# taz.de -- Neuer ukrainischer Verteidigungsminister: Machtkampf in Kyjiw vorerst entschieden
       
       > Jewhen Chmara ist neuer Verteidigungsminister der Ukraine. Die Rückkehr
       > seines beliebten Vorgängers ist damit vom Tisch. Dieser fordert nun
       > Neuwahlen.
       
 (IMG) Bild: Vorher Verteidigungsminister, jetzt Angreifer auf Selenskyj: Mychajlo Fedorow, hier im April in Berlin, fordert Neuwahlen
       
       Das ukrainische Parlament hat am Mittwoch Jewhen Chmara zum neuen
       Verteidigungsminister der Ukraine ernannt. 312 von 390 Abgeordneten
       stimmten für ihn. Chmara hatte das Amt seit Mitte Juli kommissarisch
       geführt. Zuvor hatte der Verteidigungsausschuss seine Kandidatur einstimmig
       gebilligt.
       
       Damit steht fest: Mychajlo Fedorow, der am 14. Juli mit der Entlassung von
       Premierministerin Julia Swiridenko auch sein Amt als Verteidigungsminister
       verlor, hat seinen Kampf um Wiedereinsetzung endgültig verloren. Seit Mitte
       Juli hatten seine Anhänger in mehreren Städten der Ukraine bei
       [1][Kundgebungen und Demonstrationen mit bis zu mehreren Hundert
       Teilnehmern] täglich seine Rückkehr gefordert.
       
       Am Vorabend der Abstimmung wandte sich Fedorow per Video an die
       Öffentlichkeit. In einer förmlichen, gut vorbereiteten Rede dankte er
       seinen Unterstützern, forderte Neuwahlen und einen entschlosseneren Kampf
       gegen Korruption. Doch selbst seine Anhänger widersprechen ihm in einem
       Punkt: Wahlen seien im Krieg nicht möglich, erklärte Dmytro Kosjatinski,
       einer der Organisatoren der Pro-Fedorow-Proteste. Auch Jaroslaw Schelesnjak
       von der Oppositionspartei Holos lehnt Wahlen während des Krieges ab.
       Unterdessen setzten sich russische Angriffe unvermindert fort. Am
       Donnerstag traf eine Drohne in Cherson einen Bus. Vier Menschen starben,
       fünf wurden verletzt.
       
       Ironie der Geschichte: Technisch möglich wären Wahlen mit
       Online-Stimmabgabe wohl erst mithilfe von Fedorow. Er war von 2019 bis
       Januar 2026 Minister für digitale Transformation und hatte zuvor den
       digitalen Wahlkampf des Präsidentschaftskandidaten Wolodymyr Selenskyj
       entscheidend mitgeprägt.
       
       Zwei zentrale digitale Plattformen des ukrainischen Staates gehen auf
       Fedorow zurück. Die App „Diia“ erlaubt Bürgern, digitale Dokumente wie
       Personalausweise oder Steuerunterlagen auf dem Smartphone zu nutzen und
       staatliche Dienstleistungen online zu erledigen. Die App „Reserve+“ dient
       Wehrpflichtigen und Reservisten als digitale Unterstützung. Doch als
       Oppositionspolitiker dürfte Fedorow kaum noch mit einer solchen Aufgabe
       betraut werden.
       
       ## Erneut Ermittlungen wegen Korruption
       
       Unterdessen gehen ukrainische Korruptionsermittler gegen ein Netzwerk vor,
       das 150 Millionen Hrywnja (rund 3,2 Millionen Euro) gewaschen haben soll.
       Präsident Selenskyj entließ die stellvertretende Leiterin des
       Präsidialamtes, Iryna Mudra, sofort nach Bekanntwerden der Ermittlungen.
       Das Geld sollte offenbar als Kaution für den ehemaligen Energieminister
       Herman Haluschtschenko dienen. Zu den Verdächtigen zählen der ehemalige
       Abgeordnete Maksym Mykytas, der Abgeordnete Wadym Stolar, der
       Aufsichtsratsvorsitzende der Sense-Bank, Mykola Hladyschenko, und der
       Vorstandsvorsitzende der Bank, Oleh Stupak.
       
       Davon unabhängig setzt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) seine
       mehrtägige Ukraine-Reise fort. Am Mittwochmorgen traf er sich im Zentrum
       von Kyjiw mit 70 deutschen und ukrainischen Vertretern aus Industrie,
       Energiewirtschaft, Umweltschutz und Finanzwesen. Das Treffen, das in Größe
       und Zusammensetzung erstmals stattfand, soll die Zusammenarbeit beim Ausbau
       erneuerbarer und dezentraler Energien stärken.
       
       Die Ukraine arbeite nicht nur daran, diesen Krieg zu bestehen. Sie arbeite
       gleichzeitig auch an ihrer Zukunft. Und genau darum gehe es bei seiner
       Reise, erklärt der Minister in einer von der Deutschen Botschaft in Kyjiw
       verbreiteten Erklärung. „Dezentrale erneuerbare Energien machen die
       Energieversorgung weniger verwundbar“, sagte Schneider.
       
       Green Tech sei eine Schlüsselbranche, in der 3,4 Millionen Menschen
       arbeiten. Schneider wird von Vertretern von 17 deutschen Unternehmen
       begleitet. Geplant sind auch Besuche in Tschornobyl und den Karpaten, wo er
       sich über den Schutz europäischer Urwälder und die Biodiversität unter
       Kriegsbedingungen informieren will.
       
       19 Aug 2026
       
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       wenn das in Kriegszeiten nicht geht – seine Argumente sind nachvollziehbar.