# taz.de -- Bundesanwaltschaft ermittelt: Jungnazi soll Jungen zu Mord angestiftet haben
       
       > Ein Jugendlicher aus Rheinland-Pfalz soll Kinder zu schwersten
       > Gewalttaten angestachelt haben, bis hin zum Mord. Nun ermittelt die
       > Bundesanwaltschaft.
       
 (IMG) Bild: Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof Karlsruhe
       
       Irgendwann gab es offenbar keine Grenzen mehr. Immer weiter soll der
       Rheinland-Pfälzer Kai M., 19 Jahre alt, mit seiner Onlinegruppe Jugendliche
       zu Straftaten angestachelt haben. Jungen in den USA und Schweden zu
       Brandstiftungen an Fahrzeugen. Ein Mädchen zu sexuellen Handlungen an sich
       mit einem Messer, bei dem sie schwer verletzt wurde. Und einen
       Minderjährigen in Russland zu einem Mord eines Kindes an einer Schule mit
       einem Messer. Und von all dem soll er Videos ins Internet gestellt haben.
       
       Am 17. März dann stoppte die Polizei die grausame Serie. Sie nahm Kai M. im
       Raum Trier fest – damals noch im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft
       Koblenz. Die gab die Festnahme damals nicht bekannt, wegen der
       Persönlichkeitsrechte des jungen Beschuldigten und der laufenden
       Ermittlungen.
       
       Nun aber teilte am Donnerstag die [1][Bundesanwaltschaft] mit, dass sie den
       Fall von Kai M. übernommen hat. Der Vorwurf: Rädelsführerschaft in einer
       terroristischen Gruppe. Dazu kommen Anstiftung zum Mord, zu mehrfacher
       Brandstiftung, zu sexuellem Missbrauch eines Kindes oder die Verbreitung
       von Darstellungen von Kindesmissbrauch.
       
       Damit übernimmt die oberste Ermittlungsbehörde der Bundesrepublik erstmals
       einen Fall aus dem Feld der sogenannten COM-Szene. Diese steht für ein
       internationales Onlinenetzwerk, in dem Gewalt und Sadismus gefeiert werden
       – und gezielt nach Kindern und Jugendlichen als Opfern gesucht wird. Diese
       werden in Chats mit Drohungen zu Straftaten oder Erniedrigungen und
       Selbstverletzungen bis hin zu Suiziden gedrängt. Die Szene an sich ist
       nicht zwingend politisch. Im Fall der Gruppe von Kai M. aber inszenierte
       diese sich auch als rechtsextrem – weshalb nun die Bundesanwaltschaft den
       Fall übernahm.
       
       ## Tatvideos als Werbung für weitere Anschläge
       
       Kai M. soll sich bereits seit gut zwei Jahren in dieser Szene bewegt haben.
       Laut Bundesanwaltschaft gründete er Ende März 2024 zusammen mit anderen
       eine Onlinegruppe, die rechtsextreme Parolen verbreitete und schwerste
       Straftaten bis hin zu Morden ankündigte. Anders als bei anderen COM-Gruppen
       sei deren Ziel mit den Gewalttaten auch der Zusammenbruch der
       gesellschaftlichen Ordnung gewesen. Mit den Videos der Taten sollte Werbung
       für die Gruppe und weitere Anschläge gemacht werden.
       
       Ende 2024 soll sich Kai M. dann einer weiteren Onlinegruppe angeschlossen
       haben und dort ebenfalls zum Anführer geworden sein. Und der
       Rheinland-Pfälzer soll in beiden Gruppen maßgeblich an der Vorbereitung und
       Ausführung der Gewalttaten beteiligt gewesen sein.
       
       Das BKA hatte bereits im Juni 2025 vor der COM-Szene gewarnt. Die Täter
       agierten „perfide und manipulativ“, meist allein um Macht auszuüben und um
       Anerkennung in der Community zu erlangen, erklärte die Behörde damals. Für
       Aufmerksamkeit sorgte zuletzt der Fall eines 21-jährigen Hamburgers, der
       [2][unter dem Pseudonym „White Tiger“] mit seiner Gruppe Kinder im Internet
       zu Selbstverletzungen und in einem Fall sogar in den Tod getrieben haben
       soll. Mehr als 200 Straftaten werden ihm zur Last gelegt, darunter 35
       Gewaltdelikte. Gegen ihn läuft derzeit ein Prozess in Hamburg.
       
       Der [3][Thinktank Cemas] hat die Szene schon länger im Blick. Auch die
       Aktivitäten der Gruppe von Kai M. habe man verfolgt, erklärte Mitarbeiter
       Thilo Manemann. „Durch die für sich reklamierten Taten hat die Gruppe in
       der Community einen hohen Status genossen.“ Die Gruppe habe sich „mit
       besonderer Grausamkeit hervorgetan“.
       
       Cemas ordnet die Szene als „Nihilistic Violent Extremism“ ein, deren Ziel
       eine gesellschaftliche Zerstörung sei sowie Anerkennung in der Community
       durch extreme Gewalt. Vor allem auf Telegram sei diese „hochaktiv“, hieß es
       zuletzt in einem Report. Einige Gruppen würden sich auch explizit als
       Terrorgruppen inszenieren. Cemas ordnete auch eine Brandstiftungsserie in
       Deutschland und Österreich im April dieses Jahres einer Gruppe dieser Szene
       zu. Der Thinktank warnte vor einem transnationalen Phänomen, „das auch die
       kommenden Jahre bestehen bleiben könnte“.
       
       20 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/Pressemitteilung-vom-20-08-2026.html?nn=478184
 (DIR) [2] /White-Tiger-Prozess-in-Hamburg/!6143131
 (DIR) [3] https://cemas.io/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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