# taz.de -- Ridley Scotts „Das Ende der Sterne“: Am Außenposten der Zivilisation
> Im Science-Fiction-Film „Das Ende der Sterne“ zeigt Regisseur Ridley
> Scott, wie sich Überlebende in der Postapokalypse einrichten. Das hat
> einigen Charme.
(IMG) Bild: Die Postapokalypse hat auch ihre gemütlichen Seiten: Hig (Jacob Elordi) und Cima (Margaret Qualley) in „Das Ende der Sterne“
Nicht alles ist schlecht, wenn die Welt untergegangen und die Menschheit
durch einen Virus empfindlich dezimiert wurde. Der von [1][Jacob Elordi]
gespielte Hig, der an der Seite seines Hundes Jasper in einer klapprigen
Cessna die verlassenen Landstriche von Colorado überfliegt, scheint es auf
den ersten Blick geradezu gemütlich zu haben. In der nahen Stadt Erie
sammelt er neben den Essentials Medikamente und Treibstoff auch Leckereien
wie Kaffee, Zigaretten und Cola ein.
Einzig die überraschende Begegnung mit einem verdreckten, in Lumpen
gekleideten und mit altmodischer Armbrust bewaffnetem Mann stört die
Idylle. Seine Erfahrung mit Vorfällen dieser Art demonstriert Hig nicht nur
mit gekonnt schneller Reaktion, sondern mit der Gnade, die er dem Mann
schlussendlich erweist. Er tötet ihn nicht.
Wäre da nicht die Cessna, würde man sich in [2][Ridley Scotts] neuem Film
„Das Ende der Sterne“ ganz wie zu Hause in einem altmodischen Western
fühlen. Denn Hig lebt nicht allein. Zusammen mit Bangley (Josh Brolin),
einem älteren Survival-Experten mit Militärerfahrung, bewirtschaftet er den
ehemaligen Sportflughafen von Erie, als sei es ihre Farm. Beide eher
schweigsam, beide eher brummig, bilden sie ein perfektes Cowboypaar, das
sich über Kaffee in Blechbechern hinweg zuprostet und per Handzeichen
verständigt.
Wie es sich gehört, verkörpern die beiden leicht verschiedene Ausblicke ins
Leben: Bangley ist der Skeptiker, der überall Gefahr wittert und sich ganz
und gar eingerichtet hat im Modus des Sich-gegen-die-Welt-Verteidigens. Mit
allen, die seinem „Perimeter“ zu nahe treten, macht er kurzen Prozess.
Menschliche Empathie und Mitleid scheinen ihm völlig fremd geworden.
## Als hätte er lieber einen Western gedreht
Hig ist von ganz anderem Kaliber. Bei seinen Ausflügen in die Stadt besucht
der ehemalige Mechaniker regelmäßig das Haus, das er zusammen mit seiner
Frau Melissa vor der Pandemie bewohnte. Er setzt sich ins Schlafzimmer und
schwelgt melancholisch-schmerzlich in Erinnerungen an die Verstorbene, die
vor ihrem Tod schwanger war. Auch versorgt er bei seinen Ausflügen
regelmäßig eine in der Nähe lebende Gemeinde von Mennoniten, die wie aus
der Zeit gefallen wirken, was im postapokalyptischen Setting aber auch
wieder genau passend erscheint.
Als hätte er tatsächlich lieber einen Western gedreht, dafür aber nicht die
passende Romanvorlage gefunden, inszeniert Scott die Angriffe auf seine
Männeridylle wie einst Indianerüberfälle aufs Fort Bravo. Ominöse
Gestalten, oft in einer Art einheitlichen „Stammeskleidung“, schleichen
sich im Unterholz an, werden dann aber schnell Opfer der üblichen
Waffenungleichheit. Die Eindringlinge verfügen nur über Pfeil und Bogen,
während Bangley und Hig mit Gewehren schießen.
In leichter Abänderung zur Vorlage, Peter Hellers gleichnamigem Roman von
2012, sieht Hig sich schließlich durch eine Kette von Vorfällen dazu
gebracht, Bangley abrupt allein zu lassen und mit seiner Cessna das Weite
zu suchen. Schwer entzifferbare Funkmeldungen aus dem außerhalb seines
Flugkreises liegenden Grand Junction locken ihn [3][wie einst Odysseus die
Sirenen]. Was, wenn es noch ein anderes Leben da draußen gibt? Dass die
Stimme weiblich ist, scheint ebenfalls eine gewisse Wirkung zu haben.
## Kaffee beim Lagerfeuer
Bevor man als Zuschauer*in noch darum trauern könnte, dass der Film sein
Western-Setting verlässt und ins apokalyptische Genre wechselt, muss Hig
bruchlanden und entdeckt dabei eine versteckte Farm, die von Cima (Margaret
Qualley) und ihrem Vater Pops (Guy Pearce) bewirtschaftet wird. Der
Annäherungsprozess verläuft genau so, wie man es von Weitem kommen sieht.
Der Film verweilt dabei mit so viel genüsslichem Gefallen bei der kleinen
Gemeinschaft, die schließlich gemeinsam Birken abholzt und bei Lagerfeuer
Kaffee trinkt, dass man die Lockrufe aus Grand Junction fast vergisst. Aber
wie gesagt, es passiert dann doch alles so, wie man es schon lang
vorhersieht.
Als Apokalypse-Thriller hat „Das Ende der Sterne“ nur wenig zu bieten.
Nicht nur dass die Welt, wie sie sich vor Hig ausbreitet, kaum originelle
Aspekte hat. Auch die Aufteilung der Figuren ist viel zu einfältig, um
interessant zu sein. Die Charaktere im inneren Kreis sind dreidimensionale
Menschen mit Lebensläufen, ehemaligen Berufen und Innenleben. Die Angreifer
von außen tauchen stets als Horde auf und sind gesichtslose, anonyme
Gestalten, die eher an Zombies denn an Menschen erinnern.
Trotzdem hat der Film durchaus seinen Reiz. Der liegt ganz und gar in
seinem Western-Charme, der vor allem die drei männlichen Darsteller Jacob
Elordi, Josh Brolin und Guy Pearce als Außenposten der Zivilisation bärig
und wie befreit aufspielen lässt. Schade natürlich, dass Margaret Qualley
als einzige Frau mit Sprechrolle im Ensemble nur wenig mehr als das
Klischee der Wunden versorgenden Krankenschwester darstellen und dazu
optimistisch lächeln darf.
26 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Schweizerhof
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