# taz.de -- GTA VI vs Cyberleek: Wem gehört das Spiel?
       
       > Das Videospiel „GTA VI“ sorgt vor seiner Veröffentlichung für
       > Schlagzeilen. Leaks zeigen Spielszenen, die Art der Veröffentlichung wird
       > kritisiert.
       
 (IMG) Bild: Grand Theft Auto: Copyrights
       
       Was passierte nicht alles [1][vor der Veröffentlichung von „GTA VI“]: Der
       Faschismus feierte sein globales Comeback, der Klimawandel rollt noch immer
       ungebremst über Felder und Wälder und selbst Friedrich Merz hat es nach
       mehreren Anläufen zum Kanzler geschafft.
       
       Jetzt, knapp zweieinhalb Monate vor seiner offiziellen Erscheinung, droht
       das Spiel vorzeitig an die Öffentlichkeit zu geraten. Unter dem Pseudonym
       „Cyberleek“ werden aktuell die ersten Spielszenen veröffentlicht, die
       jahrelang als Geheimnis aufgebaut wurden.
       
       Ob sich hinter dem Namen ein Individuum oder Kollektiv verbirgt, ist nicht
       bekannt und doch [2][dominiert „Cyberleek“ das Internet.] Es bilden sich
       Fronten, die die frühzeitigen Leaks mal verurteilen, mal feiern. Argumente
       haben beide.
       
       Im Februar 2022, als die Pandemie in den Köpfen noch präsent war, wurde
       „GTA VI“ erstmals offiziell angekündigt. Der erste [3][Trailer Ende 2023]
       brach mit knapp 300 Millionen Aufrufen bisherige Rekorde. Das
       Entwicklungsstudio [4][Rockstar Games] kuratierte das Spiel so
       geheimnistuerisch, dass jedes neue Bild die Diskussionen auf Social Media
       entfachte.
       
       ## Wie die Oscar-Verleihung
       
       „GTA VI“ ist mit gewöhnlichen Spielveröffentlichungen nicht zu vergleichen.
       Es handelt sich um einen kulturellen Event wie die Oscar-Verleihung, den
       Superbowl oder den Eurovision Song Contest. Selbst die auf Seriosität
       bedachten ÖRR-Organe [5][Tagesschau] und [6][ZDFheute] posten auf Instagram
       regelmäßig Meldungen zum Spiel.
       
       Die Erwartungen sind beiderseits enorm: Spielende erwarten den nächsten,
       seit langem ausbleibenden Meilenstein der Videospielentwicklung; das Studio
       rechnet mit einem Milliardenumsatz. Die ersten Spielszenen sollten
       eigentlich erst am Freitag, 28. August, in einem exklusiven Special auf
       Netflix gezeigt werden. Doch seit dem 18. August veröffentlicht „Cyberleek“
       die ersten Spielszenen im Netz und beschneidet damit eine der bis dato
       größten medialen Marketingstrategien.
       
       Parallel zum ersten Leak – unter anderem sah man eine der beiden
       Hauptfiguren Baseball spielen – veröffentlichte „Cyberleek“ ein Manifest,
       worin gefordert wird, dass Rockstar Games keine digitalen Vorverkäufe mehr
       anbieten soll.
       
       Damit wird eine alte Diskussion aufgegriffen, denn während physische Medien
       immer weiter negiert werden, setzen Studios und Unternehmen auf die rein
       digitale Variante. Da die Spielinhalte nicht mehr auf einer physischen Disc
       erscheinen und somit Privateigentum der Spielenden werden, können Studios
       den digitalen Zugang einschränken oder ultimativ verwehren. „Cyberleek“
       sprach sich gegen dieses neue Monopol aus und drohte mit weiteren Leaks.
       
       ## Details zur Spielwelt
       
       Es blieb nicht bei rhetorischen Androhungen: Im August zeigte „Cyberleek“
       fast täglich Szenen, verriet Details zur Spielwelt und der seit Jahren heiß
       erwarteten, doch gut behüteten Handlung. Über die sozialen Medien
       verbreiten sich die oft nur kurzen Clips natürlich schnell und unter ihnen
       die Diskussionen rund um das oder die Gesichter hinter dem Pseudonym.
       
       Gerüchte verorten den angeblich allein Handelnden in Deutschland, dann
       wieder in den USA, verkünden ihn als verhaftet, nur um von neuen Leaks
       widerlegt zu werden. Der bisher wohl größte Leak: „Cyberleek“ schießt mit
       einer Figur das Pseudonym in eine Wand. Die Einschusslöcher formen das Wort
       „LEEK“. Damit zeigt die Person, dass sie nicht nur über eine Ansammlung an
       Videos verfügt, sondern über einen „Build“, also eine spielbare Version des
       Titels.
       
       Die Vermutung einer groß angelegten, die ohnehin schon exorbitanten
       Marketingmaschinerie überlagernden PR-Aktion liegt nahe. Nur „GTA VI“ wäre
       zu so einer Aktion fähig, verfügt das Studio doch über schier endlose
       finanzielle Mittel und darf sich durchaus mit Superlativen wie „meist
       erwartetes Spiel“ schmücken.
       
       Noch dazu würde die Jagd nach dem großen Unbekannten thematisch zur
       „GTA“-Reihe passen, die seit 1997 für Verbrechen jedweder Art steht. Und
       doch ist „Cyberleek“ nicht Teil einer ausgetüftelten, medienwirksamen
       Schnitzeljagd. Zu groß ist der Schaden, der mit den Spielszenen am
       Rockstar-Marketing entstanden ist, und zu hitzig sind die Debatten, die die
       Leaks angestoßen haben. Denn seit den vorzeitigen Veröffentlichungen wird
       wieder über physische Medien diskutiert und die Kritik an ausschließlich
       digitalen Versionen nimmt zu.
       
       ## Rockstar Games und seine unrühmliche Historie
       
       Auf dem letzten Leak war eine mehrzeilige englische Einblendung zu lesen.
       Sinngemäß sagt sie: „Sony und Rockstar löschen euer Recht darauf, Spiele zu
       besitzen und weiterzuverkaufen und Rockstar macht seine eigenen Mitarbeiter
       fertig, damit das Spiel rechtzeitig fertig wird.“
       
       Tatsächlich hat Rockstar Games eine lange, unrühmliche Historie der
       sogenannten „Crunch Time“, in der Mitarbeitende für die finale
       Entwicklungsphase besonders hart unter Druck gesetzt werden und unbezahlte
       Mehrarbeit leisten müssen. Man muss also kein allzu großes Mitleid mit dem
       US-amerikanischen Studio haben.
       
       Ist „Cyberleek“ also ein Robin Hood (oder die nichtmännliche Version des
       Banditen), der von einem milliardenschweren Unternehmen klaut und es dabei
       noch zum Gegenstand berechtigter Kritik macht? So einfach ist es leider
       nicht. Denn: Auch „Cyberleek“ nutzt die illegalen Veröffentlichungen für
       das eigene Kapitalinteresse.
       
       „CL wird ohne Unterstützung nicht weitergehen. Du entscheidest“, heißt es
       unter den neuesten Szenen, dazu der Hinweis auf die Kryptowährung
       “$CYBERLEEK“.
       
       Das Schema ist bekannt: Eine Medienpersönlichkeit ruft eine neue
       Kryptowährung aus, pusht diese mittels Aufregung und Reichweite nach oben
       und verschwindet mitsamt den Geldern. „Cyberleek“ ist sicher kein
       virtueller Robin Hood, auch wenn die durch Leaks entstandenen Diskussionen
       berechtigt und wichtig sind. Sollte man die oder den Verantwortlichen
       fassen, wird er dort landen, wo „GTA VI“ beginnt: im Gefängnis.
       
       27 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /GTA-VI-erneut-verschoben/!6128036
 (DIR) [2] https://www.reddit.com/r/de/comments/1vvfc5b/gta_6leaker_cyberleek_kommt_wohl_aus_deutschland/
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=QdBZY2fkU-0
 (DIR) [4] https://www.rockstargames.com/de/?view=gta-online-a-safehouse-in-the-hills-trailer&amp%3Bamp%3Bamp%3Bamp%3Bshortlink404=1gnrzZ7
 (DIR) [5] https://www.instagram.com/p/DcbqGxjCSvI/
 (DIR) [6] https://www.instagram.com/p/DcgppaqFQRA/?img_index=1
       
       ## AUTOREN
       
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