# taz.de -- Zum Tod von Dolly Parton: Dolly gehörte allen
       
       > Nie waren die USA politisch so gespalten wie jetzt – aber auf
       > Country-Sängerin Dolly Parton können sich alle einigen. Auch unsere
       > Autorin.
       
 (IMG) Bild: They will always love her: Blumen und Liebesbekundungen vor Dolly Partons Büro in Nashville, Tennessee
       
       Es war 2019, ich war Reporterin bei CNN und sollte über die
       Präsidentschaftskampagne der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren
       berichten. Bei jeder einzelnen Veranstaltung, ohne Ausnahme, sollte die
       Senatorin zum Jingle von Dolly Partons Song „9 to 5“ auf die Bühne
       schreiten. Ich bin kreuz und quer durch das ganze Land gereist und habe
       dabei beinahe täglich diese Melodie gehört, manchmal auch zwei- oder
       dreimal am Tag. Ich habe jede Silbe des Texts gelernt. Der Song wurde zum
       Soundtrack eines sehr speziellen Kapitels in meinem Leben, eines, in
       welchem mein ganzes Leben sich um die Momente drehte, wenn Dollys Stimme
       über die Menschenmengen schallte.
       
       Nicht viel später, eine andere Kampagne für einen anderen Kandidaten, habe
       ich Dolly wieder gehört. Dieses Mal mit „Jolene“, das aus den Lautsprechern
       dröhnte, bevor Donald Trump vor untergebenen Unterstützer*innen auf
       die Bühne trat.
       
       Das ist es, was Dolly Parton so einzigartig für uns Amerikaner*innen
       macht.
       
       In einem Land, das noch nie so gespalten war wie jetzt, gehörte sie allen.
       Sie war der Beweis, dass der amerikanische Traum immer noch erreichbar ist:
       Aufgewachsen ohne jeden Besitz in den abgeschiedenen Appalachen hat sie das
       Unmögliche geschafft, nämlich Berühmtheit, und zwar nur für ihre großartige
       Stimme. Sie war ein wandelndes, singendes Symbol für Freiheit,
       Zugewandtheit und Liebe – sie war, sehr absichtlich, das Gegenteil von
       jedweder Parteinahme, sodass jeder etwas mit ihr anfangen konnte.
       
       ## Ein Moment der Einheit
       
       Als am Dienstagabend ihr Tod bekannt wurde, haben Demokraten wie
       Republikaner sie in den Timelines auf Social Media gemeinsam betrauert, ein
       seltener Moment der Einheit – perfekt eingefangen [1][in einem Post, in dem
       die Trauer von links außen neben der von Präsident Trump stand.]
       
       „Die Demokratischen Sozialisten Amerikas drücken der Familie, den Freunden
       und Fans von Dolly Parton ihr tiefstes Beileid aus, eine Heldin der
       Arbeiterklasse und eine Inspiration für uns alle“, heißt es in einem Post.
       
       Am komplett anderen Ende der politischen Skala schrieb Trump auf seiner
       Plattform Truth Social, er sei „sehr traurig“, dass Parton, „eine der
       großartigsten Country-Sängerinnen JEMALS“ verstorben sei. Zu ihren Ehren
       werde er die amerikanische Flagge im ganzen Land für eine Woche auf
       halbmast setzen. „Ruhe in Frieden, Dolly! Die Welt liebt dich“, schrieb
       Trump.
       
       Ich war gerade beim Abendessen am Dienstag, als mich die News zu Dolly
       erreicht hat. Ich habe sie sofort mit Freunden, Familie und Kolleg*innen
       geteilt, eigentlich mit allen, die verstehen würden, was ihre Musik und
       ihre Stimme und ihre ganze Persönlichkeit für uns Menschen wie uns bedeutet
       hat. Niemand wird sie ersetzen können.
       
       ## Ein Mädchen, das Erfolg haben wollte
       
       Ich bin im südlichen Texas aufgewachsen, es ist ein anderer Süden als der,
       in dem Dolly aufgewachsen ist, aber ich konnte mit ihren Texten immer etwas
       anfangen: ein Mädchen, das Erfolg haben wollte. Ihre Musik war eingängig,
       nostalgisch und kompromisslos weiblich. Ihre Stimme, diesen bestimmten,
       gedehnten Südstaaten-Akzent, habe ich mein ganzes Leben lang geliebt.
       
       Eine meiner liebsten Ecken im Internet ist ein alter Clip, wo sie ihre
       Acrylnägel zum Gitarrespielen benutzt, einen Song für Johnny Cash singend.
       Ich habe es einmal geschaut, dann gleich noch mal. Und noch mal. Es sind
       zwei Minuten pure Freude, und wenn Sie verstehen wollen, warum das ganze
       Land um Dolly Parton trauert, dann schauen Sie [2][dieses Video.]
       
       Daniella Diaz lebt in den USA und ist derzeit im Rahmen eines
       journalistischen Austauschprogramms in der taz.
       
       26 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/natemcdermott/status/2092357856494223510
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=f74Y-iQ_Lgw
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniella Diaz
       
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