# taz.de -- Datendiebstahl in Frankreich: Personendaten des Fiskus meistbietend zu verkaufen
> Bei Hackerangriffen auf Steuerbehörden wurden Daten von 700.000
> Steuerpflichtigen gestohlen. Auch Server des Erziehungsministeriums
> wurden gehackt.
(IMG) Bild: Betretene Gesichter vor der Presse: die Generaldirektorin für öffentliche Finanzen und der Staatssekretär für öffentliche Konten
Ein Kinderspiel, oder fast. Ohne große Schwierigkeiten hat sich in
Frankreich ein Hackerduo, das sich auf X selbst „ZeroBytes“ nennt, Zugang
zuerst zu Datenbanken der Steuerbehörden verschafft und dann des
Erziehungsministeriums. Dabei wurden Personaldaten von Lehrer*innen und
Schüler*innen kopiert. Das Datenleck ist enorm und besonders peinlich
für die Verantwortlichen der Netzsicherheit. Das Ausmaß wird im Internet
von [1][www.frenchbreaches.com] dokumentiert und aktualisiert.
Diese gestohlenen Daten würden bereits im Darknet meistbietend zum Kauf
angeboten. Ein Teil sei bereits an zwei Interessenten für „mehrere Tausend
Euro“ verkauft worden, behaupten die bisher nicht identifizierten Hacker.
Sie brüsten sich mit dem Erfolg ihres Angriffs und versprechen weitere
Taten.
Sie sagen, es gehe ihnen hauptsächlich „ums Geld“. Sie kommunizieren auf X
ausschließlich schriftlich unter ihrem Pseudonym. Laut dem Fernsehsender
BFM, der Kontakt mit ihnen aufnehmen konnte, wollen sie ihre Einbrüche in
Datenbanken der Staatsverwaltung fortsetzen. Aufgrund des verwendeten
Vokabulars vermutet BFM, dass es sich eher um Jugendliche handeln könnte.
Die Steuerbehörden mussten zerknirscht bestätigen, dass Daten von rund
700.000 Personen oder Unternehmen gestohlen wurden. Betroffene müssen davon
ausgehen, dass von ihnen Name und Passwort, Anschrift, Telefonnummer,
Mail-Adresse, Steuernummer, Geburtsort und -datum, Zivilstand und Angaben
zum steuerpflichtigen Einkommen und des Steueransatzes in unbefugte Hände
gerieten und in betrügerischer oder sonstiger böswilliger Weise verwendet
werden, selbst wenn anscheinend nicht direkt Bankdaten entwendet wurden.
Angst vor Phishing, Identitätsklau und Wohnungseinbrüchen
Dank einer Kombination der gestohlenen Daten wären jedoch diverse
Phishing-Attacken oder sogar ein Identitätsklau der vom Diebstahl
Betroffenen möglich. Schon warnen Frankreichs Banken ihre Kunden, jetzt
besonders vorsichtig zu sein. Die Cyberkriminalitätsexpertin Gabriela
Belaïd befürchtet im Webjournal „Mediapart“, dass es wegen des Datenlecks
sogar zu Einbrüchen oder Homejacking-Angriffen kommen könnte.
Die Steuerverwaltung hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt und
begonnen, per E-Mail die Opfer individuell zu informieren. Sie musste aber
gestehen, dass, wie von „ZeroBytes“ behauptet, noch zwei andere ihrer
Datenbanken geknackt wurden. Angeblich geht es um Grundstückskataster und
eine Liste mit ungeklärten Erbschaftsfällen.
Der Datendiebstahl im Erziehungswesen ist deshalb gravierend, weil dabei
eine Unmenge vertraulicher Informationen zu Minderjährigen entwendet
wurden, die künftig gegen sie benutzt werden könnten. Sophie Vénétitay von
der Gewerkschaft SNES-FSU sieht aber auch eine Gefahr für das exponierte
Personal: „Man stelle sich vor, was das bedeuten kann, wenn dies in die
Hände von Leuten gerät, die mit einem Lehrer eine Rechnung begleichen
wollen.“
Eigenen Angaben zufolge hatte „ZeroBytes“ sich zu Beginn Log-in-Namen und
Passwörter bestimmter Computer von Zugriffsberechtigten beschafft. Das
ermöglichte es ihnen, via VPN in das interne Netzwerk der Schulbehörde von
Créteil bei Paris und danach in andere Server zu gelangen und sich dann
dort zu bedienen. Diese Vorgehensweise ist bekannt. Doch dass ihr sofort
und definitiv ein Riegel vorgeschoben wird, ist kaum zu erwarten.
## Inkompetente Cyberabwehr?
Laut „ZeroBytes“ sei ihre unbefugte Präsenz im Netzwerk der Schulen sogar
früh bemerkt worden. Doch man habe sie weiter gewähren lassen. Das wirft
zusätzliche Fragen zur Kompetenz der Netzwerkverantwortlichen auf.
Kurz vor dem Einbruch in die Server des Fiskus und der Erziehungsbehörde
wurde in Frankreich ein anderer Skandal öffentlich, als bekannt wurde, dass
bei der Polizei und der Gendarmerie [2][rund 3 Millionen Klagen oder andere
Hinweise auf Straftaten,] darunter auch Zehntausende Sexualverbrechen gegen
Minderjährige, unbearbeitet in der Schublade liegen geblieben waren.
Wie sollen nach diesen Enthüllungen die Bürger*Innen, die in vielen Fällen
gehalten sind, der öffentlichen Verwaltung private Personenangaben zu
liefern, dieser Staatsverwaltung noch Vertrauen schenken?
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] http://www.frenchbreaches.com/
(DIR) [2] /Polizei--und-Justizskandal-in-Frankreich/!6204576
## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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