# taz.de -- Dolly Parton mit 80 Jahren gestorben: Sie hat den Feminismus vorgelebt
       
       > Frauenrechte, queere Personen, Black Lives Matter – Country-Musikerin
       > Dolly Parton stand immer auf der Seite der Selbstbestimmung. Nun ist sie
       > gestorben.
       
 (IMG) Bild: Dolly Parton in Los Angeles im Jahr 2008
       
       Sie war ein Idol für Millionen, Frauen vor allem, auch queere Menschen,
       schwule Männer und trans Personen. Nun, da sie am Dienstag, wenige Monate
       nach ihrem 80. Geburtstag, in Nashville, Tennessee, an den Folgen einer
       Krebserkrankung gestorben ist, versuchte US-Präsident Donald Trump
       abermals, sie als eine der seinen zu kapern. Aber Dolly Parton war keine
       Fellow seiner Politik, sie hasste, nach eigener Aussage, Politik und wollte
       sich schon gar nicht von diesem New Yorker Immobilienspekulanten und
       Pseudoversteher der working class people vereinnahmen lassen. Der Präsident
       jedenfalls verordnete, gewiss im Einklang mit den meisten US-Amerikanern,
       eine Woche Trauerbeflaggung aus Anlass des Todes dieser Künstlerin.
       
       Parton, 1946 als viertes von zwölf Kindern geboren, wuchs in den Smoky
       Moutains, Tennessee, auf, eine Gegend, eine Landschaft voller
       gottesfürchtiger Menschen, Armut die Regel, Wohlhabenheit die Ausnahme, die
       Industrien schmutzig, politisch durch und durch republikanisch,
       konservativ, distanziert zu allem, was aus den eher liberalen Metropolen
       wie Los Angeles oder New York kam. In einer Familie voller begabter
       MusikerInnen – Country durch und durch, noch keiner der später
       industrialisierten Sorte – war Dolly Parton die erfolgreichste. Am Ende
       ihres Lebens hatte sie mehr als 100 Millionen Alben verkauft, bekam zehn
       Grammys zugesprochen, war eine weltweit berühmte Frau mit einer lebenslang
       währenden Karriere ohne Knicks oder Abstürze.
       
       Aberhunderte Lieder wie „Jolene“ 1974, „Island in the Stream“ 1983 (dieses
       von den Bee Gees, aber ihr zugeeignet, interpretiert mit einem ihrer
       Buddys, Kenny Rogers), „Your Love has Lifted me higher“ und vor allem
       „[1][I will always love you]“, das sie 1974 schrieb und 1994 in der Fassung
       von Whitney Houston zur biggest Schnulze on earth ever werden konnte. Ihre
       Themen kreisten, wie es sich für guten Country, später Pop, gehört, um das
       Alltägliche, also um das Wichtigste aller: Liebe, Kummer, Armut,
       Geldsorgen, Beengung in den Verhältnissen, das Leben in der Familie,
       Geschwisterlichkeit …
       
       Was sie von den allermeisten Künstlerinnen vor allem im Country
       unterschied, war ihr entschiedener Wille, alles in eigener Sache selbst
       kontrollieren zu wollen und auch zu können: Sie holte sich früh die Macht
       über ihre eigenen Arbeiten, sie gründete ihren Musikverlag; wer etwas von
       ihr wollte – und das wollten viele –, musste mit ihr auskommen, nicht mit
       ihrem Management.
       
       ## Freundlich, nachbarschaftlich, familiär
       
       Wer sie einmal in einem Konzert sah, sei es in der Grand Ol’ Opry in
       Nashville, später in den Konzertarenen Europas, [2][konnte es – wie der
       Autor dieser Zeilen – kaum glauben]: Da stand eine körperlich kleine Frau
       vor vielen tausend Leuten und agierte, als bewege sie sich in einem
       wirklich sehr kleinen Club: Auf interessante Art wirkte sie so natürlich,
       wie die Idee von Natürlichkeit es nur irgendwie hergibt. Man könnte sogar
       sagen: freundlich, nachbarschaftlich, familiär. Ihr Credo: träumen,
       arbeiten, dankbar sein – wie sie es einmal bekannte. „Ich hoffe, dass ich
       eines Tages als jemand erinnert werde, der versuchte, in der Welt etwas
       Gutes zu tun.“
       
       Das mit der Natürlichkeit ist selbstverständlich so eine Sache: Sie wirkte
       bei jedem Blick auf sie wie das Falsche im Sinne von Theorien zur Echtheit
       eines Menschen, äußerlich betrachtet. „Es kostet eine Menge Geld, so billig
       auszusehen“, sagte sie einmal, und, auf die Frage, wie sie es mit ihren
       Frisuren halte, bombastisch aufgetürmt bisweilen: „Die Leute fragen mich
       immer, wie lange es dauert, meine Haare zu machen. Ich weiß es nicht – ich
       bin ja nie dabei.“ Sie trug Perücken, daraus machte sie kein Geheimnis,
       denn, auch dies als Satz von ihr überliefert: „Ich glaube, Gott hat mir
       Talent gegeben, weil er es mit meinen Haaren vermasselt hat.“ Sie machte
       auch kein Gewese um die Tatsache, dass sie Schönheitsoperationen liebe:
       „Ich mag künstlich sein, aber worauf es ankommt, in meinem Herzen bin ich
       echt.“
       
       Als sie längst mehr als eine Sängerin, Komponistin, Texterin war, nämlich
       Teil des Bigger Entertainments, äußerte sie, dass es ihr recht sei, wenn
       ihre männlichen Gegenüber sie nicht für voll nähmen: „Ich habe Geschäfte
       mit Männern gemacht, die mich für genauso dumm halten, wie ich aussehe. Bis
       sie kapieren, dass ich es nicht bin, habe ich das Geld längst und bin weg.“
       
       ## Parton war immer für Selbstbestimmung
       
       Politisch wirkte sie durch wohlgewogene Statements, als seien alle
       Klischees über Konservatives falsch. Feminismus war ihr keine Theorie, sie
       lebte dessen Gebote im Sinne der weiblichen Eigenständigkeit einfach. Black
       Lives Matter als Bewegung unterstützte sie, ebenso Jahre zuvor den Kampf um
       die Ehemöglichkeit für homosexuelle Paare. Im Kulturkampf zu Transfragen
       stand sie auf der Seite der trans Personen – was auch sonst: Dolly Parton
       war immer für Selbstbestimmung von Menschen.
       
       Im Übrigen lohnt sich das Studium ihrer anderen Sprüche, Bekundungen,
       Statements – in einer Welt der Zurichtungen kommen diese gesammelt wie ein
       Brevier der Selbstermutigung daher. Dass sie diesen ihren Weg ging, immer
       begleitet von ihren Familienangehörigen, von ihren Leuten in ihrer Heimat,
       spricht für sie – und für die Menschen, mit denen sie aufwuchs und lebte.
       Mit ihrem Mann, Bauunternehmer Carl Dean, war sie sechs Jahrzehnte
       verheiratet. Als der im vorigen Jahr starb, schien irgendwie bestimmt, dass
       auch seine Frau mit der Liebe ihres Lebens, mit ihm, auf der Welt nicht
       mehr lange sein könnte.
       
       Her Love has lifted us higher … das auch. Sie war die Echtheit in Person,
       dafür liebten sie auch KollegInnen, die mit Country nicht so viel zu
       schaffen hatten, aus dem Rock, aus dem Metalfach. Sie ehren mit ihrer
       Trauer eine Kollegin, die ihr Leben ernst nahm und es anderen nahelegte, es
       ebenso zu halten: mit Gott – und nur mit dir selbst!
       
       26 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=pW2TgGy5gjY&list=RDpW2TgGy5gjY&start_radio=1
 (DIR) [2] /Country-Ikone-Dolly-Parton/!5038162
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
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