Odessa nach Mitternacht auch nur ein Auge
       zumachen können. Die Nacht zum Donnerstag war eine der lautesten Nächte der
       vergangenen Wochen. Nach Mitternacht setzten Explosionen, das Donnern von
       Raketen und Drohnen und die Zischlaute von Flugobjekten ein. Fenster und
       Wände wackelten. Irgendwann, kurz nach zwei, fiel der Strom für mehrere
       Stunden aus.
       
       „Es war eine schlaflose Nacht“, berichtet Katya Chalaya, Direktorin des
       Kulturzentrums Talant+ auf Facebook. „Sieben Stunden lang haben sie auf
       unsere Stadt geschossen. Die meiste Zeit habe ich in dieser Nacht auf der
       Toilette verbracht, dem sichersten Ort in meiner Wohnung.“ Und diese
       Vorsicht sei berechtigt gewesen. Bei einer Nachbarin habe es eingeschlagen.
       
       Nächtliche Einschläge und Explosionen treffen die Bewohner ins Mark, mehr
       als die Explosionen am Tag, die inmitten des täglichen Geschehens, des
       Autoverkehrs und der Generatoren vor den Geschäften weniger zu hören sind.
       Nach Angaben der regionalen Militärverwaltung wurden jetzt ein 16-stöckiges
       Wohnhaus, zwei Bildungseinrichtungen und ein Privathaus beschädigt. Auch
       Infrastruktur, das Gelände eines Getreidesilos, Garagen und Autos wurden
       getroffen.
       
       Odessa war nicht der einzige Ort, den in dieser Nacht russische
       Luftangriffe trafen. Auch Kyjiw, Charkiw, Saporischschja und Krywyj Rih
       wurden angegriffen. In Charkiw schlug eine Drohne in ein Einkaufszentrum
       ein; mehrere Menschen wurden verletzt. In der Region Saporischschja wurden
       sieben Menschen verletzt, darunter drei Kinder. Auch in der Region
       Dnipropetrowsk wurden mehrere Menschen verletzt.
       
       ## Brennende Häuser
       
       „Diese Menschen hatten zuvor noch alles, außer Frieden“, kommentiert Serhji
       Jagodsinski, Professor an der Europäischen Universität in Kyjiw auf seinem
       [1][Telegram-Kanal]. Das Video zu seinem Text erinnert an brennende Häuser
       im Tschetschenien-Krieg.
       
       Auch aus den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine werden zivile
       Opfer eines Drohnenangriffs gemeldet. Im von Russland besetzten Teil des
       ukrainischen Gebiets Luhansk sind nach Angaben der dortigen
       Besatzungsverwaltung bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen
       Linienbus neun Menschen getötet worden. In Russland selbst wurden
       Logistikzentren und ein Naturschutzgebiet von ukrainischen Drohnen
       getroffen.
       
       Auch aus der Region um den russischen Schwarzmeerort Anapa wurden
       Drohnenangriffe gemeldet. Besonders große Schäden soll der Absturz jeweils
       einer Drohne am 25. und 26. August im Naturschutzgebiet Utrisch verursacht
       haben. Nach Angaben russischer Behörden geriet dort die Vegetation in
       Brand. Der bekannte ukrainische Kolumnist Ivan Jakowina, der regelmäßig für
       die New Voice (nv.ua) schreibt, hat ein Video dieser Brände auf seiner
       [2][Facebook-Seite] veröffentlicht, versehen mit dem Kommentar: „Nach den
       Drohnenangriffen der ukrainischen Streitkräfte bei Anapa öffnen sich die
       Pforten zur Hölle.“
       
       ## Spekulationen um Besuchsdiplomatie
       
       Parallel zu den Angriffen sorgt ein ungewöhnlicher diplomatischer Kontakt
       zwischen Washington und Moskau für Aufmerksamkeit. [3][CIA-Direktor John
       Ratcliffe war am Dienstag unangekündigt nach Moskau gereist.] Die russische
       Seite bestätigte den Besuch. Das Treffen der Dienste befeuert seit dem
       Spekulationen. Wie das Wall Street Journal und der TV-Sender CBS News
       berichteten, stand Ratcliffes Mission wohl im Zeichen von Warnungen an
       Russland, von einem möglichen Angriff auf Nato-Staaten Abstand zu nehmen.
       Der Kreml wiegelte am Donnerstag solche Behauptungen als
       „Horrorgeschichten“ ab, die nichts mit den Realitäten und Absichten
       Russlands zu tun hätten. Von Alarmismus ist die Rede in Moskau.
       
       Der Besuch Ratcliffes erinnert an eine Reise seines Vorgängers William
       Burns nach Moskau im November 2021. Burns hatte den Kreml damals vor einem
       Einmarsch in die Ukraine gewarnt. Wenig später [4][hatte Moskau die Nato
       aufgefordert, ihre Aktivitäten in Osteuropa und der Ukraine einzustellen,]
       und am 24. Februar war die russische Armee in die Ukraine einmarschiert.
       
       Unterdessen dauert die [5][Moskau–Reise von Erzbischof Paul Richard
       Gallagher] an. Der als Außenminister des Vatikans fungierende Gallagher,
       der in der Vergangenheit schon mehrfach die Ukraine besuchte, hatte am
       Dienstag bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow
       in Moskau nachdrücklich gefordert, den Krieg in der Ukraine sofort zu
       beenden. Neben Lawrow stehend [6][betonte er unmissverständlich]: „Es muss
       klar sein: Dieser Krieg muss enden.“ Der Konflikt, so Gallagher laut
       vaticannews.va, könne nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden.
       
       27 Aug 2026
       
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 (DIR) [6] https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2026-08/gallagher-moskau-lawrow-russland-vatikan-diplomatie-ukraine.html
       
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