# taz.de -- Proteste gegen Zwangsräumung: Genossenschaft wirft unliebsame Mieterin auf die Straße
> Die Ideal lässt ein Mitglied zwangsräumen, das fehlerhafte Abrechnungen
> erfolgreich bemängelte. Grund für die Kündigung ist jedoch eine anderer.
(IMG) Bild: Zwangsräumungen sind scheiße: Proteste des Bündnisses Zwangsräumungen verhindern, 2021
Am Anfang war der Ton zwischen den sieben Besucher*innen und dem
Vorstandsmitglied der Ideal-Baugenossenschaft noch freundlich. Doch das
änderte sich schnell. Denn bei der kleinen Gruppe, die Mittwoch um 12 Uhr
in den Räumen der Ideal in Neukölln vorsprach, [1][handelte sich um
Unterstützer*innen des Bündnisses Zwangsräumung verhindern]. Sie
wollten einen Brief abgeben, in dem sie den Vorstand der Baugenossenschaft
auffordern, die Räumung der Mieterin Wiebke Schneider, die eigentlich
anders heißt, zurückzunehmen oder zumindest einen Räumungsaufschub zu
gewähren.
Schneider wohnt seit 25 Jahren in einer Wohnung der Genossenschaft. Für den
7. September hat sich die Gerichtsvollzieherin angekündigt. „Wenn ich aus
der Wohnung geräumt werde, kann ich nicht mehr weiterarbeiten“, sagt
Schneider, die als Künstlerin arbeitet. Sie verweist darauf, dass sie sich
in den vergangenen Monaten auf über 80 Wohnungsanzeigen ohne Erfolg
beworben hatte. Ob ein ärztliches Attest, dass Schneider bei ihrer Wohnung
eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes bescheinigt, einen
Räumungsaufschub bewirkt, ist noch offen.
Schneider blickt mit Angst in die Zukunft. „Ich weiß nicht, was mich am 7.
September erwartet“, sagt sie. Im Falle einer [2][Zwangsräumung muss sie
neben dem Verlust ihrer Wohnung auch noch für die Kosten der Räumung
aufkommen.] Trotzdem macht Schneider weiter einen kämpferischen Eindruck.
„Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe mich an alle Regeln gehalten.“
Die drohende Räumung ist die Folge einer Auseinandersetzung zwischen der
Mieterin und der Baugenossenschaft. Schneider monierte Missstände und
Mängel, unter anderem bei der Betriebskostenabrechnung. Die juristische
Auseinandersetzung währte mehrere Jahre.
## Unliebsame Mieterin
Dabei hatte die Mieterin auch Erfolge vor Gericht. Die Genossenschaft
weigerte sich, Belegeinsicht zu gewähren und musste erst vom Gericht dazu
verurteilt werden – inklusive richterlichem Durchsuchungsbeschluss für die
Büroräume. Demnach stellte das Gericht etliche Unstimmigkeiten in den
Abrechnungen fest – etwa Aufträge ohne Verträge oder Tätigkeitsnachweise
und fehlerhafte Flächenangaben für die Wohnungen, berichtete [3][das
Mietermagazin] bereits 2023 über die Auseinandersetzung.
Doch Schneider, die auch die internen Wahlen innerhalb der Genossenschaft
kritisch beobachtete, galt bald als Querulantin. Ab 2023 folgten gleich
mehrere Kündigungen mit unterschiedlichen Begründungen. Zuletzt warf die
Ideal Schneider vor, Handwerker:innen den Zugang in die Wohnung
verweigert zu haben – mit Erfolg. Die Genossenschaft konnte vor dem
Berliner Landgericht einen Räumungstermin erwirken.
Dass die Ideal einen Aufschub gewährt, ist unwahrscheinlich. Das
Vorstandsmitglied, das seinen Namen nicht nennen wollte, erklärte gegenüber
der Delegation von Zwangsräumung verhindern, zu laufenden Verfahren keine
Auskunft geben zu wollen.
Auf mehrmalige Anfrage der taz gab es von der Baugenossenschaft keine
Rückmeldung. Das Bündnis Zwangsräumung verhindern will die Mieterin weiter
unterstützen. „Wir werden die drohende Räumung mit unseren Mitteln und
Möglichkeiten begleiten“, sagte Bündnissprecherin Sarah Walter.
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Buendnis-Zwangsraeumung-verhindern/!5886955
(DIR) [2] /Zwangsraeumung-in-Bremen/!6201452
(DIR) [3] https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm1223/genossenschaft-ideal-tanz-auf-den-missstaenden-122308a.htm?hilite=Ideal)
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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