# taz.de -- Großeinsatz in Berlin-Neukölln: Weltkriegsbombe entschärft
       
       > Der Fund einer Fliegerbombe ist für Anwohner wie für Einsatzkräfte eine
       > Herausforderung. Tausende werden evakuiert. Das dauert länger als
       > erwartet.
       
 (IMG) Bild: Polizeibeamte des Kampfmittelbeseitigungsdienstes beim Einsatz in Neukölln
       
       dpa | Die 100 Kilogramm schwere Fliegerbombe in Neukölln ist am späten
       Mittwochabend erfolgreich entschärft worden. Das teilte die Polizei mit.
       Tausende Menschen, die ihre Wohnungen vorher verlassen mussten, konnten
       kurz vor Mitternacht wieder zurückkehren. Es waren 5.600 Haushalte
       betroffen. Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war im Neuköllner
       Schifffahrtskanal gefunden worden. Der Zünder wurde getrennt und
       unschädlich gemacht.
       
       „Es besteht keine Gefahr mehr“, teilte die Polizei mit. „Alle Absperrungen
       sind aufgehoben.“ Um den Fundort war ein 500 Meter großer Sperrkreis
       eingerichtet worden. Die Evakuierung zog sich länger hin als erwartet und
       war erst am späten Abend abgeschlossen. Sie dauerte verhältnismäßig lang,
       weil es mehrere Pflegeeinrichtungen im Sperrkreis gab.
       
       Die Bombe war den Angaben der Polizei zufolge gegen 10.40 Uhr bei einer
       geplanten Suche nach Altlasten aus dem Weltkrieg auf dem Grund des
       Gewässers zwischen der Teupitzer und der Treptower Straße gefunden worden.
       Die belebte Sonnenallee ist nur wenige Querstraßen entfernt. Betroffen war
       auch der Berliner Nahverkehr. Die Buslinien M43, 171 und 166 würden
       umgeleitet, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit.
       
       Im Sperrkreis gab es ein Seniorenheim, eine Obdachlosenunterkunft und eine
       Kita. Mit dem Altenheim sei abgemacht worden, dass die Bewohner im Haus
       bleiben könnten und es nicht verlassen müssten, sagte Polizeisprecher
       Martin Halweg. Sie sollten sich aber nur im Hausinneren aufhalten.
       
       ## Polizei mit 200 Kräften im Einsatz
       
       Beamte klingelten an vielen Türen, damit die Bewohner ihre Wohnungen
       verlassen. Auf beiden Seiten des Schifffahrtskanals waren Lautsprecherwagen
       unterwegs, um die Menschen zu informieren. Die Behörden warnten auch über
       das System Katwarn.
       
       Wer unmittelbar am Fundort wohne, für den bestehe im Fall einer Explosion
       die große Gefahr, zu Schaden oder sogar zu Tode zu kommen, warnte
       Polizeisprecher Halweg. Gegebenenfalls würden Menschen unter Zwang aus den
       Wohnungen geholt.
       
       Polizei, Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und andere Organisationen
       waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Allein die Polizei war eigenen
       Angaben zufolge mit rund 200 Kräften vor Ort. Das Deutsche Rote Kreuz
       kümmerte sich um die Evakuierung der Bewohnerinnen und Bewohner. Der Bezirk
       richtete in der Adolf-Reichwein-Schule auf der Sonnenallee eine
       Notunterkunft ein. Dort gebe es Platz für 200 Menschen.
       
       Die meisten Menschen an den Absperrungen wirkten erstaunt und wussten nicht
       genau, was sie tun sollen. Eine ältere Dame, die am Stock ging und einen
       kleinen Hund dabei hatte, beschloss: „Ich gehe jetzt erstmal spazieren.
       Danach muss ich weitersehen.“
       
       Eine Familie fuhr mit drei Kindern im Auto aus der abgesperrten Zone
       heraus, der Mann am Steuer kurbelte das Fenster runter und sagte: „Wir
       fahren zu Freunden nach Kreuzberg, zur Not können wir da auch übernachten.“
       
       Der etwa 100 Kilogramm schwere Sprengsatz war nach dem Fund an die
       Oberfläche gebracht und auf einem Ponton abgelegt worden, berichtete die
       Polizei. Dass Weltkriegs-Bomben in Berlin gefunden werden, sei immer noch
       an der Tagesordnung. Mehrere Funde pro Jahr seien durchaus üblich.
       
       27 Aug 2026
       
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