# taz.de -- Grüne fordern Resilienz: Wenn die Krise auf dem Teller landet
       
       > Die Bundesfraktion der Grünen fordert eine zukunftssichere
       > Lebensmittelversorgung. Der Klimawandel bedrohe zunehmend Landwirtschaft
       > und Lieferketten.
       
 (IMG) Bild: Die deutsche Landwirtschaft soll krisenfester werden: Dürreopfer Mais
       
       Kurz noch in den Supermarkt gehen, um Mehl zu kaufen? Kein Problem.
       Menschen in Deutschland sind an gut gefüllte Läden gewöhnt. Doch mit dem
       Klimawandel und anderen Krisen könnte die stets verfügbare große Auswahl
       weniger selbstverständlich werden. In einem Papier, das der taz vorliegt,
       fordern drei Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen deshalb
       Maßnahmen für eine krisenfeste Lebensmittelversorgung.
       
       „Die [1][Hitzewelle hat bereits dieses Jahr für Erntausfälle] gesorgt“,
       sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Karl Bär, der die Forderung
       mitinitiiert hat. „[2][Klimaanpassung in der Landwirtschaft] muss
       politische Priorität werden.“
       
       Die Bundesregierung müsse ökologische und regionale Landwirtschaft fördern,
       fordern die Abgeordneten. Diese sei resilienter, weil sie unabhängiger von
       Importen und fossilen Brennstoffen sei und Ökosystem stabilisiere. Zudem
       appellieren die Politiker an landwirtschaftliche Betriebe, sich unabhängig
       von Dünger und fossilem Treibstoff zu machen. Die Betriebe könnten beide
       aus Biomasse selbst produzieren, anstatt sie einzukaufen.
       
       Die Abgeordneten sehen noch ein anderes Risiko: Traktoren und Stalltechnik
       seien oft hochdigitalisiert – und damit gefährdet, von Cyberangriffen
       getroffen zu werden. Auch hier dürfe sich die Landwirtschaft nicht von
       einzelnen Unternehmen oder Ländern abhängig machen. Bei der IT-Sicherheit
       müssten landwirtschaftliche Betriebe und Logistik stärker unterstützt
       werden, zudem brauche es Sicherheitsstandards.
       
       ## Und der Rest der Welt?
       
       Neben der deutschen Landwirtschaft wollen die Grünen-Abgeordneten auch die
       Lebensmittelproduktion in ärmeren Weltregionen stabilisieren. Das soll die
       Versorgung mit Gütern sichern, die wie Kaffee oder Kakao importiert werden
       müssen.
       
       „Es ist unfair, wenn wir uns darauf ausruhen, dass es uns in Deutschland
       relativ gut geht. Wir können uns aus Versorgungsengpässen rauskaufen“, sagt
       Bär. Doch das könnten nicht alle. „Wir sind verpflichtet, unsere Resilienz
       zu stärken, um die des Planeten zu stärken.“
       
       [3][Eine Studie], die die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in
       Auftrag gegeben hat, identifiziert, wo es in Deutschland Schwachstellen in
       der Versorgung mit Lebensmitteln gibt. Ergebnis: Die Lebensmittelversorgung
       hänge von komplexen internationalen Lieferketten ab. Dadurch sei sie ebenso
       anfällig für Auswirkungen der Klimakrise und für Umweltrisiken wie für
       geopolitische und ökonomische Krisen. Zudem könnten sich diese
       verschiedenen Krisen gegenseitig verstärken.
       
       ## Ausfälle beim Weizen
       
       Ein Beispiel: Brot und der Weizen, aus dem es gemacht wird. Zwar kann
       Deutschland seinen Bedarf an Weizen selbst decken. Doch der
       menschengemachte Klimawandel mache es wahrscheinlicher, dass
       Extremwetterereignisse wie Hitzewellen zu Ausfällen führten, so die Studie.
       Bereits heute lägen die weltweiten Weizenerträge im Durchschnitt rund 10
       Prozent niedriger, als sie ohne menschengemachte Erwärmung wären. Ausfälle
       auf dem Weltmarkt – der von den größten Exporteuren wie Indien und China
       dominiert ist – könnten zudem zu großen Preissprüngen in Deutschland
       führen.
       
       Auch der [4][Deutsche Bauernverband hatte Mitte August bekannt] gegeben,
       dass Landwirt*innen in diesem Jahr mit Ernteausfällen rechnen. Besonders
       betroffen ist der Süden Deutschlands. Das Statistische Landesamt
       Baden-Württemberg rechnet ebenfalls für 2026 mit unterdurchschnittlichen
       Erträgen. Die Getreideernte dürfte voraussichtlich 13 Prozent geringer
       ausfallen als die Ernte des vergangenen Jahres und immer noch 7 Prozent
       geringer als im Mittel der letzten sechs Jahre. Grund dafür sind die
       anhaltende Dürre und Trockenheit. Der Juni 2026 war in Westeuropa [5][der
       heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen] – [6][der Klimawandel macht
       solche Hitzeperioden immer wahrscheinlicher.]
       
       Kurzfristig sieht der Bauernverband noch keine Bedrohung für die
       Lebensmittelversorgung. Wegen der „Belastungen für die Landwirtschaft“
       forderte Bauernpräsident Joachim Rukwied unter anderem Steuersenkungen für
       Diesel, höhere EU-Düngemittelbeihilfen und Ausnahmen beim Mindestlohn.
       
       Bär sieht jedoch keine Lösung darin, die konventionelle Landwirtschaft mit
       mehr Förderung aufrechtzuerhalten: „Wer seinen eigenen Beitrag zum
       Klimawandel hochfährt, kann nicht erwarten, dass wir ihn raushauen“, sagt
       er. „Hilfe muss damit verbunden sein, dass sich die Betriebe anpassen.“
       
       26 Aug 2026
       
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