# taz.de -- Drohnenvorfälle in Rumänien: Neptun ist ein verlockendes Ziel
> Rumänien ist es gelungen, eine Marinedrohne nahe einem
> Offshore-Gasprojekt zu zerstören. Die Vorfälle häufen sich und stellen
> Bukarest auf die Probe.
(IMG) Bild: Erhöhte Bedrohungslage: Ein rumänisches F16-Kampfflugzeug startet auf dem Luftwaffenstützpunkt Borcea 86 im Südosten Rumäniens
In diesem Sommer beschloss Magda Măgureanu, zu Hause in Bukarest zu
bleiben, anstatt wie üblich ihren Kurzurlaub an der rumänischen
Schwarzmeerküste zu verbringen. Die Entscheidung der 58-Jährigen hat vor
allem finanzielle Gründe. Sie war kürzlich in Kurzarbeit geschickt worden,
da ihr Arbeitgeber wegen der Wirtschaftskrise in Rumänien – das Land mit
dem höchsten Haushaltsdefizit in der EU – Kosten einsparen musste.
Geld war nicht der einzige Grund. Măgureanu sagt, sie sei auch zunehmend
besorgt über den Krieg in der benachbarten Ukraine, nachdem sie Berichte in
den Medien, vor allem aber in den sozialen Medien gelesen habe. „Ich spüre,
dass der Krieg immer näher rückt, und frage mich daher immer wieder, wie
sicher wir eigentlich sind“, sagt sie. Ihre Sorge teilen viele Rumänen.
Seit des vollumfänglichen Einmarschs Russlands in die Ukraine im Februar
2022 war Rumänien immer wieder vom Krieg betroffen. Doch die Zahl der
Vorfälle hat in den letzten Wochen stark zugenommen. Rumänien, das eine
fast 650 Kilometer lange Grenze zur Ukraine hat, verzeichnete allein in
diesem Jahr bislang 27 [1][Drohnenübergriffe.] Seit dem Beginn der Invasion
Russlands wurden laut Verteidigungsministerium insgesamt rund 60 Drohnen
oder Drohnenfragmente auf rumänischem Territorium identifiziert.
Bukarest reagierte zunächst zurückhaltend auf die Übergriffe. Bis Mai 2025
beschränkte sich Rumänien weitgehend darauf, Kampfflugzeuge zu entsenden,
Drohnenwracks zu bergen, Schutzräume in Grenznähe zu errichten und Moskau
dafür zu verurteilen, dass es zuließ, dass der Krieg auf rumänisches
Territorium übergriff.
## Bereits vier Drohnen abgeschossen
Das änderte sich im vergangenen Jahr, als im Mai ein Gesetz in Kraft trat,
das dem Militär die klare Befugnis erteilt, unbemannte Fluggeräte
anzugreifen, die illegal in den rumänischen Luftraum eindringen. Allein im
letzten Monat haben Kampfflugzeuge vier Drohnen abgeschossen, daran waren
auch in Rumänien stationierte Flugzeuge anderer Nato-Staaten beteiligt.
Der jüngste Vorfall ereignete sich am 20. August. Eine rumänische F-16
zerstörte mit ihrer Bordkanone eine Marinedrohne in der ausschließlichen
Wirtschaftszone (EEZ) Rumäniens im Schwarzen Meer, und zwar in der Nähe des
Offshore-Gasprojekts „Neptun Deep“, etwa 150 Kilometer östlich der
rumänischen Küste. Anlagen in der EEZ werden nicht explizit von Artikel 5
des Nato-Vertrags über die kollektive Verteidigung erfasst, möglicherweise
ist „Neptun Deep“ wegen dieser Unsicherheit ein verlockendes Ziel.
[2][Präsident Nicusor Dan] beschuldigte Russland und verurteilte Moskau
dafür, „kritische Infrastruktur“ und Menschen, die „auf der Plattform
arbeiten“, zu gefährden. „Ich verurteile die Zunahme dieser
unverantwortlichen Vorfälle seitens der Russischen Föderation aufs
Schärfste“, erklärte Dan auf X. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
der Leyen verurteilte den Vorfall: „Eine eskalierende Drohkampagne findet
statt, die unsere Bürger verunsichert und darauf abzielt, unsere Union zu
spalten. Das ist hybride Kriegsführung.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Drohnen in der Nähe von „Neptun Deep“
gesichtet wurden. Bereits am 11. August zerstörten Taucher der rumänischen
Armee zwei russische Drohnen vom Typ „Gerbera“ in der Nähe der
Projektanlage.
## Druck auf Rumäniens Streitkräfte erhöht
Das Offshore-Gasprojekt unter der Leitung der österreichischen OMV Petrom
und des rumänischen staatlichen Gasunternehmens Romgaz soll im nächsten
Jahr die Produktion aufnehmen. Es soll jährlich rund 8 Milliarden
Kubikmeter Gas fördern und könnte Rumänien zum größten Erdgasproduzenten
der EU machen, sobald die volle Förderkapazität erreicht ist.
Experten zufolge hat die Verschärfung der russischen Angriffe in der Region
Odessa nahe der rumänischen Grenze in der aktuellen Phase des Krieges zu
der steigenden Zahl von Vorfällen mit Drohnen beigetragen. Doch laut dem
pensionierten Marineoffizier und Militäranalysten Valentin Mateiu könnte es
um mehr gehen als nur um Drohnen, die unbeabsichtigt über die Grenze
gelenkt wurden. „Es gab Situationen, die sich nicht als rein zufällige
Vorfälle erklären lassen. Wir können daher die Möglichkeit nicht
ausschließen, dass [3][Russland einen hybriden Krieg führt], der darauf
abzielt, die Reaktionsfähigkeit Rumäniens, eines Nato-Mitgliedstaats, auf
die Probe zu stellen“, sagt Mateiu.
Die wiederholten Vorfälle haben den Druck auf die Luft- und Seeverteidigung
Rumäniens erhöht und in der Öffentlichkeit Fragen aufgeworfen, wie gut das
Land gegen die vielfältigen hybriden Bedrohungen aus Russland geschützt
ist.
Mateiu bleibt vorsichtig, ist aber optimistisch. Rumänien habe mit der
Unterstützung seiner Nato-Verbündeten bislang unter Beweis gestellt, über
ein funktionierendes Verteidigungs- und Schnellreaktionssystem zu verfügen,
das in der Lage ist, bedrohliche Drohnen unschädlich zu machen. „Die Fakten
sprechen für sich“, sagt er. „Die Tatsache, dass Rumänien den Bedrohungen,
denen es ausgesetzt ist, wirksam begegnet, kann nur dazu beitragen,
ähnliche Aktionen in Zukunft zu verhindern.“
23 Aug 2026
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(DIR) Marian Chiriac
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