# taz.de -- Arabisch-israelischer Aktivist: Ein Influencer für den rechten Neuanfang
       
       > Yosef Haddad polarisiert in Israels jüdischer und arabischer
       > Gemeinschaft. Jetzt schließt sich der Influencer einer neuen rechten
       > Partei an.
       
 (IMG) Bild: Yoseph Haddad bei einer kleinen Antikriegsdemonstration am Habima-Platz in Tel Aviv am 7. März 2026
       
       Der 41-jährige Polit-Influencer Yosef Haddad ist gewiss eine der
       umstrittensten politischen Figuren Israels. Denn geboren wurde er in der
       israelischen Küstenstadt Haifa, in eine christlich-arabische Familie.
       Kürzlich verkündete er seinen Beitritt zur neu gegründeten
       rechtsnationalistischen Partei Amcha Yisrael (Das Volk Israels) – mit dem
       nicht unerheblichen Ziel, ins nächste israelische Sicherheitskabinett
       einzuziehen.
       
       Haddad, Sohn eines Priesters und einer Lehrerin, war bislang vornehmlich
       als konservativer Influencer bekannt. In einem TEDx Talk aus dem Jahr 2020
       stellte er sich so vor: „Ich bin ein Terrorist. Und ich bin ein Verräter.
       Mein Name ist Yosef Haddad“.
       
       Als Kind einer Minderheit in der Minderheit – der Christ:innen unter den
       muslimischen Araber:innen in einem jüdischen Staat – fand Haddad nach
       eigener Aussage im Fußball eine universelle Sprache, um Freundschaften über
       Milieugrenzen hinweg zu schließen. Er selbst sieht sich als „stolzer
       Israeli“ und „stolzer Araber“.
       
       Aufgewachsen in Nazareth, der größten arabischen Stadt Israels, trat er
       nach einem Selbstmordanschlag 2003 in Haifa freiwillig dem [1][israelischen
       Militär] bei. Der Anschlag, verübt von einer Palästinenserin, rekrutiert
       vom islamischen Dschihad, traf ein Restaurant, das sowohl jüdische als auch
       arabische Israelis besuchten. Haddad wurde Mitglied der elitären
       Golani-Brigade, stieg zum Rang eines Kommandanten auf.
       
       ## Neulich zückte er seine Pistole mitten auf der Straße
       
       Nach seinem Militärdienst, während dessen er im Libanonkrieg 2006 verletzt
       wurde, studierte er Politikwissenschaften und arbeitete eine Zeit lang im
       Marketing. Gleichzeitig gründete er die NGO Together – Vouch for Each
       Other, die sich für arabisch-jüdische Integration einsetzt. Immer wieder
       reist er zu Veranstaltungen ins Ausland, um das Image Israels zu promoten.
       
       Haddad tritt in der Öffentlichkeit meist ruhig und selbstbewusst auf. Vor
       etwa einem Jahr verlor er allerdings die Beherrschung, als er nach einem
       Streit mit einem Motorradfahrer mitten auf der Straße in Jaffa seine
       Pistole zückte und scharf schoss – laut eigener Aussage als
       Selbstverteidigung. Dafür wurde er verhaftet.
       
       Haddad sagt, sein Engagement habe ihm Hassnachrichten und Todeswünsche
       eingebracht – von Radikalen der jüdischen als auch der arabischen
       Gemeinschaft in Israel. Auch im Ausland werde er angefeindet.
       
       [2][Nach dem Überfall der Hamas in Südisrael am 7. Oktober 2023] engagierte
       sich der 41-Jährige online verstärkt politisch. Der Anführer von Amcha
       Yisrael, Ex-General Ofer Winter, sagte nun, Haddad solle der nächste
       Minister für Öffentlichkeitsarbeit werden. Winters Ansichten sind
       rechts-nationalistisch. Er sieht die palästinensische Emigration als Lösung
       für Gaza, will die Ultraorthodoxen in die Armee integrieren, Kriminalität
       in den arabischen Gemeinschaften bekämpfen.
       
       Haddad selbst erklärte seinen Beitritt zu Ofer Winters Partei so: Israel
       brauche eine neue rechte Partei, „die die Mentalität des Nahen Ostens
       versteht“. Er kritisierte die arabischen Parteien Israels, die in der
       Knesset „Jenin, Gaza und Ramallah“ statt der arabischen Gemeinschaften in
       Israel vertreten würden. In den vergangenen Jahren hat Haddad stets
       erklärt, dass Israel in Gaza keinen Völkermord begehe und dass es in Israel
       auch keine Apartheid gebe.
       
       Zum [3][Krieg gegen Iran] und seinen Alliierten sagte er: „Wir befreien den
       Nahen Osten. Die Menschen werden sehen, dass wir die ganze Welt retten. Wir
       stehen auf der richtigen Seite der Geschichte“.
       
       26 Aug 2026
       
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