# taz.de -- Regierungskrise in Rumänien: Liberaler fällt durch
> Der designierte Premier Adrian Veştea verfehlt die nötige Mehrheit im
> Parlament. Jetzt muss Staatschef Dan einen neuen Kandidaten vorschlagen.
(IMG) Bild: Der designierte Premier Adrian Veştea (Mitte) wurde vom rumänischen Parlament nicht bestätigt
Der zweite Anlauf des rumänischen Staatspräsidenten Nicuşor Dan, den von
ihm designierten Regierungschef Adrian Veştea vom Parlament bestätigen zu
lassen, ist am Montag gescheitert. Für den liberalen Adrian Veştea und die
von ihm zusammengestellte Regierungsriege stimmten am Montag 189
Parlamentarier. Für seine Wahl hätte Veştea 233 Stimmen gebraucht. Ähnlich
war es Anfang Juni Eugen Tomac ergangen. Er warf noch vor einer Abstimmung
im Parlament die Flinte ins Korn, nachdem die Mehrzahl der Abgeordneten
ihre Ablehnung angekündigt hatten.
[1][Der derzeitig kommissarische Ministerpräsident und Chef der liberalen
Partei PNL, Ilie Bolojan, wurde per Misstrauensantrag Anfang Mai seines
Amtes enthoben]. Die von ihm eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen des
Staatshaushalts, der Senkung der Staatsverschuldung und der Inflationsrate
von über zehn Prozent, die er mit drastischen Steuererhöhungen und
Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich durchsetzen wollte, waren auf
Widerstand gestoßen.
Sein autoritärer Regierungsstil, fehlende Transparenz und sein arrogantes
Verhalten gegenüber der Presse verdüsterten zunehmend das Bild des
Hoffnungsträgers, das er nach seinem Antritt als Regierungschef im Juni
2025 der Öffentlichkeit zu vermitteln versucht hatte. Auch das anfangs noch
gute Verhältnis zu [2][Präsident Nicuşor Dan] trübte sich in den letzten
Monaten ein.
Nach der undurchsichtigen Annullierung der Präsidentschaftswahlen 2024, die
darauf abzielten, den Sieg des rechtsradikalen Călin Georgescu zu
verhindern, hatte Dan seinen Wählern versprochen, auf keinen Fall eine
Erhöhung der Mehrwertsteuer zuzulassen.
## Steigende Preise
Eine der ersten Maßnahmen der von Bolojan geführten Regierungskoalition aus
Vertretern der Nationalliberalen Partei (PNL), der neoliberalen Partei
Rettet Rumänien (USR), der pseudosozialdemokratischen PSD und des
Demokratischen Verbands der Rumänienungarn (UDMR) bestand darin, die
Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent heraufzusetzen. Die durch die hohe
Inflationsrate steigenden Preise trafen insbesondere Rentner und
Sozialbedürftige, Kranke sowie Schüler und Studenten.
Auch in der Regierungskoalition hing der Haussegen schief. Schwere Vorwürfe
gegen Bolojan formulierten immer wieder die Sozialdemokraten, die aus der
Regierung austraten und mit der rechtsradikalen Partei Allianz für die
Vereinigung der Rumänen (AUR) Bolojan per Misstrauensantrag stürzten.
Bolojan zeigte sich unbeeindruckt, klammert sich an sein Amt und ging
rabiat gegen die Unterstützer des designierten liberalen
Ministerpräsidenten Adrian Veştea vor. Bei einem außerordentlich
einberufenen Kongress der Nationalliberalen PNL wurde der Parteiausschluss
des „Putschisten“ Veşteas angekündigt. Der Kongress wählte Bolojan mit 94
Prozent der Delegiertenstimmen und verabschiedete eine Resolution, die jede
Zusammenarbeit mit der pseudosozialdemokratischen PSD ausschließt.
Diese Intransigenz verhärtet nicht nur die Frontlinien zwischen den im
Parlament vertretenen Parteien, sondern erschwert auch den Prozess einer
Mehrheitsfindung für die Einsetzung einer neuen Regierung. Die liberale PNL
und die neoliberale USR wollen keine künftige Koalition mit der PSD. Der
Ungarnverband hingegen schließt den Eintritt in eine von der PSD geführte
Regierung nicht aus. Die PSD lehnt jedwede Regierungsbeteiligung der
neoliberalen USR ab. Alle vier Parteien versprechen, auf keinen Fall mit
der rechtsradikalen AUR zusammenzuarbeiten.
## Rechtsradikale als Nutznießer
Der Nutznießer des Parteienstreits ist die rechtsradikale AUR, die in den
Umfragen bei 40 Prozent liegt, Neuwahlen fordert und darauf pocht, die
Begründung für die Annullierung der Präsidentschaftswahlen zu
veröffentlichen. In der vom Verfassungsgericht 2024 abgesegneten
Annullierung hieß es, Georgescu sei von einer fremden Macht unterstützt
worden. Staatspräsident Dan hatte nach seinem Amtsantritt versprochen, die
geheimen Unterlagen, auf die sich das Verfassungsgericht in seinem Urteil
gestützt hatte, der Öffentlichkeit vorzulegen. Das ist nicht geschehen.
Nicuşor Dan befindet sich jetzt in der misslichen Lage, erneut einen
Kandidaten als Ministerpräsident vorschlagen zu müssen, der im Parlament
die nötige Mehrheit zusammenkratzen könnte. Aller Wahrscheinlichkeit nach
wird es diesmal PSD-Chef Sorin Grindeanu sein. Die PSD war mit über 23
Prozentpunkten als stärkste Partei aus den Parlamentswahlen 2024
hervorgegangen.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) William Totok
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