# taz.de -- Polizeigewerkschafter Sven Hüber: Rücktritt nach Misshandlungsvorwürfen aus DDR-Vergangenheit
> Polizeigewerkschafter Sven Hüber positionierte sich aktiv gegen die AfD.
> Nun verbreitet ein rechtes Medium Vorwürfe zu dessen DDR-Vergangenheit.
(IMG) Bild: Sven Hüber, ehemals bei der GdP, wird massiv aus der rechten Bubble angefeindet – nun trat er nach Misshandlungsvorwürfen zurück
Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP),
Sven Hüber, ist zurückgetreten. Zuvor hatte ein rechtslastiges Medium mit
einer Story zu dessen Vergangenheit als Offizier der DDR-Grenztruppen für
Aufregung vor allem in der rechtsradikalen Bubble gesorgt. Dort gilt Hüber
nach deutlicher Kritik am Rechtsextremismus der AfD als Reizfigur.
Hüber wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und teilte in einer
Mitteilung der GdP am Mittwoch mit: „Ich trete mit sofortiger Wirkung von
meinem Amt zurück, weil es derzeit mehrere von mir angestrengte rechtliche
und gerichtliche Prüfungen gegen erhobene mediale verunglimpfende und
rufmordähnliche Vorwürfe vor meinem Dienst in der Bundespolizei und vor der
GdP gibt.“ Mit seinem Rücktritt wolle Hüber während der notwendigen
gerichtlichen Auseinandersetzung „die täglich neuen, unhaltbaren
Anschuldigungen von der GdP abwenden“. Die GdP werde im Zusammenhang mit
Falschbehauptungen, Bedrohungen und verzerrten Veröffentlichungen straf-
und zivilrechtlich gegen die Urheber vorgehen.
Das AfD-nahe Szenemedium Apollo News hatte zu Verwicklungen im DDR-Regime
des GdP-Vizes recherchiert und dabei einen Zeitzeugen zitiert, der heftige
Anschuldigungen über Hübers Rolle bei der Bewachung der innerdeutschen
Grenze eidesstattlich versicherte. Demnach habe der heutige GdP-Chef stramm
zum Realsozialismus der DDR gestanden und sich aktiv für den Schießbefehl
an der Grenze eingesetzt (wie einst eine [1][AfD-Politikerin]).
Einen festgenommenen und wehrlosen Flüchtling soll er laut Bericht
misshandelt haben. So soll er ihn mehrfach getreten haben, wie der Zeuge
gesehen haben will. Ein Kollege habe dem Zeugen zudem erzählt, dass er dem
festgenommenen Mann zuvor seine Dienstpistole in den Mund gesteckt haben
soll, woraufhin dieser sich einnässte. Der wegen Rechtsoffenheit und einem
Hang zu undifferenzierter antikommunistischer Geschichtspolitik häufig
kritisierte Historiker Hubertus Knabe sekundierte in der Recherche, dass er
die Einlassungen des Zeugen für plausibel und glaubwürdig halte.
## „Menschenfeindliche Handlungen nicht begangen“
Hübers Anwalt Johannes Eisenberg teilte mit, dass Hüber die über ihn
verbreiteten menschenfeindlichen Handlungen nicht begangen habe. Die
Darstellung des „Denunzianten“ seien betont faktenarm. Die Ereignisse lägen
38 Jahre zurück und litten an einem Mangel von Angaben zu Zeit, Ort und
Umständen. Die Darstellung von Apollo News sei falsch.
Die Story verbreitete sich dennoch schnell in rechtslastigen Medien und der
AfD-Bubble, weil es eben um Hüber geht. Die Aufregung um ihn kochte derart
hoch, weil er erst kürzlich vor einem AfD-Innenminister in Sachsen-Anhalt
gewarnt hatte. In seiner Funktion schrieb er [2][für ein GdP-Magazin]: „Wer
seinen geleisteten Eid ernst nimmt, kann gar nicht anders: No-Go mit der
AfD!“
Polizisten könnten kraft ihres abgelegten Eides keine verfassungsfeindliche
Partei wählen, diese unterstützen oder dort mitmachen, so Hüber. Er stellte
das auch mit Verweis auf ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes fest:
„Wer als Polizist bei der AfD mitmacht […], besitzt nicht die erforderliche
charakterliche Eignung für den Polizeiberuf.“
Falls die AfD ein Innenministerium übernehmen sollte, sei „die Erinnerung
an die jeden Beamten und jede Beamtin treffende Remonstrationspflicht das
erste Mittel der Wahl.“ Remonstrieren heißt, dass Beamte rechtswidrige
Anweisungen nicht ausführen dürfen und dagegen formal bei ihren
Vorgesetzten protestieren müssen – „eine AfD-Machtergreifung entbindet
keinen Beamten von seinem Eid auf den Schutz der Verfassung, im Gegenteil“,
schrieb Hüber.
Was tief blicken lässt: Kürzlich fand die AfD-Bubble es noch halb so wild,
dass Parteichef Tino Chrupalla und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund die
DDR-Nationalhymne bei einer Veranstaltung mitgesungen haben.
Witzig fand man am selben Abend dort auch die Scherze des
[3][tragikomischen Uwe Steimle], der sich Gedanken machte, dass man das
[4][Porträt von Angela Merkel „an die Wand stellen“] könnte und rhetorisch
fragte: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist
eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht.“ Daraufhin gabs
Gelächter im Saal und keinen Widerspruch von Siegmund und Chrupalla.
Stauffenberg war ein Wehrmachtsoberst, der mit einem Attentat auf Hitler
scheiterte.
Transparenzhinweis: Der Anwalt von Hüber, Johannes Eisenberg, vertritt auch
immer wieder die taz.
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesschau.de/inland/afd-schusswaffen-103.html
(DIR) [2] https://dp-digital.gdp.de/collection/de.gdp.dp.issue082026_1463/article/de.gdp.dp.issue202608.bund308392
(DIR) [3] /Satiriker-Uwe-Steimle-verstand-sich-einst-als-links---nun-passt-er-sich-dem-gewandelten-Zeitgeist-an/!6196228
(DIR) [4] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/afd-steimle-merkel-merz-staatsanwaltschaft-strafbarkeit-strafbar-meinungsfreiheit
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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